Weihnachtsessen in Restaurants nur beschränkt möglich – Mehr außer Haus

Gastronomen in Waldeck-Frankenberg:
„Es ist nicht die Zeit für Party“

Optimistisch in die Weihnachtszeit will Familie Jashari gehen, hier Gazmend und Helena: In der Kupferpfanne in Usseln gab es zwar einige Stornierungen, aber weiterhin eine gute Reservierungslage.
+
Optimistisch in die Weihnachtszeit will Familie Jashari gehen, hier Gazmend und Helena: In der Kupferpfanne in Usseln gab es zwar einige Stornierungen, aber weiterhin eine gute Reservierungslage.

Ein großes Familientreffen an den Feiertagen mit einem leckeren Mehr-Gänge-Menü im Restaurant? Diesen Luxus gönnen sich im zweiten Jahr der Pandemie weniger Menschen als in „normalen“ Jahren. Die Gastronomen in Waldeck-Frankenberg bieten ihren Service auf unterschiedliche Weise an. Ein starker Trend: Essenslieferungen nach Hause.

Waldeck-Frankenberg – Während vor einem Jahr Hotels und Restaurants wegen des Lockdowns komplett für Besucher geschlossen waren, können derzeit wieder Gäste unter 2G-Regeln empfangen werden.

Doch vielen ist auch das zu gewagt. „Wir schließen über Weihnachten und Silvester wegen der Pandemie“, sagt Bernd Wernsdorfer vom Hotel und Restaurant Ratsstuben in Waldeck. Erstens gebe es keine Planungssicherheit, und zweitens „wollen wir uns und unser Personal schützen“. Das Restaurant hatte auch Anfragen für Silvester, aber das sei ihm angesichts der Infektionslage zu heikel, sagt Wernsdorfer. „Es ist nicht die Zeit für Party.“ Weniger Umsätze nehme er in Kauf in der Hoffnung, dass zwischen den Jahren und im Januar normaler Betrieb herrsche.

Eine besondere Entscheidung hat die Familie Sauer vom Gasthaus Sauer in Asel getroffen: „Wir hatten bereits ab Oktober für Weihnachten Gäste angenommen, sodass alle hundert Plätze reserviert waren.“ Doch mit den aktuellen Regeln könne der vorgegebene Abstand zwischen den Gästen nicht eingehalten werden. Um niemanden der vielen Stammgäste zu bevorzugen, habe man allen Gästen abgesagt, berichtet Friederike Sauer. „Wir bieten jetzt Essen nur außer Haus an“,so die Gastwirtin. „Das haben wir publik gemacht, und es wird gut angenommen.“

In Hessen gilt zurzeit eine 2G-Zugangsregel in der Gastronomie. Dadurch haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt. Was die angekündigten Kontaktbeschränkungen ab dem 28. Dezember für Restaurantbetreiber bedeuten werden und ob es gar zu einer erneuten Schließung von Gaststätten kommt, ist unklar. Diese Ungewissheit macht den Betrieben zu schaffen, und sie verunsichert Kunden. „Dieses Jahr war für uns noch unangenehmer als das Jahr zuvor, weil wir keine Planungssicherheit hatten“, erklärt Friederike Sauer.

„Wir haben uns daran gewöhnt und stellen uns jeweils darauf ein“, erklärt Marc Meier vom Hotel „Am Dalwigker Tor“ in Korbach auf die Frage, was die häufig wechselnden Bestimmungen und Einschränkungen für den Betrieb der Gaststätte bedeuten. Er verzeichnet wie andere auch eine größere Nachfrage nach Speisen außer Haus.

Diesen Trend bestätigt Ingrid Brüne-Frisch vom Posthotel in Usseln. Kunden seien vorsichtig und bestellen mehr zum Mitnehmen. Was die nächsten Tage und das Silvestergeschäft angesichts von Corona-Maßnahmen bringen werden, darüber könne man nur spekulieren. „Ich wage nicht zu prophezeien, was im neuen Jahr sein wird.“

Die Familie Jashari vom Restaurant Kupferkanne in Usseln will trotz angespannter Lage erst mal optimistisch sein. „Wir haben zwar einige Stornierungen von verunsicherten Kunden“, aber noch immer seien Tische im Restaurant über die Feiertage „gut reserviert“.

Delia Scozarri vom Restaurant Rosengarten in Rosenthal ist frustriert: „Weihnachten ist eine Katastrophe“ sagt sie auf die Frage, ob sie Tischreservierungen für die Feiertage hat. Sie habe zwar im Vorfeld etliche Reservierungen gehabt, die seien aber zum größten Teil abgesagt worden. Lediglich für den ersten Feiertag habe sie einige Anfragen. Auch mehrere große Weihnachtsfeiern seien wegen Corona ausgefallen. Schon im November seien drei große Familienfeiern abgesagt worden.

„Die Leute dürften zwar kommen, sie kommen aber nicht“, sagt Delia Scozarri. Ihr wäre es lieber, es gäbe wieder einen Lockdown wie im vergangenen Jahr. „Dann bekämen wir wenigstens finanzielle Unterstützung.“ Die Kosten liefen schließlich weiter, auch wenn keine Gäste kämen.

„Vor zwei Jahren waren wir im Oktober schon ausgebucht für Weihnachten und Silvester“, berichtet sie. Dieses Jahr habe sie gerade mal drei Tische vergeben. „Dabei haben wir zwei große Räume und können genügend Abstand halten, aber die Leute haben Angst zu kommen“, bedauert sie.

„Ohne unseren Abholservice, den wir anbieten, würde es gar nicht gehen“, betont Delia Scozarri, die den Rosengarten mit ihrem Mann seit acht Jahren betreibt.

Im Gastronomie-Betrieb des Romantik-Hotels Landhaus Bärenmühle im Lengeltal bei Ellershausen wird laut der Geschäftsführerin Christiane Kohl der Abstand zwischen den Gästen unter anderem dadurch gewährleistet, dass den Hotelgästen das Abendessen an normalen Tagen jeweils zu zwei Uhrzeiten, 18 und 19.30 Uhr, angeboten wird. Ausnahme sind die Menüs an Heiligabend und Silvester. An diesen Tagen werden sämtliche Flächen, sowohl im Restaurant als auch im Bistro, genutzt, um die notwendigen Abstände für die Besucher sicherzustellen. Gästen mit größeren Suiten werden die Menüs direkt im Zimmer serviert.

„Für Silvester waren wir quasi schon am 1. Januar 2021 ausgebucht“, sagt Christiane Kohl. Stammgäste, die 2020 nicht kommen konnten, hatten sich schon im Januar für 2021 angemeldet. Über die Weihnachtstage gebe es aber im Restaurant noch einige freie Plätze.

srs/bs/mab

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.