Tausendsassa, der das Leben liebt

Edertaler Sportler, Sponsor, Naturparkführer: Hermann Sonderhüsken

Sein Wohnzimmer ist die Werkstatt: Hermann Sonderhüsken in seinem nach eigenen Ideen errichteten Haus.
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Sein Wohnzimmer ist die Werkstatt: Hermann Sonderhüsken in seinem nach eigenen Ideen errichteten Haus.

1994 stürzt der damalige Radsport-Amateur und -Trainer Hermann Sonderhüsken beim Training schwer. Er zieht sich eine Wirbelsäulen-Verletzung zu und ist querschnittgelähmt.

Edertal-Giflitz – „Das war schlimm, nach einem extrem aktiven Leben ohne Feierabend, freiem Wochenende und Urlaub war ich total hilflos“, erinnert er sich. Heute ist er 83 Jahre alt, lebt allein und benötigt keine Hilfe. „Ich helfe inzwischen anderen und bin sehr zufrieden mit meinem Leben“. Nach der OP in Düsseldorf wird Sonderhüsken viereinhalb Monate in der Werner-Wicker-Klinik (WWK) behandelt. Bei einem späteren Reha-Aufenthalt entdeckt er seine Liebe zum Edertal und dazu ein geeignetes Grundstück. Sein Haus in Giflitz – 1998 nach eigenen Entwürfen gebaut – ist Werkstatt und Wohnung zugleich. 300 Quadratmeter samt integrierter Garage sind perfekt auf das Leben eines Rollstuhlfahrers zugeschnitten. Im Hauptraum mit haushoher Decke gibt es neben der Küche auch ein Profi-Fotostudio und ein Netzwerk mit drei Computern. „Mein Studio ist mit seinen neun Profi-Kameras in Nordhessen technisch einmalig.“ Während sein Gast am frisch zubereiteten Cappuccino nippt, drückt Sonderhüsken auf den Auslöser seiner Kamera, und Sekunden später erscheint das Porträtfoto riesengroß auf einem TV-Gerät. In jedem Raum sind Bildschirme, auch für vier Überwachungskameras rund um das wie eine Gewerbehalle aussehende Haus. In einer perfekt ausgestatteten Goldschmiede-Werkstatt erstellt Sonderhüsken individuellen Silberschmuck.

Bilder an den Wänden erinnern an das frühere Sportlerleben des „Rollis“, zwei Siegerkränze stehen für Spitzenerfolge im Radsport. „Ich bin mit 40 Jahren mein erstes Radrennen gefahren und habe mit 45 das erste Rennen über 76 Kilometer gewonnen.“ Langlaufskier erinnern an die drei Wasa-Läufe über 89 Kilometer, die Sonderhüsken in Schweden „gefinisht“ hat. „Am Start war es immer kälter als minus 20 Grad.“

In den 1970er Jahren war der Giflitzer Eishockeytrainer beim Neusser Schlittschuhclub (NSC). Die erste Mannschaft hat er zusammen mit Sepp Reif trainiert. „In meinem Juniorenteam waren auch der spätere Nationaltorwart Helmut de Raaf und der Konrad-Adenauer-Enkel Konrad Wehrhahn.“

Im Edertal ist Sonderhüsken bekannt als Fotograf bei den 2008 wieder angesiedelten Störchen und als Sportler mit seinen Handbikes. „Mit den beiden Bikes bin ich im vergangenen Jahr 8666 Kilometer geradelt, natürlich ohne Elektro-Unterstützung.“ Im Vergleich dazu war er mit den 1151 PS seiner beiden Garagenautos nur 997 Kilometer unterwegs. „Damit und mit dem Carport-Auto mache ich nie eine Juxfahrt, die benutze ich nur, wenn ich ein wichtiges Ziel nicht mit den Handbikes erreichen kann.“ Das sind zum Beispiel Führungen im Nationalpark, die der zertifizierte Naturpark- und autorisierte Nationalparkführer ehrenamtlich zum Hagenstein anbietet.

Bis 2018 hat Sonderhüsken 16 Jahre lang als Hauptsponsor die Edertaler Fußballerinnen unterstützt. „Das waren immer über 300 Arbeitsstunden und deutlich über 1000 Euro im Jahr.“ Sehr aktiv ist er für den Edertaler NABU und die Bad Wildunger NAJU.

Rege ist er wie eh und je. „Das wichtigste im Leben ist nicht die Gesundheit, sondern die Zufriedenheit“, ist der 83-Jährige überzeugt. Denn „was nützt die beste Gesundheit, wenn man nicht zufrieden ist?“ (Conny Höhne)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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