Angeklagter kommt aus Waldeck-Frankenberg

Alkohol, Streit und eine Axt: 71-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Ein 71-jähriger Angeklagter aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg muss sich vor dem Landgericht Kassel unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Totschlags verantworten.
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Ein 71-jähriger Angeklagter aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg muss sich vor dem Landgericht Kassel unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Totschlags verantworten.

„Ich wollte ihn nicht schlagen. Es tut mir leid, ich möchte mich entschuldigen.“ Das erklärte vor dem Landgericht Kassel ein 71-jähriger Angeklagter aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Er muss sich wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung vor der 10. großen Strafkammer verantworten.

Das Urteil wird für den 22. Oktober erwartet.

Der im Ural geborene Angeklagte, seit Jahren deutscher Staatsangehöriger, sitzt in Kassel in Untersuchungshaft. Die Beweisaufnahme am ersten Verhandlungstag erwies sich als zeitaufwendig, weil fast alle Zeugenaussagen vom Russischen ins Deutsche übersetzt werden mussten.

„Es war ganz anders.“ So kommentierte der Beschuldigte gleich zu Beginn des fast sechsstündigen Prozess-Auftakts die Anklage.

Der Mann steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Verdacht, Anfang Oktober 2020 aus Eifersucht mit einem Handbeil gegen den Kopf eines Mannes geschlagen zu haben. So soll sich bei der Ausholbewegung die Schneide des Handbeils von dem Griffstück gelöst haben, sodass der Geschädigte glücklicherweise lediglich von dem hölzernen Griff im Bereich der Stirn getroffen wurde und eine Platzwunde sowie ein Schädelhirntrauma davontrug. 

Der Geschädigte befand sich in einer Wohnung von Bekannten in Korbach, als er Geräusche im Treppenhaus wahrnahm. Nachdem er die Tür geöffnet hatte, soll er – so die Staatsanwaltschaft – mit dem Angeklagten ein Streitgespräch geführt haben, bevor dieser zugeschlagen haben soll.

Laut Anklage war der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt beträchtlich alkoholisiert – in der Anklage sind 2,08 Promille vermerkt. Hinsichtlich der Tatmotivation bestehe der Verdacht, dass der Angeklagte auf den Geschädigten eifersüchtig war, weil dieser mit einer Frau eine Beziehung führte, um die sich der Angeklagte ebenfalls bemüht haben soll – jedoch erfolglos, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt.

„Komm raus, ich bringe Dich um“, soll der Beschuldigte gedroht haben. Der sprach vor Gericht von einer verbalen Auseinandersetzung. Er habe zuvor Bier und Wodka getrunken. Er sei von dem Geschädigten beleidigt worden. Danach habe er ihn mit der Faust geschlagen. Die Axt habe er fallen lassen. Ja, er habe den Geschädigten auch beleidigt, „aber ich habe nie gesagt, ich töte Dich – das schwöre ich.“ Er lebe seit knapp 15 Jahren in dem Haus. Es habe Reibereien gegeben. Im Zusammenhang mit der Anklage sagte der Beschuldigte, er habe einer Frau angeboten, sie zu heiraten. Dazu sei es aber nicht gekommen.

„Der Schlag kam sofort und war hart. Ich konnte nichts mehr sehen, habe geblutet“, erklärte der Geschädigte (66). Der Angeklagte habe geschrien: „Ich werde Dich fertig machen.“

„Für Eifersucht hat es keinen Grund gegeben“

„Seit längerer Zeit gibt es Auseinandersetzungen“, sagte der Geschädigte weiter aus. Der Angeklagte habe seine Autoreifen zerstochen und die Scheibenwischer beschädigt. „Ich habe ihm immer wieder verziehen“, sagte der Geschädigte. Als Folge der Schläge auf Kopf und Hand habe er heute noch Schmerzen.

Für Eifersucht habe es keinen Grund gegeben, betonte der Zeuge. Man habe auch mal zusammen Karten gespielt. Es sei „alles nur wegen einer Frau passiert“, sagte er zu den Auseinandersetzungen.

„Das ist nicht die Axt, Sie haben die falsche Axt, ich schwöre bei Gott“, sagte der Angeklagte zu einer Polizeibeamtin, die die Tatwaffe vor Gericht zeigte. „Eine andere habe ich nicht“, antwortete die Polizistin. Es war das Beil, das nach der Tat sichergestellt worden war.

Ein 58-jähriger Zeuge erläuterte, wie er dem Beschuldigten nach der Tat die Axt abgenommen hat. „Den Schlag habe ich nicht gesehen“, schilderte er. Zur Erklärung des Richters, dass dies nicht der Aussage im Polizeiprotokoll entspreche, erwiderte der Zeuge, dann habe ihn die Polizei wohl falsch verstanden.

Die Ehefrau des Zeugen betonte, „es hätte Schlimmeres passieren können, wenn sich die Schneide nicht vom Stiel gelöst hätte“. Über den Beschuldigten sagte sie: „Er war sehr aufgelöst, hat geschrien wegen der Nachbarin, er war eifersüchtig.“

Die Ärztin, die in einer Klinik die Blutentnahme vornahm, sagte über den Angeklagten: „Er hat gewusst, was er getan hat. Er wollte dringend nach Hause, er hat genervt.“

Weitere Verhandlungstermine sind am 21. und 22. Oktober jeweils ab 9 Uhr am Landgericht Kassel.

Von Manfred Schaake

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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