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Unerklärliches „Geisterlicht“ im Weltall: Woher kommt das überschüssige Licht?

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Von: Tanja Banner

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Nach Abzug aller bekannter Lichtquellen bleibt trotzdem etwas Licht im Weltall übrig. Forschende haben eine Idee, woher dieses „Geisterlicht“ kommt.

Tempe – Unser Sonnensystem ist von einem schwachen Leuchten umgeben, einem Phänomen, das Forschende „Geisterlicht“ nennen. Entdeckt wurde es mithilfe des Weltraumteleskops „Hubble“. Forschende von der Arizona State University in Tempe wollten eigentlich herausfinden, wie dunkel das Universum ohne die diversen vorhandenen Lichtquellen wäre.

Dazu nutzte das Forschungsteam um Tim Carleton 200.000 „Hubble“-Aufnahmen des Weltalls und machte zehntausende Messungen, wie es in einer Mitteilung der US-Raumfahrtorganisation Nasa heißt. Die Forschenden suchten nach einem Restglühen des Himmels im Hintergrund, indem sie das Licht von Planeten, Sternen, Galaxien und alle anderen bekannten Lichtquellen vom Hintergrund subtrahierten.

Im Weltraum gibt es mehr Licht als Forschende erklären können. (Symbolbild)
Im Weltraum gibt es mehr Licht als Forschende erklären können. (Symbolbild) © imago images/Cavan Images

Forschende entdecken mysteriöses „Geisterlicht“ im Weltall

Doch am Ende blieb noch etwas Licht übrig. Die Menge an Licht sei vergleichbar mit „dem regelmäßigen Leuchten von zehn Glühwürmchen über den ganzen Himmel verteilt“, heißt es in einer Nasa-Mitteilung. „Das ist so, als würde man in einem verschlossenen Raum alle Lichter ausschalten und trotzdem ein unheimliches Leuchten an den Wänden, an der Decke und am Boden feststellen“, so die Nasa weiter.

Das „Geisterlicht“ stammt nicht von bekannten Himmelsobjekten und kann derzeit nicht erklärt werden. Das Forschungsteam des „SKYSURF“-Projekts hat jedoch eine Theorie: Sonnenlicht könnte von Staubteilchen, die von Kometen stammen, reflektiert werden. Daten der Nasa-Raumsonde „New Horizons“ unterstützen diese Theorie: 2021 hatte die Raumsonde, die Jahre zuvor am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen war, ebenfalls den Himmelshintergrund vermessen. Dabei befand sich die Raumsonde vier bis fünf Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

„Geisterlicht“ soll aus dem Inneren des Sonnensystems kommen

„New Horizons“ entdeckte ebenfalls ein schwaches Leuchten, das jedoch noch schwächer war als das, das „Hubble“ beobachtet hatte. Auch hier ist die Quelle des Lichts bisher nicht geklärt, doch es gibt zahlreiche Theorien, die von schwarzer Materie bis hin zu nicht sichtbaren Galaxien reichen.

„Wenn unsere Analyse korrekt ist, gibt es eine Staubkomponente zwischen uns und der Entfernung, in der ‚New Horizons‘ Messungen vorgenommen hat“, erklärt Carleton. „Das bedeutet, dass es sich um eine Art zusätzliches Licht handelt, das aus dem Inneren unseres Sonnensystems kommt.“ Die Forschenden vermuten, dass es sich um ein lokales Phänomen handelt, da das Restlicht nicht von weit außerhalb des Sonnensystems stammt. „Es könnte sich um ein neues Element im Sonnensystem handeln, das zwar vermutet, aber bisher nicht gemessen wurde“, weiß Carleton.

„Hubble“-Weltraumteleskop half bei Entdeckung des „Geisterlichts“

„Mehr als 95 Prozent der Photonen in den Bildern aus dem ‚Hubble‘-Archiv kommen aus einer Entfernung von weniger als drei Milliarden Kilometern von der Erde“, berichtet der Astronom Rogier Windhorst. Seit den frühen Tagen von „Hubble“ hätten die meisten Astronominnen und Astronomen die Aufnahmen ignoriert, weil sie sich nur für die weit entfernten Sterne und Galaxien interessierten. „Aber diese Aufnahmen enthalten wichtige Informationen, die dank der einzigartigen Fähigkeiten von ‚Hubble‘, schwache Helligkeitsniveaus mit hoher Präzision zu messen, extrahiert werden können“, erklärt Windhorst weiter.

Die Studienergebnisse des Forschungsteams wurden in den Fachjournals Astronomical Journal und Astrophysical Journal Letters veröffentlicht. (tab)

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