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Gigantische Welle: Vulkanausbruch bei Tonga verursachte Tsunami

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Von: Tanja Banner

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Der Vulkanausbruch bei Tonga löste eine gigantische Tsunami-Welle aus. „Wir sind auf vulkanische Tsunamis nicht ausreichend vorbereitet,“ mahnt ein Forscher.

Tonga – Welche zerstörerischen Kräfte die Natur besitzt, konnte man Anfang 2022 deutlich sehen: Am 14. und 15. Januar brach der Unterwasser-Vulkan Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai in Tonga aus. Massive Eruptionen und eine Magnitude von bis zu 5,8 wurden gemessen – der Vulkanausbruch gilt als stärker als die Hiroshima-Atombombe. Nach dem Ausbruch des Vulkans wurden Zerstörungen bekannt, Tsunami-Warnungen für einige Regionen herausgegeben, doch erst jetzt – mehr als ein halbes Jahr später – zeigt sich, welche Wucht der Tsunami nach dem Vulkanausbruch entwickelte.

Wie Forschende der University of Bath herausgefunden haben, entstand durch den Vulkanausbruch eine Tsunami-Welle, die bis zu 90 Meter hoch war – neunmal höher als Tsunamis, die von Erdbeben ausgelöst werden. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, werteten die Forschenden unter anderem Meeresspiegelschwankungen und atmosphärische Beobachtungen aus, dazu kamen Computersimulationen, die durch reale Daten bestätigt wurden. So konnten sie die Größe des durch den Tonga-Ausbruch verursachten Tsunamis bestimmen.

Unterwasser-Vulkan bei Tonga: Ausbruch verursachte 90 Meter hohe Tsunami-Welle

Das Forschungsteam um Mohammad Heidarzadeh von der University of Bath veröffentlichte die Studie zu dem Tonga-Tsunami im Fachjournal Ocean Engineering. Darin beschreiben die Forschenden, dass es zwei Treiber der riesigen Tsunami-Welle gab: Zuerst soll eine Reihe von atmosphärischen Druckwellen Wasser mit sich gerissen haben. Eine Stunde später folgte eine Welle, die durch die Verdrängung von Wasser aus der Unterwassereruption selbst entstanden sein soll. Daraus entstand den Forschenden zufolge eine Tsunami-Welle, die zu Beginn bis zu 90 Meter hoch war – das ist beinahe so hoch wie die Freiheitsstatue in New York (93 Meter), vergleichen die Forschenden in einer Mitteilung der Universität Bath.

Der Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai vor Tonga im Pazifik soll Forschenden zufolge eine 90 Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst haben. (Archivbild)
Der Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai vor Tonga im Pazifik soll Forschenden zufolge eine 90 Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst haben. (Archivfoto) © dpa/Tonga Geological Services

Die größten Tsunami-Wellen, die bislang gemessen wurden, erreichten anfangs eine Höhe von etwa zehn Metern. Gemessen wurden sie nach dem Tōhoku-Erdbeben bei Japan (2011) und bei dem chilenischen Erdbeben (1960). Sie seien zerstörerischer gewesen, weil sie näher an Land stattgefunden hätten als der Tonga-Vulkanausbruch.

Vulkanausbruch bei Tonga: Tsunami war weit von menschlichen Siedlungen entfernt

An Küsten in aller Welt wurden in der Folge Anstiege des Meeresspiegels gemessen, fünf Menschen starben weltweit. „Der Tsunami in Tonga forderte auf tragische Weise fünf Menschenleben und verursachte großflächige Zerstörungen, aber die Auswirkungen hätten noch größer sein können, wenn der Vulkan näher an den menschlichen Gemeinschaften gelegen hätte“, erklärt der Hauptautor der Studie, Heidarzadeh. Dass der Vulkan etwa 70 Kilometer von Tongas Hauptstadt Nuku‘alofa entfernt sei, habe die zerstörerische Kraft erheblich gemindert.

Trotzdem sind die Forschenden alarmiert: „Das war ein gigantisches, einmaliges Ereignis, das deutlich macht, dass wir international in die Verbesserung der Systeme zur Erkennung vulkanischer Tsunamis investieren müssen“, betont Heidarzadeh. Die Systeme lägen etwa 30 Jahre hinter den Systemen zurück, die zur Überwachung von Erdbeben eingesetzt werden. „Wir sind auf vulkanische Tsunamis nicht ausreichend vorbereitet“, erklärt der Forscher. Die Systeme, die durch Erdbeben ausgelöste Tsunamis melden, reagieren auf eine Veränderung des Meeresspiegels. Weil der Tsunami nach dem Tonga-Ausbruch jedoch größtenteils durch die Veränderungen im Luftdruck verursacht wurde, hätte das System ihn nicht erkannt.

Jadranka Šepić, Co-Autorin der Studie, stellt fest: „Es ist wichtig, dass wir effiziente Warnsysteme haben – sowohl Echtzeit-Warnungen als auch Bildung, was man im Fall eines Tsunamis oder einer Warnung tun muss. Solche Systeme retten Leben.“ (tab)

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