Arbeitsmarktbilanz 2021 – Bedarf an Facharbeitern steigt

Waldeck-Frankenberg: Betriebe trotzen der Corona-Krise

Handwerker gesucht: Auch in Waldeck-Frankenberg suchen viele Gewerke wie die Bäcker neue Mitarbeiter und Auszubildende – der Bedarf an Facharbeitern steigt. Archivfoto: Maren Schimkowiak
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Handwerker gesucht: Auch in Waldeck-Frankenberg suchen viele Gewerke wie die Bäcker neue Mitarbeiter und Auszubildende – der Bedarf an Facharbeitern steigt.

Der heimische Arbeitsmarkt habe sich in der Corona-Krise als sehr stabil und als „resilient“ erwiesen, also als widerstandsfähig. Das sagt der Leiter der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, in seiner Jahresbilanz 2021. „Es gibt eine hohe Verlässlichkeit bei den Betrieben, urteilt er. „Sie haben sich auf hohem Niveau konstant gehalten – das ist sehr beachtlich.“

Waldeck-Frankenberg – Kemper erinnert an die Hoffnungen, die es Anfang 2021 noch gegeben habe, als die neuen Impfstoffe gegen das Corona-Virus bereit standen. Dennoch habe das Jahr den Menschen einiges „an Unbill“ gebracht, „das Leben ist nicht leichter geworden.“ Doch das treffe auf den heimischen Arbeitsmarkt so nicht zu: Er sei „von Januar bis Dezember konstant und verlässlich“ gewesen.

Auch 2021 war von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise geprägt. Aber: „Die Talsohle ist durchschritten“, urteilt der Leiter der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, in seiner Jahresbilanz. An die vor der Pandemie noch bestehenden guten Werte habe der heimische Arbeitsmarkt aber nur zum Teil anknüpfen können. Die Arbeitslosenzahlen für Dezember lägen wieder auf dem Niveau von 2018, als es noch einen „ungehinderten Aufwind“ gegeben habe, berichtet Kemper.

2019 sei schon von der „Transformation“ der Wirtschaft geprägt gewesen: Automobilindustrie und Zulieferer richteten sich neu aus und setzten auf die Digitalisierung – sie strukturierten auch ihre Belegschaft um, einige von Ungelernten besetzte einfache Tätigkeiten fielen dabei weg. Und 2020 breitete sich Corona weltweit aus und ließ die Lieferketten zum Teil zusammenbrechen.

„Man kann nur zufrieden auf die Region schauen“, sagt Kemper. Die „Unternehmenslandschaft“ sei „gut aufgestellt“, die Betriebe könnten auch mit unvorhergesehenen Ereignissen wie einer Pandemie umgehen, für die es „keine Blaupause“ gebe. Sie hätten nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sie hätten auch neu einstellen können und seien in der Krise leistungsfähig geblieben. Es gebe im Bezirk einen guten Mix an leistungsfähigen Unternehmen – und es gebe eine Bereitschaft aller Beteiligter, Jobsuchende wieder in Arbeit zu bringen.

Für Betriebe wird es aber schwieriger, Stellen zu besetzen. Kemper verweist zum Beispiel auf den Bevölkerungswandel: Die Älteren der geburtenstarken Nachkriegs-Jahrgänge gingen Zug um Zug in den Ruhestand – im Agenturbezirk stellten sie die Spitze der Beschäftigten.

„Aber es wächst zu wenig nach.“ Folge: ein größerer Facharbeitermangel.

Bei den Jüngeren gälten zudem manche Berufe als unattraktiv, viele studierten statt eine duale Ausbildung zu beginnen. Und die Arbeitnehmer änderten ihr Verhalten: In Phasen einer Hochkonjunktur seien sie eher zum Stellenwechsel bereit und nähmen auch eine kurze Arbeitslosigkeit in Kauf, um einen besseren Job zu finden, berichtete Kemper. In Krisen gingen sie eher kein Risiko ein und blieben in ihrer Beschäftigung.

Auf der anderen Seite wollten Arbeitnehmer derzeit lieber langfristig einstellen und achteten deshalb stärker darauf, ob Bewerber auch in ihren Betrieb passten. Dadurch verlängerten sich Besetzungsfristen bei offenen Stellen.

Trotz aller Herausforderungen: Die Dezember-Zahlen des Arbeitsmarktes „machen Mut für 2022“, erklärt Kemper. „Der Anspruch muss sein, die Zahl der Arbeitslosen deutlich zu senken.“

Von Dr. Karl Schilling

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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