Landkreis plant Impfwoche

Corona-Impfung für Kinder ab fünf: Chronisch Erkrankte haben für Kinderärzte Priorität

Seit dieser Woche können Kinderärzte Impfdosen für Kinder aber fünf Jahren bestellen. Viele Eltern haben darauf gewartet, während andere unsicher sind, ob eine Corona-Schutzimpfung für ihr Kind notwendig ist.
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Seit dieser Woche können Kinderärzte Impfdosen für Kinder aber fünf Jahren bestellen. Viele Eltern haben darauf gewartet, während andere unsicher sind, ob eine Corona-Schutzimpfung für ihr Kind notwendig ist.

Seit dieser Woche können auch Kinder ab fünf Jahren gegen das Corona-Virus geimpft werden. Viele Eltern sind verunsichert und fragen bei den Kinderärzten nach Beratung und Impfterminen.

  • Die Ständige Impfkommission empfiehlt Corona-Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren mit Vorerkrankungen.
  • Kinderärzte in Waldeck-Frankenberg vergeben Impftermine bevorzugt an Kinder mit chronischen Krankheiten.
  • Kinderärzte kritisieren, dass noch immer zu wenige Erwachsene geimpft sind.
  • Der Landkreis plant eine Woche für die Immunisierung von Kindern ab fünf Jahren.

Waldeck-Frankenberg – Gleich zu Beginn der Woche „stand das Telefon nicht mehr still“, berichtet Dr. Meike Bökemeier, Kinderärztin in Korbach. Seit mehreren Tagen schon habe sie rund einhundert Namen auf der Warteliste.

Die Kinderärzte im Landkreis impfen nach unseren Recherchen zunächst die chronisch kranken Kinder, so wie es von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen ist. Das bestätigt die Ärztin Claudia Kobel. Die niedergelassenen Kinderärzte Kobel in Korbach werden wegen Umgestaltung der Praxis erst ab dem neuen Jahr Kinder ab fünf impfen.

Claudia Kobel betont: „Bevor alle Kinder geimpft werden, sollten sich erst einmal die Erwachsenen impfen lassen.“ Sie habe es bereits erlebt, dass Nachfragen für Impfungen für Kinder kamen, während deren Eltern noch nicht beide geimpft waren. Das sei unverantwortlich, auch weil Erwachsene nachgewiesenermaßen meistens schwerer an Covid-19 erkranken als Kinder.

Risikofaktoren wie Übergewicht und Immunschwäche

Auch Dr. Bökemeier sieht diese Entwicklung kritisch: „Viel zu viele Erwachsene verweigern die Impfung“, sagt sie, „und nun bleibt uns nichts anderes übrig, als die Kinder zu impfen“. Allerdings sei es gerechtfertigt, chronisch kranke Kinder gegen das Coronavirus zu impfen. Zu den Risikofaktoren zählen zum Beispiel starkes Übergewicht, Immunschwäche, Herzfehler und Lungenerkrankungen. Dabei bestehe die „Gefahr, dass Corona einen schweren Verlauf haben könnte“.

Ansonsten haben infizierte Kinder nach den Erfahrungen der Ärztin meist einen milden Verlauf. Bei gesunden Kindern sei die Dringlichkeit für eine Impfung daher „nicht so gegeben wie bei anderen“. Es sei aber eine „individuelle, persönliche Entscheidung“ der Eltern, ob sie ihr Kind impfen lassen. Oft sehen die Eltern Bedarf, weil die Kinder engen Kontakt zu pflegebedürftigen Senioren haben oder weil die Eltern beruflich viele Kontakte haben. Die STIKO empfiehlt die Impfung auch für fünf- bis elfjährige Kinder, in deren Umfeld Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf sind.

Datenlage noch „eingeschränkt“

In den Zulassungsstudien sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten. Weil die Impfungen für die jüngeren Kinder aber weltweit erst seit kurzem erfolgen, besteht bislang nur eine eingeschränkte Datenlage, erklärt das Hessische Sozialministerium. Bei den Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren hat etwa die Kinderärztin Dr. Bökemeier gute Erfahrungen gemacht. „Wir haben schon 500 Kinder und Jugendliche geimpft. Die Verträglichkeit war gut.“

Landkreis plant Impfwoche im Mini-Impfzentrum

Der Landkreis wird in der letzten Woche des Jahres, vom 27. bis einschließlich 30. Dezember, Schutzimpfungen für Kinder ab fünf Jahren im Korbacher Mini-Impfzentrum in der kleinen Hauerhalle anbieten. Eine Terminvereinbarung ist dafür nicht notwendig.

Dafür werden nach Auskunft des Landkreises Kinderärzte bereitstehen, die umfassend aufklären und auf Wunsch medizinisch beraten. Der Landkreis bietet diese Sonder-Impftage an, um nach eigener Aussage niedergelassene Kinderärzte bei den Schutzimpfungen zu unterstützen und die Impfkampagne weiter voranzutreiben. An den genannten Tagen sind Impfungen im Zeitraum von 14 bis 19 Uhr möglich.

Biontech-Impfstoff vorgesehen

Für Kinder von fünf bis einschließlich elf Jahren steht dafür Impfstoff des Unternehmens Biontech & Pfizer bereit, das die Dosis speziell für Kinder angepasst hat. An diesen Tagen können auch weiterhin Kinder und Jugendliche von zwölf bis einschließlich 17 Jahren eine Impfung bekommen, ebenso ihre sorgeberechtigten Be-gleitpersonen. Für alle anderen ist das Zentrum an diesen vier Tagen geschlossen.

„Wir können die Nachfrage und den Beratungsaufwand nicht final abschätzen, weswegen es zu Verzögerungen kommen kann“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese.

Unterlagen bereithalten

Damit der empfohlene Impfabstand eingehalten werden kann, wird es in der dritten Kalenderwoche 2022 – vom 17. bis 20. Januar – für die zweite Impfung weitere Impftage für Kinder und Jugendliche geben.

Zur Impfung sollte Folgendes mitgebracht werden: Krankenkassenkarte und Impfpass des Kindes, Personalausweis des Erziehungsberechtigten und nach Möglichkeit das bereits ausgefüllte „Aufklärungsmerkblatt zur Schutzimpfung gegen Covid-19 mit mRNA-Impfstoff“ sowie ein bereits ausgefüllter „Anamnese- und Einwilligungsbogen zur Schutzimpfung gegen Covid-19 mit mRNA-Impfstoff“. Herunterladen möglich unter: www.landkreis-waldeck-frankenberg.de/impfen

(Stefanie Rösner)

Der Kinder-Impfstoff

Bei dem Impfstoff für Kinder zwischen fünf und elf Jahren handelt es sich laut dem Hessischen Sozialministerium um den von Biontech. Die Dosierung sei speziell für diese Altersgruppe angepasst worden. Die Konzentration des Impfstoffs sei geringer als bei dem für Erwachsene. Dieser Kinderimpfstoff wurde von der EU nach Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) Ende November zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt nun die Impfung für Kinder mit besonderen Risikofaktoren. 

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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