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„Ziemlich alarmierend“: Strahlungsausbruch trifft Erde alle 1000 Jahre – bald könnte es wieder soweit sein

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Von: Tanja Banner

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Künstlerische Darstellung: In den Jahresringen von Bäumen haben australische Forschende Hinweise auf heftige Strahlungsausbrüche in der Vergangenheit entdeckt.
Künstlerische Darstellung: In den Jahresringen von Bäumen haben australische Forschende Hinweise auf heftige Strahlungsausbrüche in der Vergangenheit entdeckt. © University of Queensland

In Jahresringen von Bäumen entdecken Forschende Hinweise auf einen starken Ausbruch kosmischer Strahlung. Sie fürchten große Schäden.

St. Lucia – Bäume sind erstaunliche Lebewesen: Nicht nur, dass sie Sauerstoff produzieren, den die Menschheit zum Atmen braucht – in ihren Jahresringen kann man einiges darüber ablesen, was in einem Jahr passiert ist. So hat die japanische Astronomin Fusa Miyake im Jahr 2012 heftige Strahlenausbrüche für die Jahre 774 und 775 in den Jahresringen japanischer Zedern festgestellt. Das Phänomen – ein relativ kurzfristiger und sehr starker Ausbruch kosmischer Strahlung unbekannter Herkunft – wurde nach ihr benannt und heißt „Miyake-Ereignis“.

Nun haben sich Forschende um Benjamin Pope von der australischen University of Queensland in St. Lucia mit dem Phänomen beschäftigt und dafür sämtliche verfügbaren Daten über die Jahresringe von Bäumen ausgewertet. „Da man die Ringe eines Baumes zählen kann, um sein Alter zu bestimmen, kann man auch historische kosmische Ereignisse beobachten, die Tausende von Jahren zurückreichen“, erklärt Qingyuan Zhang in einer Mitteilung der University of Queensland.

Der Mathematiker ist einer der Autoren der Studie, die im Fachjournal Proceedings of the Royal Society A: Mathematical and Physical Sciences veröffentlicht wurden.

Heftige Strahlungsausbrüche sind in Jahresringen von Bäumen festgehalten

Um mehr über die vergangenen Strahlungsausbrüche zu erfahren, halten die Forschenden Ausschau nach dem Kohlenstoff-Isotop C14. „Wenn Strahlung auf die Atmosphäre trifft, erzeugt sie radioaktiven Kohlenstoff-14, der durch die Luft, die Ozeane, die Pflanzen und die Tiere gelangt und eine jährliche Aufzeichnung der Strahlung in den Baumringen erzeugt“, erläutert Zhang.

Daten bekannter Miyake-Ereignisse:
7176 v. Chr.
5410 v. Chr.
5259 v. Chr.
660 v. Chr.
774/775 n. Chr.
993 n. Chr.

Pope zufolge gibt es sechs bekannte Miyake-Ereignisse in einem Zeitraum von fast 10.000 Jahren. Die letzten beiden Ausbrüche konnten im frühen Mittelalter – in den Jahren 774 und 993 – nachgewiesen werden. „Diese riesigen Ausbrüche kosmischer Strahlung sind etwa alle tausend Jahre geschehen, doch was sie auslöst, ist unklar“, betont Studienleiter Pope.

Die bisherige Theorie besagt, dass Miyake-Ereignisse gigantische Sonneneruptionen sind, doch die Studie von Pope und dessen Team scheint dem nun zu widersprechen. „Unsere Ergebnisse stellen dies infrage“, stellt Zhang fest.

Miyake-Ereignisse: Sind es gigantische Sonneneruptionen?

Die Studie zeigt, dass die Miyake-Ereignisse nicht mit Sonnenflecken-Aktivitäten der Sonne korrelieren. Außerdem würden einige der Strahlungsausbrüche ein oder zwei Jahre andauern, so Pope. „Es handelt sich also nicht um eine einzelne Explosion oder Eruption, sondern um eine Art astrophysikalischen ‚Sturm‘ oder Ausbruch“, ordnet Zhang das Ergebnis des Forschungsteams ein.

„Auf der Grundlage der verfügbaren Daten besteht eine etwa einprozentige Chance, dass in den nächsten zehn Jahren ein weiteres Ereignis eintritt“, betont Studienleiter Pope und hat eine schlechte Nachricht: „Wir wissen nicht, wie wir es vorhersagen können oder welche Schäden es verursachen könnte. Das ist ziemlich alarmierend.“

Forschende fürchten schwere Schäden – „Würde unsere Technologie zerstören“

Die Forschung müsse mehr über das Phänomen herausfinden, warnt Pope. „Wenn so etwas heute passieren würde, würde es unsere Technologie zerstören, darunter Satelliten, Internetkabel, Fernleitungen und Transformatoren. Die Auswirkungen auf die globale Infrastruktur wären unvorstellbar.“

Was Forschende besonders besorgt: Das sogenannte „Carrington-Ereignis“ – ein riesiger Sonnensturm, der die Erde im Jahr 1859 traf, sei „in Sachen Strahlungsleistung hundertmal kleiner gewesen als diese Miyake-Ereignisse“, betont Pope gegenüber dem australischen ABC News. „Es ist sehr wichtig, dass wir diese Fragen beantworten.“ (tab)

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