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Deaktiviertes Nasa-Weltraumteleskop „Kepler“ meldet sich mit spektakulärer Entdeckung aus dem Grab

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Von: Tanja Banner

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Das Nasa-Weltraumteleskop „Kepler“ hat Richtung Zentrum der Milchstraße geschaut und dort einen Jupiter-Zwilling entdeckt. (Symbolbild)
Das Nasa-Weltraumteleskop „Kepler“ hat Richtung Zentrum der Milchstraße geschaut und dort einen Jupiter-Zwilling entdeckt. (Symbolbild) © joebelanger/Imago

Das Nasa-Weltraumteleskop „Kepler“ ist längst inaktiv. Doch aus dem Grab heraus liefert es einen spektakulären Fund – einen Jupiter-Zwilling.

Manchester – Das Weltraumteleskop „Kepler“ der US-Raumfahrtorganisation Nasa hat einen ganz besonderen Fund im Weltall gemacht: einen zweiten Jupiter. „Es ist im Grunde der identische Zwilling von Jupiter, was seine Masse und seinen Abstand zu seiner Sonne angeht“, erklärt der Astrophysiker Eamonn Kerins von der University of Manchester, der an der Studie, die den Fund beschreibt, beteiligt war. Der Jupiter-Zwilling befindet sich 17.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, im Sternbild Schütze.

Geleitet wurde die Studie vom Doktoranden David Specht, dem es mit seinem Team nicht nur gelungen ist, einen Jupiter-Zwilling zu finden. Die Forschenden haben mithilfe des „Kepler“-Teleskops auch erstmals einen Exoplaneten aus dem Weltall heraus durch eine sogenannte Gravitationslinse entdeckt. Dahinter steckt ein Effekt, den Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie vorhergesagt hatte: Große Massen lenken durch ihre Schwerkraft Licht ab. Dieser Effekt wird in der Astronomie genutzt, um weit entfernte Objekte zu entdecken. Zuletzt hatte das „Hubble“-Weltraumteleskop durch eine Galaxie, die als Gravitationslinse wirkte, den bisher am weitesten entfernten Stern entdeckt.

Forschende finden Jupiter-Zwilling mit längst abgeschaltetem Nasa-Teleskop

Um den Exoplaneten mit dem komplizierten Namen K2-2016-BLG-0005Lb mithilfe einer Gravitationslinse zu finden, schauten sich Specht und sein Team gezielt „Kepler“-Daten aus dem Zeitraum zwischen April und Juli 2016 an. Zu dieser Zeit beobachtete das Nasa-Weltraumteleskop Millionen von Sterne, die sich in der Nähe des Milchstraßenzentrums befanden. Das Ziel der Forschenden: Sie wollten Hinweise auf einen Exoplaneten und dessen Stern finden, die gemeinsam als Gravitationslinse für einen dahinterliegenden Stern dienten. Ein schwieriges Unterfangen, wie Kerins betont: „Um den Effekt überhaupt sehen zu können, ist eine nahezu perfekte Ausrichtung zwischen dem Planetensystem im Vordergrund und einem Hintergrundstern erforderlich.“

Die Forschenden haben mit ihrem Fund offenbar großes Glück gehabt, wie eine weitere Aussage von Kerins zeigt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hintergrundstern auf diese Weise von einem Planeten beeinflusst wird, liegt bei zehn bis hundert Millionen zu eins.“ In die Karten des Forschungsteams spielte jedoch die Tatsache, dass „Kepler“ ein Weltraumteleskop ist.

„‘Kepler‘ war in der Lage, ohne Unterbrechung durch Wetter oder Tageslicht zu beobachten, sodass wir die Masse des Exoplaneten und seine Bahnentfernung von seinem Wirtsstern genau bestimmen konnten“, freut sich Co-Autor Kerin. Die Studie des Forschungsteams wurde auf dem Preprint-Server ArXiv veröffentlicht und zur Publikation im Fachjournal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society eingereicht.

Nasa-Teleskop „Kepler“ ist längst „tot“ – Planetenfund aus dem Grab heraus

Bemerkenswert an dem Fund ist – neben der geringen Wahrscheinlichkeit überhaupt fündig zu werden – die Tatsache, dass das „Kepler“-Weltraumteleskop gar nicht dafür gedacht war, Gravitationslinsen zum Auffinden von Exoplaneten zu nutzen. „‘Kepler‘ war nie darauf ausgelegt, Planeten mithilfe von Gravitationslinsen zu finden, daher ist es in vielerlei Hinsicht erstaunlich, dass dies gelungen ist“, betont Kerin deshalb auch.

In Zukunft soll es jedoch zwei Missionen geben, die Gravitationslinsen gezielt nutzen können: das „Nancy Grace Roman“-Weltraumteleskop der Nasa und die Esa-Mission „Euclid“. „‘Roman‘ und ‚Euclid‘ werden in der Lage sein, die von ‚Kepler‘ begonnene Planetenzählung zu vervollständigen“, erklärt Kerin.

Suche nach Exoplaneten

Die Entdeckung von Exoplaneten schreitet schnell voran. Erst kürzlich wurde ein dritter Exoplanet um den erdnächsten Stern Proxima Centauri gefunden. Forschende haben außerdem einen „heißen Jupiter“ in seiner extremsten Form im Weltall ausgemacht und einen Exoplaneten entdeckt, auf dem es flüssige Edelsteine regnet.

Das „Kepler“-Weltraumteleskop wird dazu selbst nicht mehr in der Lage sein: Im Jahr 2018 ging dem Teleskop der Treibstoff aus – nachdem es viele Jahre länger funktioniert hatte, als geplant. Bisher wurden mithilfe von „Kepler“-Daten mehr als 2700 von knapp mehr als 5000 bekannten Exoplaneten entdeckt, die verlängerte „Kepler“-Mission „K2“ hat weitere 537 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt. Und die Arbeit ist noch nicht beendet: Knapp 3000 Exoplaneten-Kandidaten von „Kepler“ und „K2“ warten noch auf die Bestätigung – weitere Planetenfunde von „Kepler“ aus dem Grab heraus sind also gar nicht unwahrscheinlich. (tab)

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