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„Planetarischer Raubüberfall“: Wie massereiche Sterne zu riesigen Planeten kommen

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Von: Tanja Banner

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Auch im Sternentstehungsgebiet NGC 3324 im Carinanebel könnte ein massereicher Stern auf Raubzug gehen. Das Bild stammt vom „James Webb“-Weltraumteleskop.
Auch im Stern-Entstehungsgebiet NGC 3324 im Carinanebel könnte ein massereicher Stern auf Raubzug gehen. Das Bild stammt vom „James Webb“-Weltraumteleskop. © dpa/NASA/ESA/CSA/STScI

Um massereiche Sterne können sich keine Riesenplaneten bilden – dennoch wurden sie beobachtet. Nun haben Forschende herausgefunden, woran das liegt.

Sheffield – Die meisten Sterne werden in dicht gedrängten Stern-Entstehungsgebieten wie dem Orionnebel oder dem Carinanebel geboren. Bereits kurze Zeit später können sich in ihrem Umfeld aus Gas und Staub Planeten entwickeln. Dabei gibt es jedoch Unterschiede: In einer Umlaufbahn um besonders massereiche Sterne können in der Regel keine Riesenplaneten wie Jupiter oder Saturn entstehen, denn die Sterne geben große Mengen ultravioletter Strahlung ab, die das Material verdampfen lässt, aus dem sich Planeten entwickeln.

Trotzdem haben Forschende immer wieder massereiche Sterne gefunden, die von eben solchen riesigen Planeten umkreist werden. Wie passt das zusammen? Ein Forschungsduo von der Universität Sheffield hat nun eine Erklärung dafür gefunden: Massereiche Sterne, die größer als unsere Sonne sind, „stehlen“ in den dicht gedrängten Stern-Entstehungsgebieten Planeten aus den Umlaufbahnen anderer Sterne. Die Studie wurde im Fachjournal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht.

Neue Studie: Massereiche Sterne „stehlen“ Planeten

Riesenplaneten, die massereiche Sterne in großer Entfernung umkreisen, werden von beiden Forschenden „Beasties“ genannt, weil die ersten von ihnen im Rahmen einer Studie namens „Beast“ (B-star Exoplanet Abundance Study) entdeckt wurden. „Unsere neue Erklärung für die Beasties ist, dass sie durch einen planetarischen Raubüberfall auf ihren Umlaufbahnen gelandet sind“, erklärt der Astrophysiker Richard Parker von der University of Sheffield in einem Gastbeitrag in dem Portal The Conversation.

Parker, der gemeinsam mit seiner Kollegin Emma Daffern-Powell eine Studie zu den „Beasties“ durchgeführt hat, erklärt weiter: „Sie wurden um andere Sterne herum geboren und anschließend von den massereichen Sternen eingefangen oder gestohlen.“ Auch sogenannte „frei schwebende“ Planeten – Himmelskörper, die keinen Stern umkreisen – könnten von massereichen Sternen geschnappt werden.

Forschungsduo deckt „planetarischen Raub“ auf

„Im Wesentlichen handelt es sich um einen planetarischen Raub“, erklärt Emma Daffern-Powell in einer Mitteilung der Universität Sheffield. In jedem Stern-Entstehungsgebiet finde ein solcher Raub durchschnittlich ein Mal statt – und zwar in den ersten zehn Millionen Jahren seiner Entwicklung. In der Milchstraße und der lokalen Gruppe von Galaxien, zu der die Milchstraße zählt, sind derzeit knapp 20 Stern-Entstehungsgebiete bekannt.

Auch im Sonnensystem könnte es einen eingefangenen Planeten geben, schreibt Parker in seinem Gastbeitrag weiter. Den „schwer fassbaren und hypothetischen Planeten 9“ könnte er sich vorstellen – Jupiter und die anderen Riesenplaneten hätten sich dagegen um unsere Sonne herum gebildet, ist sich Parker sicher. (tab)

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