Auf Dürre-Sommer scheint trockener Winter zu folgen

Ebbe am Edersee: Schlechte Aussichten für 2021

Alarmstimmung an Weser wie Edersee: Der „Taucherbaum“ oberhalb der Dorfstelle Berich macht seinem Namen seit Monaten keinerlei Ehre mehr. Und seit Monaten liegt die Schifffahrt auf der Weser lahm.
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Alarmstimmung an Weser wie Edersee: Der „Taucherbaum“ oberhalb der Dorfstelle Berich macht seinem Namen seit Monaten keinerlei Ehre mehr. Und seit Monaten liegt die Schifffahrt auf der Weser lahm.

Dem Dürre-Sommer 2020 folgt ein bislang viel zu trockener Winter. Obwohl immer noch Ebbe herrscht im Edersee, wird wieder Wasser abgegeben zur Stützung der Schifffahrt auf der Weser.

  • Nach dem Dürre-Sommer 2020 und einem bislang zu trockenen Winter sind im Edersee aktuell 50 Millionen Kubikmeter weniger Wasser als im langjährigen Mittel,
  • Trotzdem erhöht das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt zum ersten Mal seit Monaten die Wasserabgabe von vier auf acht Kubikmeter pro Sekunde, um die Schifffahrt auf der Weser zu stützen.
  • Ohne Ederseewasser ist kein Frachtschiffverkehr auf der Oberweser möglich. Bei anhaltender Dürre droht den Unternehmen die Existenznot.

Edersee – 70 Millionen Kubikmeter befinden sich in der Talsperre, 50 Millionen Kubikmeter weniger als im langjährigen Mittel – trotzdem erhöhte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt die Abgabe zum ersten Mal seit Monaten von den minimalen vier Kubikmetern pro Sekunde auf acht Kubikmeter. Denn ohne Ederseewasser fährt mitten in diesem Winter nichts auf der Weser.

Der angesteuerte Zielpegel bei Hann. Münden: die reduzierten 1,15 Meter, denn an die über Jahrzehnte wie in Stein gemeißelten 1,20 Meter ist derzeit nicht im Traum zu denken. „Der Leidensdruck, viel sparsamer mit dem Ederseewasser umzugehen, müsste angesichts der vergangenen Monate auch an der Weser drastisch gestiegen sein“, meint Winfried Geisler, Vorsitzender des heimischen Regionalverbandes Eder-Diemel (RVED).

Frachtschiffverkehr an Oberweser ruhte

Das bestätigt der stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft Oberweser Dr. Peter Könemann. Der Geschäftsführer der Sand- und Kies GmbH in Porta Westfalica hat „so etwas an der Weser noch nicht erlebt“.

Seitdem der Edersee seine letzte Milch im August/September gegeben hatte, ruhte der Frachtschiffverkehr an der Oberweser, selbst die modernen Schubleichter mit extrem geringem Tiefgang. Und es lagen dort sämtliche Fähren still – bis sage und schreibe zum 23. Dezember, als es zum ersten Mal wieder genug regnete, dass die Schiffe für einige Tage genug Wasser unter den Kiel bekamen.

Kein Kiesabbau mit Schwimmbaggern

„Gemäß Betriebsvorschrift hätten wir eigentlich früher wieder mit der Stützung der Weser begonnen“, erklärt Christoph Bleuel vom WSA in Hann. Münden auf Anfrage, doch nach Absprache mit den Betroffenen (an der Weser) habe man den Start bis zum Stichtag 10. Januar verschoben. Zwei bis drei Tage dauert es, bis das Wasser in der Weser anlangt. Deshalb wurde die Abgabe bereits am Donnerstag erhöht.

Könemann schildert die Folgen der Trockenheit für die Unternehmen und die Landwirtschaft an der Weser. Wegen des Ausfalls der Fähren mussten die Bauern über die gesamte Zeit weite Umwege fahren, um auf ihre Felder zu gelangen. Ein Kiesunternehmen transportierte seine Fracht per Lkw und bekommt laut Könemann nun Ärger mit Landkreisen und Anwohnerschaft der befahrenen Strecken, weil Straßen stark beschädigt sind.

Der Kiesabbau mit Schwimmbaggern an der Weser fiel flach. Der Abtransport von den Förderstätten ist nicht per Lastwagen, sondern nur mit Schubleichtern auf dem Wasserweg möglich.

Bei anhaltender Dürre droht Existenznot

„Uns bleibt nur die Hoffnung auf Tiefdruckgebiete mit ergiebigem Niederschlag im Zeitfenster Februar bis März und vielleicht noch April“, weiß Könemann.

Dann müsse man bei einem Pegel von 1,15 Meter Tag und Nacht unterwegs sein, um Kies-Puffer für die Produktion in den darauf folgenden Monaten aufzubauen. „Unterhalb von 1,15 Meter kann man nicht rentabel fahren“, ergänzt er. Behält die Dürre ihr Ausmaß, steht den Unternehmen Existenznot bevor.

Denn dass später im Frühjahr oder gar im Sommer viel Regen fällt, darauf wagt kaum jemand zu hoffen. Drei Jahre in Folge herrschte in der warmen Jahreszeit Trockenheit. 2017 gab es zuletzt eine regnerische Saison inklusive Hochwasser.

Niederschlagsmengen meist niedriger als prognostiziert

„Die tatsächlichen Niederschlagsmengen fallen seit Längerem eher niedriger aus als prognostiziert“, bestätigt auch Christoph Bleuel vom WSA fürs Tagesgeschäft der Bewirtschaftung.

Düstere Prognosen für 2021

Davor hatten alle einen Höllenrespekt, ob an Edersee oder Weser: ein trockener Sommer, gefolgt von einem trockenen Winter. 2021 scheint das einzutreten. Zum Vergleich: Auch 2018/19 herrschte am Edersee winterliche Trockenheit. Mitte Dezember waren knapp über 40 Millionen Kubikmeter in der Talsperre – ähnlich wie Mitte Dezember 2020. Dann setzte vor zwei Jahren jedoch Regen ein. Vier Wochen später enthielt der See 115 Millionen Kubikmeter – während es aktuell nur 70 Millionen sind. Ein weiterer Unterschied: Damals musste die Weser nicht gestützt werden, weil auch dort Regen niederging.

Gleichwohl schaffte es die Talsperre zum Saisonstart damals nur auf 180 Millionen Kubikmeter Füllung, 6 Millionen unter dem langjährigen Mittel und mehr als 20 Millionen Kubikmeter unter Vollstau. Wie soll das 2021 nur ausgehen? Das fragen sich alle Beteiligten.

„Wir beobachten seit Jahren, dass die Niederschlagsmengen während der Sommermonate um 50 Prozent zurückgegangen sind im Verhältnis zu früher“, sagt RVED-Vorsitzender Winfried Geisler. Zugleich seien die Mengen im Winterhalbjahr eigentlich leicht gestiegen. Doch 2020/21 sieht es nicht danach aus.

Höchste Trockenheitsstufe in Deutschland

Ein weiterer Umstand, der Anlass zu größter Sorge gibt, gesellt sich hinzu: der ausgedörrte Boden. Der tagesaktuelle Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Deutschland weist in rund 1,80 Meter Tiefe für die Böden am Edersee und in dessen weiterer Umgebung die zweithöchste bis höchste von fünf Trockenheitsstufen aus. Fraglicher denn je erscheint die traditionelle Annahme, dass im Winterhalbjahr 90 Prozent der Niederschläge im See landen. Ein Boden, der Wasser aufnimmt wie ein staubtrockener Schwamm, könnte einen zusätzlichen Strich durch diese Rechnung machen, meint auch Christoph Bleuel vom WSA auf Nachfrage.

Früher lief der Edersee rechnerisch bis zu vier Mal pro Wasserwirtschaftsjahr voll. „Inzwischen sind es nur noch 2,5 Mal“, hat Geisler ermittelt. Es sieht alles danach aus, als würde die Talsperre 2020/21 nicht mal das schaffen.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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