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Nasa: Die Raumfahrtbehörde der USA und ihre Arbeit im All

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Von: Raphael Digiacomo

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Das Space Shuttle Discovery auf der Startrampe des Kennedy Space Center von Cape Canaveral, Florida. Es ist das meistgenutzte Shuttle der Nasa-Flotte. (Symbolbild)
Das Space Shuttle Discovery auf der Startrampe des Kennedy Space Center von Cape Canaveral, Florida. Es ist das meistgenutzte Shuttle der Nasa-Flotte. (Symbolbild) © Gary Rothstein/dpa

Um die Nasa und ihre Arbeit im Weltall ranken sich zahlreiche Mythen. Ein Überblick über die Aufgaben der US-Raumfahrtbehörde und ihre Geschichte.

Washington D.C. – Aliens, Astronauten, All: Ist die Rede von Raumfahrt, fällt auch schnell der Begriff Nasa. Doch worum genau handelt es sich bei der National Aeronautics and Space Administration (Nationale Aeronautik- und Raumfahrtbehörde), die ihr Hauptquartier in der US-Hauptstadt Washington D.C. hat und über 17.000 Mitarbeiter zählt? Was zeichnet das zivile Weltraumprogramm aus, was ist seine Geschichte?

National Aeronautics and Space Administration (NASA)Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft der USA
Gründung29. Juli 1958
HauptsitzNASA Headquarters, 300 E Street SW, Washington DC
LeitungClarence William „Bill“ Nelson Jr.
Mitarbeiter17.373 (2020)
Budget24,8 Milliarden USD (2022)

Laut eigener Aussage ist die Nasa für 2022 mit einem Budget von 24,8 Milliarden US-Dollar ausgestattet. Ihre 22 Einrichtungen und Anlagen verteilen sich über die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika und untergliedern sich in die Bereiche Forschungszentren, Funkstellen und Verwaltungsanlagen. Ihr aktueller Leiter ist der ehemalige Astronaut und Politiker Clarence William „Bill“ Nelson Jr.

Die Behörde forscht unter anderem zu den Themen Erdklima, Sonne und Sonnensysteme sowie planetare Phänomene wie zum Beispiel auf dem Mars. Ihre Mitarbeiter entwickeln Technologien, Konzepte und Abläufe, um die Forschung zu unterstützen und die Entdeckungen im All voranzutreiben. So auch im Fall des berühmten Rovers „Curiosity“, mit dem die Nasa seit 2012 den roten Planeten erkundet.

Nasa: Geburtsstunde und Geschichte der zivilen US-Raumfahrtbehörde

Als Geburtsstunde der Nasa gilt der 29. Juli 1958. Die Gründung der Behörde wurde damals durch den „National Aeronautics and Space Act“ besiegelt. Hintergrund war, dass dem damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower von seinen Wissenschaftsberatern nahegelegt wurde, eine neue Raumfahrtorganisation mit der zivilen Raumfahrt zu betrauen.

Diese war in der Vergangenheit der Luftwaffe untergeordnet, betreut von einem Komitee namens „National Advisory Committee for Aeronautics“ (NACA). Nach ihrer Gründung nahm die Nasa am 1. Oktober des selben Jahres ihre Arbeit auf, übernahm tausende Mitarbeiter der NACA und baute ihre Strukturen wie das Hauptquartier in Washington und die berühmte Raketen-Abschuss-Rampe in Cape Canaveral, Florida, aus.

Forschung, Technologien, Methoden: Was sind die Aufgaben der Nasa-Wissenschaftler?

Die offiziell ausgerufene Vision der Nasa lautet „das Leben hier zu verbessern, das Leben nach draußen auszudehnen und Leben da draußen zu finden“. In ihrem Missionsziel formuliert die Raumfahrtagentur, „unseren Heimatplaneten zu verstehen und zu schützen, das Universum zu erforschen und nach Leben zu suchen und die nächste Generation von Forschern zu begeistern“.

Erreichen möchte sie dies durch die Entwicklung und Anwendung von Luft- und Raumfahrt-Technologie zwecks Forschung. Im Fokus der Nasa liegt dabei der Aufbau einer Infrastruktur zu Mond und Mars und eine Erkundung dieser. Möglich wird dies unter anderem durch die Vernetzung von Wissenschaft und Industrie.

Astronaut Alexander Gerst auf einem Spaziergang im Weltall
Astronaut Alexander Gerst auf einem Spaziergang im Weltall © Alexander Gerst/ESA/NASA/dpa

Mercury: Die erste bemannte Raumfahrt-Mission der Nasa

Die erste Nasa-Mission mit einem Lebewesen in der Kapsel erfolgte bereits kurz nach der Gründung der Behörde im Dezember 1959 im Rahmen des Mercury-Programms. Doch war bei dem Flug, der zu einer Flughöhe von 85 Kilometern und einigen Minuten Schwerelosigkeit führte, nicht etwa ein Mensch Protagonist, im Gefährt saß stattdessen der Rhesusaffe „Sam“.

Es war Alan Shepard, der als erster US-Amerikaner während eines Raumflugs in die Geschichte einging. Am 5. Mai 1961 startete er mit dem Raumschiff „Freedom 7“ und kam bis auf eine Flughöhe von 187 Kilometer. Der erste Mensch im Weltraum war er jedoch nicht, ihm kam Juri Gagarin aus der damaligen Sowjetunion am 12. April des selben Jahres zuvor.

Meilenstein Mondlandung: Die Apollo-Mission führt den ersten Menschen auf den Mond

Der Traum von der Mondlandung: Das Apollo-Programm sollte den ersten Menschen auf einen fremden Himmelskörper bringen, ein Meilenstein in der Raumfahrt. Bis es zur tatsächlichen Landung auf dem Mond kam, war die Entwicklung mehrerer technischer Abläufe notwendig. So musste die Nasa das Koppeln und die Navigation von Raumschiffen im All oder das Verlassen von Raumschiffen im Raumanzug erforschen.

Die USA befanden sich in einem regelrechten Wettlauf mit der damaligen Sowjetunion. Bereits im Februar 1966 schaffte es die UDSSR, einen Flugkörper erfolgreich auf dem Mond zu landen ‒ Jahre vor den USA. Am 20. Juli 1969 war es schließlich so weit. Die US-Behörde Nasa brachte im Rahmen der Apollo-11-Mission die ersten Menschen auf den Mond.

Astronaut Edwin Aldrin bei seinen ersten Schritten auf dem Mond 1969. Das Foto schoss der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong.
Mondlandung: Astronaut Edwin „Buzz“ Aldrin bei seinen ersten Schritten auf dem Mond 1969. Das Foto schoss der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong. © Neil Armstrong/Nasa/dpa

Neil Armstrong und sein großer Schritt für die Menschheit

Neil Armstrong und Buzz Aldrin betraten gegen 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeitrechnung (MEZ) den Mond. Der sinngemäß übersetzte Satz: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit“, sollte zu einem der am häufigsten zitierten Sätze der Geschichte werden.

„Das ist ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“

Neil Armstrong

Die Nasa führte in den nachfolgenden Jahren noch fünf weitere bemannte Mondlandungen im Zuge des Apollo-Programms durch, bis es nach der Mission „Apollo 17“ im Jahr 1972 schließlich eingestellt wurde. Seitdem betrat kein Mensch mehr den Mond, die Exploration war schlicht zu teuer. Doch aktuell planen mehrere Staaten wieder neue astronautische Raumfahrt-Missionen zum Mond.

Nasa und die ISS: Das Projekt Internationale Raumstation und dessen Entstehung

Die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) wird auch von der Nasa mitbetrieben. Beteiligt sind außerdem die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, die Raumfahrtagenturen von Kanada (CSA) und Japan (Jaxa) und Europa (Esa). Ein entsprechendes Abkommen zum Bau und Betrieb der Raumstation unterschrieben alle Beteiligten im Jahr 1998.

Bereits Anfang der 1960er-Jahre erdachten Fachleute der Nasa erste Szenarien einer Raumstation. Doch erst nach dem Abschluss des Apollo-Programms wurden die Pläne konkreter. Dahinter steckte der noch immer brodelnde Wettstreit mit der Sowjetunion, denn diese hatte 1971 bereits ihre erste Raumstation unter dem Namen „Saljut 1“ gestartet.

Das Bild zeigt die Internationale Raumstation (ISS).
Das Bild zeigt die Internationale Raumstation (ISS). © picture alliance/dpa/NASA

Im Jahr 1973 setzte die US-Behörde ihre Pläne erstmals mit der Station „Skylab“ um, das 171 Tage bewohnt war. Danach war zunächst einmal Schluss an dieser Front und die Nasa wand sich der Entwicklung des Space Shuttles zu. Nachdem 1981 erstmals der Flug eines Space Shuttles gelungen war, wurde das Projekt der Raumstation weiter forciert.

Die Internationale Raumstation nimmt Form an

Die Nasa-Taskforce mit dem Namen „Space Station“ sollte sich ganz der Entwicklung der ISS widmen. Doch die explodierenden Kosten des Projekts und Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Agenturen bremsen die Entwicklung aus, das Vorhaben droht zu scheitern. Als der Kalte Krieg endete, wurde die Zusammenarbeit mit Russland zu einem wesentlichen Faktor bei der Entwicklung der ISS.

Im November 1993 startete das neue, überarbeitete Projekt. Bis 1998 entschieden 13 weitere Länder, sich zu beteiligen. Darunter elf Esa-Staaten, Kanada und Japan. Seit November 2000 ist die Raumstation dauerhaft bewohnt. Nun kann die ISS bei der Erdumkreisung von der Erde aus beobachtet werden. Kosten von Bau und Betrieb der Station werden bis heute auf circa 150 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Mission Mars: Die Erkundung des roten Planeten

Schon 1964 war der Mars Ziel einer Nasa-Mission. Im Zuge von „Mariner 4“ gelang ein Vorbeiflug in 9.000 Kilometern Entfernung zum roten Planeten, was zu dessen ersten Nahaufnahmen führte. Sieben Jahre später schwenkte der Nasa-Satellit im Rahmen der Mission „Mariner 9“ als erster künstlicher Satellit in die Umlaufbahn des Planeten ein und kartografierte dessen Oberfläche.

Eine erste Landung auf dem Mars gelang der Nasa dann mit „Viking 1“. Die Mission lieferte von 1976 bis 1982 unter anderem Bilder von der Landestelle. So kann die Nasa die erste Fahrt eines Rovers auf dem Mars für sich verbuchen, der im Dezember 1996 im Zuge der Mission „Mars Pathfinder“ zum Einsatz kam.

Der Nasa-Rover „Curiosity“ schickt dieses Selfie vom Mars zur Erde.
Der Nasa-Rover „Curiosity“ schickt dieses Selfie vom Mars zur Erde. © Nasa/JPL

Es folgten Einsätze der Mars-Rover „Opportunity“, „Curiosity“ und „Perseverance“. Letzterer landete im Februar 2021, soll nach Spuren von Leben suchen und eine Rückholung von Mars-Proben zur Erde vorbereiten. Der Mars-Helikopter „Ingenuity“ flog im April 2021 erstmals auf dem Mars ‒ der erste Helikoptereinsatz auf einem fremden Himmelskörper.

Weltraumteleskope „Hubble“ und „James-Webb“: Eine Kooperation von Nasa und Esa

Planeten, schwarze Löcher und sogar weit entfernte Galaxien: Das Weltraumteleskop „Hubble“ startete im Jahr 1990 in den Weltraum. Ziel des von Nasa und Esa gemeinsam entwickelten Projekts war es, Störquellen der Erdatmosphäre umgehen zu können. Da nun weder Wolken noch die Atmosphäre den Blick des Weltraumteleskops trüben, kann „Hubble“ auch außerhalb unserer Galaxie Exoplaneten, und Nebel erforschen.

Aufgrund zahlreicher technischer Probleme mussten die Raumfahrtbehörden mehrere Service-Missionen starten, um Wartungsarbeiten am Hubble-Weltraumteleskop vorzunehmen. Geplant ist aktuell, das Teleskop noch bis mindestens 2026 zu Forschungszwecken einzusetzen. Das James-Webb-Weltraumteleskop gilt als „Hubble“-Nachfolger. Seit Januar 2022 kreist es auf seiner Umlaufbahn etwa 1,5 Millionen Kilometer um die Erde.

Politik im All: Konflikte rund um die Raumfahrt

Die weltweit bedeutendsten Raumfahrtbehörden neben der US-amerikanischen Nasa sind zweifelsohne die European Space Agency (Esa), die China National Space Administration (CNSA) sowie die russische Roskosmos. Politische Spannungen und wirtschaftliche Konkurrenz unter den Supermächten USA, Russland und China schlagen sich auch immer wieder auf die Zusammenarbeit in Sachen Raumfahrt nieder.

So drohte Dmitri Rogosin, Chef von Roskosmos, der Nasa im März 2022 im Zuge der Spannungen rund um die Krise in der Ukraine mit einer Aufkündigung der Zusammenarbeit in diversen Weltraumprogrammen. Schlechtesten Falls könnte die angespannte diplomatische Lage zwischen Russland und dem Westen auch ein Ende für die ISS bedeuten.

Arbeitgeber Nasa: Wie wird man Astronaut?

Physik, Chemie oder Biologie: Wer Astronaut werden will, sollte möglichst ein naturwissenschaftliches Studium absolviert haben. Tipp: Mehr als die Hälfte aller Astronauten können einen Doktortitel vorweisen, also steigert es enorm die Chancen ausgewählt zu werden, wenn man promoviert hat. Eine Alternative kann ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik beziehungsweise -informatik darstellen.

Astronaut Matthias Maurer blickt von der Kuppel der Internationalen Raumstation ISS auf die Erde.
Astronaut Matthias Maurer blickt von der Kuppel der Internationalen Raumstation ISS auf die Erde. © Matthias Maurer/NASA/ESA/dpa

Das Auswahlverfahren als solches besteht sowohl bei der Nasa als auch bei der Esa aus einem strengen psychologischen und körperlichen Eignungstest, der sich über mehrere Wochen hinzieht. Dabei werden die Bewerber auf Herz und Nieren überprüft, um zu sehen, ob sie den bisweilen extremen Arbeitsbedingungen im All und den höchst anspruchsvollen, spezifischen Aufgaben auch gewachsen sind. Wer die Tests übersteht, absolviert als Astronautenanwärter eine vierjährige Spezialausbildung.

Die Nasa und die Popkultur

Als Logo auf Pullover und Mützen, Thema von Songtexten oder Motiv aufwendig produzierter Blockbuster aus Hollywood ‒ die Nasa liegt in der Popkultur seit einigen Jahren wieder voll im Trend. Das war jedoch nicht immer so. Nach dem Ende des Kalten Krieges in den 90er Jahren stellten Politiker die Bedeutung der zivilen Raumfahrt in Frage.

Die Nasa-Schwerlastrakete SLS soll 2022 die Mission „Artemis 1“ Richtung Mond befördern. Doch noch wird an ihr gearbeitet. (Archivbild)
Die Nasa-Schwerlastrakete SLS soll 2022 die Mission „Artemis 1“ Richtung Mond befördern. Doch noch wird an ihr gearbeitet. (Archivbild) © imago/UPI Photo

Die Folge: Eine Reihe von Budget-Kürzungen schränkte die Nasa in ihrer Arbeit zunehmend ein. Als Antwort darauf startete die Nasa eine großangelegte Image- und Werbekampagne, deren Protagonist eine modernisierte Version des in den 50er Jahren von James Modarelli entworfenen Logos mit dem Nasa-Schriftzug darstellt. Mit der Lizenzierung des Logos schuf die Nasa eine zusätzliche Einnahmequelle und ist heute in Medien und Mode präsenter als je zuvor. (Raphael Digiacomo)

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