50 Jahre Organspendeausweis

Keine Transplantationen in Waldeck-Frankenberg - Nur wenige Organentnahmen

ARCHIV - 07.06.2014, Stuttgart: Ein Organspendeausweis, aufgenommen vor dem Modell eines menschlichen Torsos. (zu dpa "Organspendetag: Auch junge Sachsen-Anhalter warten auf Organ")
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In Waldeck-Frankenberg werden keine Organe transplantiert, sondern nur entnommen. Aber auch das kommt eher selten vor.

Der Organspendeausweis wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Doch eine „Kultur der Organspende“ fehlt hierzulande nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Organtransplantation. In Waldeck-Frankenberg werden keine Organe transplantiert, sondern nur entnommen. Aber auch das kommt eher selten vor.

Waldeck-Frankenberg – Noch immer haben nur die wenigsten ihren Willen zur Organspende schriftlich festgehalten. Die Bereitschaft soll steigen. Im März 2022 wird daher das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende in Kraft treten.

Die Bevölkerung soll dann auf mehreren Ebenen, vor allem über die Hausärzte, verstärkt über Organspenden aufgeklärt werden. Möglichst viele Menschen sollen dann ihre Entscheidung in einem neuen Online-Register dokumentieren.

„In der Bad Wildunger Stadtklinik gab es in diesem Jahr vier Multiorganentnahmen, die aus anderen Kliniken zur Organentnahme zu uns verlegt worden sind“, berichtet Dr. Hartmut Lotz, Chefarzt für Anästhesie-, Intensiv- und Notfallmedizin.

Im Kreiskrankenhaus Frankenberg sind Organentnahmen äußerst selten. In den vergangenen Jahren gab es jeweils ein bis zwei Fälle. Im Stadtkrankenhaus Korbach gab es in den vergangenen Jahren regelmäßig ein bis drei Hirntodmeldungen pro Jahr. Zu einer Organentnahme sei es in diesen Fällen aber wegen Ablehnung durch die Angehörigen oder des dokumentierten Patientenwunsches nicht gekommen, teilt die Klinik mit.

„Der Großteil unserer Patienten, die eine Einwilligung zur Organentnahme besitzen, sind durch Vorerkrankungen keine geeigneten Spender. Man ist aber nie zu alt, um sich als Organspender registrieren zu lassen. Gesunde Organe von älteren Patienten sind für ältere Empfänger durchaus geeignet. Es gibt dafür spezielle Old-to-old-Programme“, erläutert Nicole Ludolph, Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin des Kreiskrankenhauses Frankenberg.

„Was viele nicht wissen, ist, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz aller Verstorbenen überhaupt als Spender infrage kommt“, sagt Dr. Hartmut Lotz. „Oft wird vermutet, dass Organspender vor allem junge Unfallopfer sind, die auf der Straße verunglücken. Wegen massiver Organschäden kommen sie allerdings in vielen Fällen nicht als Spender infrage, selbst dann nicht, wenn sie an einer Hirnverletzung gestorben sind.“ (Stefanie Rösner)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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