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Nasa steht vor Rätsel: Raumsonde „Voyager 1“ schickt mysteriöse Signale aus dem Weltall

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Von: Tanja Banner

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Illustration: Eine „Voyager“-Raumsonde der US-Raumfahrtorganisation Nasa im Weltraum.
Illustration: Eine „Voyager“-Raumsonde der US-Raumfahrtorganisation Nasa im Weltraum. © imago/Science Photo Library

Die Nasa-Raumsonde „Voyager 1“ schickt mysteriöse Daten zur Erde, die Nasa steht vor einem Rätsel. Ein Mitarbeiter macht Hoffnung, dass dieses gelöst wird.

Update vom Dienstag, 14. Juni: Die US-Raumfahrtorganisation Nasa kämpft weiter mit der Raumsonde „Voyager 1“. Das System, das die Orientierung der Raumsonde im Weltall kontrolliert, schickt nach wie vor Daten zur Erde, die „nicht das widerspiegeln, was tatsächlich an Bord passiert“, so der Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen. Das Problem: Die Fehlersuche geht nur sehr langsam vonstatten, da „Voyager 1“ mittlerweile 23,3 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt ist. „Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Unterhaltung mit jemandem, der jeden Tag nur ein Wort sagen kann und Sie hören nur jeden zweiten Tag etwas“, erklärte Zurbuchen kürzlich bei einer Veranstaltung, von der das Portal Space.com berichtet. „Das ist die Art von Diskussion, die wir haben.“

Zurbuchen gab sich bei der Veranstaltung trotzdem zuversichtlich, dass die Nasa-Mitarbeitenden das Rätsel lösen und den Fehler beheben würden. Trotzdem könne „Voyager 1“ nicht für alle Zeiten weitermachen. „Ich sage Ihnen nicht, dass das das Ende der Mission ist“, betonte der Nasa-Wissenschaftsdirektor. Das Team hinter der Raumsonde habe schon zahlreiche „besorgniserregende“ Fehler und Probleme behoben. Doch auch wenn ein Problem eines Tages nicht mehr behoben werden kann, sieht Zurbuchen die „Voyager 1“-Mission positiv: „Wir sollten den Champagner auspacken“. Die Raumsonde ist das am weitesten von der Erde entfernte, von Menschen gebaute Objekt.

Nasa vor Rätsel: Raumsonde „Voyager 1“ ist seit 1977 im Weltall – und hat ein Problem

Erstmeldung vom Freitag, 20. Mai: Washington D.C. – Die „Voyager“-Raumsonden der US-Raumfahrtorganisation Nasa sind legendär. Die zwei Sonden sind im Sommer 1977 kurz nacheinander gestartet, um das äußere Planetensystem zu erkunden. Beide Sonden zählen zu den größten Erfolgen der Nasa, denn sie schaffen etwas Unglaubliches: Sie senden immer noch regelmäßig Daten zur Erde – knapp 45 Jahre nach ihrem Start. „Voyager 1“ und „Voyager 2“ haben längst den Einflussbereich der Sonne verlassen und sind in den interstellaren Raum vorgedrungen, „Voyager 1“ ist derzeit unvorstellbare 23,3 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt – zum Vergleich: der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt etwa 150 Millionen Kilometer.

Doch seit neuestem macht sich das Nasa-Team, das die „Voyager“-Mission betreut, Sorgen um die alternde Raumsonde „Voyager 1“. Während sie normal funktioniert, Befehle von der Erde ausführt und wissenschaftliche Daten sammelt und zur Erde schickt, stimmen Daten des Instruments AACS (attitude articulation and control system) nicht mit dem überein, was an Bord passiert. Ingenieure im „Voyager“-Team stehen vor einem Rätsel.

„Voyager 1“ – Nasa-Forschende stehen vor einem großen Rätsel

Das AACS kontrolliert die Orientierung der 45 Jahre alten Raumsonde im Weltraum. Unter anderem zählt dazu, die Hochgewinnantenne von „Voyager 1“ genau auf die Erde auszurichten, so dass die Raumsonde Daten „nach Hause“ senden kann. Nach Nasa-Angaben deuten alle Anzeichen darauf hin, dass das System funktioniert – „Voyager 1“ schickt Daten zur Erde – doch die Telemetriedaten des Instruments sind ganz offensichtlich falsch. Teilweise würden die Daten aussehen, als seien sie „zufällig generiert“, teilweise zeigten sie nicht den Zustand, „in dem sich das AACS befinden könnte“, so die Nasa in einer Mitteilung.

Bisher habe die Raumsonde keine Fehlermeldungen geschickt, „Voyager 1“ sei nicht in einen abgesicherten Modus gegangen und das Signal, das die Sonde zur Erde schicke, sei nicht schwächer geworden. Das deute darauf hin, dass sich die Antenne weiter in der richtigen Orientierung in Bezug auf die Erde befinde, erklärt die Nasa weiter. „Ein Rätsel wie dieses ist in dieser Phase der ‚Voyager‘-Mission ganz normal“, betont Suzanne Dodd, Projektleiterin für die beiden „Voyager“-Sonden am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa in Pasadena. „Die Raumsonden sind beide fast 45 Jahre alt, was weit über das hinausgeht, was die Planer der Mission erwartet haben.“

„Voyager“-Raumsonden der Nasa befinden sich im interstellaren Raum

Und auch die Umgebung der Raumsonden könnte eine Rolle bei dem aktuellen Mysterium spielen, gibt Dodd zu bedenken. „Wir befinden uns im interstellaren Raum – einer Umgebung mit hoher Strahlung, in der noch keine Raumsonde zuvor geflogen ist. Es gibt also einige große Herausforderungen für das Ingenieurteam.“ Sollte das Team die Ursache der Anomalie nicht finden, werde man versuchen, sich an sie anzupassen, betont Dodd weiter. „Ich denke, wenn es einen Weg gibt, dieses Problem mit dem AACS zu lösen, wird unser Team ihn finden.“ Möglich sei, den Fehler durch Softwareänderungen zu beheben oder ein redundantes Hardware-System der Raumsonde zu nutzen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass das Team, das die „Voyager“-Raumsonden betreut, Backup-Hardware aktivieren muss. 2017 startete das Team für „Voyager 1“ Backup-Triebwerke, nachdem die Haupt-Triebwerke Anzeichen einer Verschlechterung gezeigt hatten. Diese Triebwerke funktionierten – obwohl sie vorher 37 Jahre lang nicht genutzt worden waren.

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„Voyager 1“-Raumsonde der Nasa: Energie sparen für wissenschaftliche Instrumente

Der Zwilling von „Voyager 1“, die Raumsonde „Voyager 2“ befindet sich derzeit 19,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt und funktioniert nach Nasa-Angaben einwandfrei. Mittlerweile wurden jedoch bei beiden Raumsonden verschiedene Untersysteme und Heizer abgeschaltet, um Energie für die wissenschaftlichen Instrumente zu sparen. Bisher wurden keine Wissenschafts-Instrumente abgeschaltet, betont die Nasa in einer Mitteilung. Das „Voyager“-Team bemühe sich, die beiden Raumsonden bis nach 2025 am Laufen zu halten.

Während die technischen Mitarbeiter im „Voyager“-Team versuchen, das Rätsel um die Raumsonde „Voyager 1“ zu lösen, beschäftigen sich die Forschenden im Team mit den wissenschaftlichen Daten, die die beiden Raumsonden aus dem interstellaren Raum zur Erde schicken. Das benötigt einiges an Geduld: Bis Daten von „Voyager 1“ auf der Erde ankommen, dauert es aufgrund der großen Entfernung derzeit 20 Stunden und 33 Minuten.

Wenn die Forschenden also einen Befehl zur Raumsonde schicken, dauert es fast zwei Tage, bis sie eine Antwort von „Voyager 1“ bekommen – doch das Team ist daran gewöhnt, mit diesen großen Zeitverzögerungen zu arbeiten. Und es lohnt sich: Als Belohnung erhalten sie zahlreiche Daten aus dem interstellaren Raum – einer Region, aus der vor „Voyager“ noch nie Daten gesendet wurden. (tab)

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