Schule in Korbach

Schwere Vorwürfe gegen Lehrerin: Kind nässt sich ein, weil es nicht auf die Toilette durfte

Das staatliche Schulamt in Fritzlar.
+
Das staatliche Schulamt in Fritzlar hat das Beschwerdeverfahren abgeschlossen.

Eine Mutter hat schwere Vorwürfe gegen eine Schule in Korbach erhoben. Ihr Sohn sei so lang von einer Lehrerin ignoriert worden, bis er nicht mehr einhalten konnte. Mittlerweile hat das Staatliche Schulamt das Beschwerdeverfahren abgeschlossen.

  • Schwere Vorwürfe gegen eine Lehrerin einer Grundschule aus Korbach.
  • Sie soll einen achtjährigen Schüler nicht zur Toilette gelassen haben.
  • Der Junge nässte sich im Unterricht ein.

Korbach – Eine Mutter hat schwere Vorwürfe gegen eine Grundschule in Korbach erhoben: Die Klassenlehrerin ihres achtjährigen Sohnes soll die Bitten des Jungen, auf die Toilette gehen zu dürfen, solange ignoriert haben, bis er nicht mehr einhalten konnte. Mit nasser Hose sei er anschließend nach draußen geschickt worden, um alleine vor der Schule auf seine Mutter zu warten.

Update vom Freitag, 09.01.2021, 08.52 Uhr: Das Beschwerdeverfahren der Mutter ist laut Staatlichem Schulamt mittlerweile abgeschlossen. Mit allen Beteiligten seien persönliche Gespräche geführt worden. Alle hätten darin übereingestimmt, dass sich ein entsprechender Vorfall zukünftig nicht wiederholen dürfe. Die „hierfür erforderlichen und geeigneten Maßnahmen“ seien bereits auf den Weg gebracht worden. Weitergehende Angaben zu dienst- und personalrechtlichen Vorgängen könnten nicht gemacht werden. „Nunmehr müssen die weitere erfolgreiche Beschulung des Schülers und seine diesbezüglichen Belange in den Vordergrund rücken“, schreibt ein Sprecher des Schulamtes.

+++ 02.12.2020: „Er saß vor der Schule in der Kälte, ganz allein und seine Hose war nass“, erinnert sich Evelin Q. (29) an den Vorfall vom 19.11.2020. Kurz zuvor war sie von der Schule angerufen worden, sie solle ihren Sohn abholen. Was war im Unterricht passiert? Immer wieder sei seine Bitte ignoriert worden, berichtet der Achtjährige selbst. „Ich hatte schon Schmerzen unten, ich habe dann mit einem Weinen noch mal gefragt und dann ist es gelaufen.“

„Er saß vor der Schule in der Kälte, ganz allein und seine Hose war nass.“

Evelin Q., Mutter

Vorfall an Schule in Korbach: Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen Lehrerin

Evelin Q. ist sich sicher: „Die Lehrerin hatte es darauf angelegt, dass er in die Hose macht.“ Denn ihr Sohn habe häufig im Unterricht gefragt, ob er auf die Toilette gehen könne. „Davon war sie genervt. Aber sie hätte doch nur sagen müssen, geh doch einfach.“ Stattdessen habe die Lehrerin noch zu einer Kollegin gesagt: „Mal gucken, wie lange er es aushält und wann er in die Hose macht.“

Bei ihrem Sohn habe sie anschließend viel Aufbauarbeit leisten müssen: „Seit diesem Tag hat er immer sein Kuscheltier bei sich. Er hat mich auch gefragt, ob er Windel bekommen kann. Er gibt sich selbst die Schuld daran“, sagt Evelin Q.

Junge nässt sich im Unterricht ein: Schwere Vorwürfe gegen Lehrerin

Im Raum stehen nun Vorwürfe wie Misshandlung Schutzbefohlener und Verletzung der Fürsorge- und Obhutspflicht. Die Schule selbst äußert sich nicht auf Anfrage unserer Zeitung. Das Staatliche Schulamt Fritzlar schreibt: „Wie in einem solchen Fall üblich und auch vorgesehen, wurden sowohl die Schulleiterin als auch die betroffene Lehrkraft zunächst um Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen gebeten. Insoweit dauert die Sachverhaltsermittlung derzeit noch an.“

Matthias Giesewetter, Jurist der Fritzlarer Behörde, versichert, dass „die Beschwerde hier sehr ernst genommen und mit Nachdruck bearbeitet wird.“ In Anbetracht des laufenden Verfahrens könnten derzeit keine weitergehenden Angaben zu den Einzelheiten des Verfahrensstandes oder des Sachverhalts seitens der Schule und des Staatlichen Schulamtes Fritzlar gemacht werden.

Korbach: Mutter erhebt Vorwürfe gegen Lehrerin ihres Sohnes

In einem Brief an die Mutter, der unserer Zeitung vorliegt, räumt die Schulleitung zumindest einen Teil der Vorwürfe ein: Die Kinder der Klasse dürften grundsätzlich ohne zu fragen auf die Toilette gehen. Trotzdem habe der Junge die Klassenlehrerin wiederholt gefragt. An diesem Tag habe die Lehrerin – mit Ansage zu Beginn der Woche – einmal nicht darauf reagiert. Auch die „Wartesituation“ vor der Schule wird im Brief angesprochen.

Evelin Q. will die Sache nicht auf sich beruhen lassen und sie will, dass das Geschehen an der Korbacher Grundschule an die Öffentlichkeit gelangt. Die 29-jährige Korbacherin hat eine Beschwerde ans Staatliche Schulamt in Fritzlar geschrieben und überlegt, rechtliche Schritte einzuleiten. Und sie hat den prominenten Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl zu Hilfe gerufen.

Korbach: Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl fordert Konsequenzen

Carsten Stahl ist Anti-Mobbing-Trainer und hat die bundesweite Initiative „Stoppt Mobbing“ gestartet. Prominent wurde er als Schauspieler bei RTL2, dort spielte er einen Privatdetektiv mit großer Klappe. Was ihm die Mutter aus Korbach erzählt hat, empört ihn: Das sei eine Demütigung und Erniedrigung der Würde eines Kindes und Menschen sowie Körperverletzung und Misshandlung eines Schutzbefohlenen. „Wir fordern hier sofortige personelle Konsequenzen von den Verantwortlichen im zuständigen Schulamt und im Bildungsministerium sowie eine Entschuldigung dieser Lehrkraft gegenüber den Eltern und des achtjährigen kleinen Jungen“, sagt Stahl.

„Wenn Mobbing, Gewalt, Hass, Rassismus und Vorurteile unter den Kindern bundesweit in unseren Schulen legitim wird, und aus Angst vor der Wahrheit und dem Ruf der Schule die Missstände und Probleme immer wieder von den Verantwortlichen lieber vertuscht, totgeschwiegen, geleugnet und verharmlost werden, dann sind unsere Kinder, unsere Werte, und die Zukunft und die Demokratie in unserer Gesellschaft in Gefahr!“

Korbach: Schwere Vorwürfe gegen Grundschullehrerin

Schockiert zeigt sich auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke aus Kassel, der das Team von Carsten Stahl unterstützt: „Es ist die Aufgabe aller Lehrkräfte – ja unser ganzen Gesellschaft – Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Kinder in ihrer Schule wohlfühlen. Kinder haben ein Recht auf ihre Würde. Dieses Recht wird angegriffen, wenn grundlegende Bedürfnisse verwehrt werden.“

Der Bundestagsabgeordnete fordert in einem offenen Brief den Hessischen Kultusminister Alexander Lorz auf, Konsequenzen einzuleiten, sollten sich die Schilderungen des Kindes als zutreffend herausstellen. (Lutz Benseler)

Im Wolfhager Land leidet leidet ein Kind mehrere Jahre unter Mobbing-Attacken seiner Mitschüler. Dann will er sich umbringen. Die Eltern erheben schwere Vorwürfe gegen die Schule. Wer von Mitschülern permanent gequält und unter Druck gesetzt wird, kann irgendwann zusammenbrechen. Woran erkennen Eltern und Bekannte, dass ein Kind gemobbt wird? Und wo finden Betroffene Hilfe? (Lutz Benseler)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.