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„Monster von einem schwarzen Loch“ wurde jetzt „praktisch in unserem Hinterhof“ gefunden

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Von: Tanja Banner

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Schwarze Löcher schlucken alles, was ihnen zu nahe kommt. Auch Licht, weshalb sie quasi „unsichtbar“ sind. (künstlerische Darstellung)
Schwarze Löcher schlucken alles, was ihnen zu nahe kommt. Auch Licht, weshalb sie quasi „unsichtbar“ sind. (künstlerische Darstellung) © imago/Ikon Images

Forschende stoßen auf ein schwarzes Loch, das sich ungewöhnlich nah am Sonnensystem befindet. Die Studienleiterin spricht von einem „Monster“.

Huntsville – Ein Forschungsteam hat nach eigenen Angaben ein „Monster von einem schwarzen Loch“ unweit des Sonnensystems entdeckt. „Es ist mit einer Entfernung von 1550 Lichtjahren näher an der Sonne als jedes andere bekannte schwarze Loch“, erklärt Sukanya Chakrabarti, Physikprofessorin an der University of Alabama in Huntsville in einer Mitteilung. „Es befindet sich praktisch in unserem Hinterhof.“

Das schwarze Loch, das etwa zwölf Sonnenmassen schwer ist, war für das Forschungsteam um Chakrabarti nicht einfach zu finden: Schwarze Löcher sind dafür bekannt, dass sie alles in ihrer Umgebung anziehen und nichts mehr aus ihnen hinausdringt – nicht einmal Licht. Dadurch sind schwarze Löcher quasi „unsichtbar“ und nur durch ihre Interaktion mit anderen Himmelskörpern oder die Auswirkung ihrer Masse auf andere Körper zu entdecken. Die Suche nach einem Kandidaten für ein schwarzes Loch kann dadurch wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen sein.

Forschende finden „Monster von einem schwarzen Loch“

Für ihre Studie, die für die Veröffentlichung im Fachjournal Astrophysical Journal eingereicht, jedoch noch nicht von Fachleuten geprüft wurde, nahm sich das Forschungsteam um Chakrabarti fast 200.000 Doppelsternsysteme vor. Die Forschenden hielten Ausschau nach Sternen, die offenbar massereiche, aber nicht sichtbare Objekte umkreisten. „Wir haben nach Objekten gesucht, von denen berichtet wurde, dass sie große Begleitmassen haben, deren Helligkeit aber einem einzelnen sichtbaren Stern zugeschrieben werden kann“, erklärt Chakrabarti, die Hauptautorin der Studie. „Man hat also einen guten Grund anzunehmen, dass der Begleiter dunkel ist.“

Ein System weckte die Aufmerksamkeit des Forschungsteams: Ein Stern, dessen Masse etwas kleiner als die unserer Sonne ist, umkreist ein Objekt, das etwa zwölfmal massereicher zu sein scheint. „Die Anziehungskraft des schwarzen Lochs auf den sichtbaren sonnenähnlichen Stern lässt sich aus spektroskopischen Messungen bestimmen“, so Chakrabarti.

So könne man auf die Masse des unsichtbaren Begleiters schließen, aber auch auf die Rotationsperiode und die Umlaufbahn. „In diesem Fall haben wir es mit einem Monster von einem schwarzen Loch zu tun, aber es befindet sich auf einer Umlaufbahn von 185 Tagen, also etwa einem halben Jahr“, erläutert Chakrabarti die Erkenntnisse. „Es ist ziemlich weit von dem sichtbaren Stern entfernt und bewegt sich nicht auf ihn zu.“

Objekt könnte das erdnächste schwarze Loch sein

Schwarze Löcher wurden bereits zahlreiche entdeckt – vom supermassereichen schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße gibt es mittlerweile sogar Aufnahmen. Außerhalb der Milchstraße haben Forschende erst kürzlich ein ganz besonderes schwarzes Loch gefunden. An dem neu entdeckten schwarzen Loch ist seine Nähe zu unserem Sonnensystem besonders bemerkenswert: Mit nur 1550 Lichtjahren Entfernung könnte es das am nächsten an der Erde befindliche bisher bekannte schwarze Loch sein.

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Ein mutmaßliches schwarzes Loch im Sternsystem V Puppis ist nur etwa 960 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt, wurde jedoch noch nicht als schwarzes Loch bestätigt. Weitere vermeintliche schwarze Löcher in Entfernungen von 1000 und 1120 Lichtjahren wurden mittlerweile als andere kompakte Objekte identifiziert. (tab)

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