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Forscher sehen Baumwurzeln als Ursache eines „katastrophalen Massenaussterbens“

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Von: Tanja Banner

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Baumwurzeln, die überschüssige Nährstoffe an die Ozeane abgaben, könnten in der Vergangenheit für Massenaussterben gewesen sein. (Symbolbild)
Baumwurzeln, die überschüssige Nährstoffe an die Ozeane abgaben, könnten in der Vergangenheit für Massenaussterben gewesen sein. (Symbolbild) © imago images/blickwinkel

In der Vergangenheit gab es immer wieder Ereignisse, bei der große Teile des Lebens auf der Erde ausstarben. Nun gibt es einen Hauptverdächtigen.

Bloomington – Seit der Entstehung von Leben auf der Erde gab es immer wieder Phasen, in denen ein Teil des Lebens wieder zerstört wurde. Das bekannteste Beispiel dürfte der Asteroiden-Einschlag sein, der die Dinosaurier und zahlreiche weitere Tierarten vor 66 Millionen Jahren aussterben ließ. Doch es gab bereits früher solche Ereignisse: Im Zeitalter Devon gab es mehrere Massenaussterben, bei denen nach Schätzungen von Fachleuten fast 70 Prozent des Lebens auf der Erde verschwand.

Das Devon begann vor etwa 419 Millionen Jahren und endete vor ungefähr 358 Millionen Jahren – zu dieser Zeit hatte sich das Leben noch nicht von den Ozeanen an Land ausgebreitet. Nun haben Forschende herausgefunden, wie es zu den zahlreichen Massenaussterben im Devon gekommen sein könnte: Baumwurzeln sollen schuld daran sein.

Baumwurzeln könnten zu Massenaussterben geführt haben

„Es ist nicht einfach, mehr als 370 Millionen Jahre in die Vergangenheit zu blicken“, betont Matthew Smart, der zum Zeitpunkt der Studie ein Student von Filippelli war. „Aber Steine haben ein langes Gedächtnis und es gibt immer noch Orte auf der Erde, an denen man Chemie als ein Mikroskop nutzen kann, um die Geheimnisse der Vergangenheit zu enthüllen.“ Deshalb analysierten die Forschenden Gesteinsablagerungen in alten Flussbetten, untersuchten Phosphorwerte – ein chemisches Element, das in allem Leben auf der Erde vorkommt – und die Bodenbildung.

„Unsere Analyse zeigt, dass die Entwicklung von Baumwurzeln die Ozeane in der Vergangenheit wahrscheinlich mit überschüssigen Nährstoffen geflutet hat, was zu einem massiven Algenwachstum führte“, erklärt der Biogeochemiker Gabriel Filippelli von der Indiana University in einer Mitteilung. Der Experte fährt fort: „Diese schnellen und zerstörerischen Algenblüten hätten den größten Teil des Sauerstoffs in den Ozeanen verbraucht und katastrophale Massenaussterben ausgelöst.“

Prozess ähnelt heutigen „Todeszonen“ im Meer

Der Prozess, den die Forschenden in ihrer Studie, die im Fachjournal Geological Society of America Bulletin veröffentlicht wurde, beschreiben, ähnelt einem Prozess, den man heute in einem kleineren Maßstab beobachten kann: Beispielsweise im Golf von Mexiko gibt es breite „Todeszonen“ – Gebiete, die quasi frei von Sauerstoff sind. Dort lösen überschüssige Nährstoffe aus Düngemitteln und landwirtschaftlichen Abwässern massive Algenblüten aus, die den gesamten Sauerstoff des Wassers verbrauchen.

Der Unterschied zwischen dem Prozess im Devon und heute ist jedoch groß: Während damals Baumwurzeln verantwortlich waren, sind es heute die Menschen. Glücklicherweise richten moderne Bäume keine ähnliche Zerstörung mehr an, da die Natur inzwischen Systeme entwickelt hat, die die Auswirkungen von verrottendem Holz ausgleichen, so Filippelli. Die Tiefe des modernen Bodens halte auch mehr Nährstoffe zurück als die dünne Schmutzschicht, die die Erde früher bedeckte.

Trotzdem sprechen die Forschenden eine Warnung aus: „Diese neuen Erkenntnisse über die katastrophalen Folgen von Naturereignissen in der Vergangenheit können als Warnung vor den Folgen ähnlicher Bedingungen dienen, die heute durch menschliche Aktivitäten entstehen“, betont Fillipelli. (tab)

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