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Erdbeben zeigen es: Innerer Erdkern rotiert wohl nicht mehr

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Von: Tanja Banner

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Im Inneren der Erde gibt es einen festen inneren Kern, der von einem flüssigen Kern umgeben ist. (Archivbild)
Im Inneren der Erde gibt es einen festen inneren Kern, der von einem flüssigen Kern umgeben ist. (Archivbild) © dpa/EUMETSAT

Eine chinesische Studie zeigt, dass der innere Erdkern offenbar aufgehört hat, sich zu drehen. Er dürfte bald beginnen, seine Drehrichtung zu ändern.

Peking – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Erde erforschen, haben es manchmal gar nicht leicht. Zur Untersuchung des Erdinneren müssen sie beispielsweise auf seismische Wellen zurückgreifen, die sich bei einem Erdbeben durch die verschiedenen Schichten der Erde bewegen.

Aus diesen Beobachtungen weiß man, dass es im Erdinneren einen festen Kern gibt, der von einem flüssigen äußeren Kern umgeben ist. In diesem flüssigen Kern entsteht das Magnetfeld der Erde, das den Planeten beispielsweise vor Strahlung aus dem Weltall schützt.

Der innere Erdkern kann sich unabhängig von der Rotation der Erde bewegen, da er vom flüssigen Kern umgeben ist. Dank jahrzehntelanger Erforschung des Erdinneren durch seismische Wellen geht die Forschung davon aus, dass der innere Kern der Erde schwingt – mal dreht er sich in die eine Richtung, dann wieder in die andere. Nun zeigt eine Studie, die im Fachjournal Nature Geoscience veröffentlicht wurde, dass die Bewegung des inneren Erdkerns offenbar angehalten hat.

Überraschender Fund: Erdkern hat offenbar aufgehört, zu rotieren

Dass der Erdkern offenbar aufgehört hat, zu rotieren, ist ein überraschender Fund, findet auch der Seismologe Jon Vidale, der nicht an der Studie beteiligt war. Gegenüber dem Portal Inverse erklärt er: „Das Interessante für mich ist, dass wir die ganze Komplexität hier an der Erdoberfläche sehen.“

Vidale fährt fort: „Die Dinge, die sich dort unten verändern, scheinen stärkere Veränderungen zu sein, als wir sie an der Oberfläche sehen. Es könnte also einige interessante Dinge geben, die wir noch nicht über diese innere Kerngrenze verstanden haben.“

Die chinesischen Forscher Yi Yang und Xiaodon Song von der Universität in Peking schauten sich für ihre Studie seismische Daten aus den 1990er und 2000er Jahre an. Ihr Interesse galt sogenannten seismischen Dubletten – Erdbebenpaare, die fast dieselbe Stärke am selben Ort zu unterschiedlicher Zeit hatten.

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Diese Paare verglichen die Forschenden und stellten fest, dass bei Erdbeben zwischen 1995 und 2008 die seismischen Wellen erheblich voneinander abwichen – zwischen 2009 und 2020 gab es jedoch eine große Übereinstimmung bei den Erdbebenpaaren. Die Forscher schlossen daraus, dass der innere Erdkern offenbar um 2009 aufgehört hat, sich zu bewegen.

Innerer Erdkern ändert offenbar alle 30 Jahre seine Richtung

Nachdem die beiden Forscher seismische Daten aus den 1960er und 1970er Jahren angeschaut hatten, stellten sie fest, dass der Erdkern offenbar in einem Zeitraum von 70 Jahren oszilliert und dabei etwa alle 30 Jahre seine Richtung ändert. Die These der Forscher: Der innere Kern drehte sich bis in die frühen 1970er Jahre in eine Richtung, pausierte und kehrte sich um. Dieses Phänomen passiert nun offenbar erneut: Der Erdkern hält inne und dreht sich in die andere Richtung.

Der innere Aufbau der Erde ist komplex. Es gibt den inneren festen Erdkern und darum den flüssigen Erdkern. Dieser ist vom Erdmantel umgeben.
Der innere Aufbau der Erde ist komplex. Es gibt den inneren festen Erdkern und darum den flüssigen Erdkern. Dieser ist vom Erdmantel umgeben. © imago

Nach Angaben des Forschers Song rotierte der innere Erdkern seit den frühen 1970ern in Richtung Osten – und zwar schneller als die Erde. Etwa 2009 pausierte diese Rotation und kehrt nun ihre Richtung um. „Wenn das Oszillationsmodell korrekt ist, erwarten wir, dass der innere Kern bis Mitte der 2040er Jahre langsamer rotieren wird als die Oberfläche“, erklärt Song in einer E-Mail an Inverse.

Die beiden Forscher fanden außerdem heraus, dass die Tage auf der Erde 0,01 Millisekunde kürzer werden, wenn der innere Erdkern in westlicher Richtung rotiert. Bewegt er sich dagegen nach Osten – die Richtung, in die auch die Erde rotiert – wird ein Tag um 0,12 Millisekunden länger, so die beiden Forscher in ihrer Studie. Tatsächlich hat die Forschung festgestellt, dass die Erde sich schneller dreht. (tab)

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