Arbeiten an Weihnachten

Sie sind im Dienst, während andere feiern

Polizeioberkommissar Dennis Backhaus, die Polizeikommissarsanwärterin Dorothea Broesike und Polizeioberkommissar Holger Löber stehen vor der Korbacher Polizeidirektion vor einem Streifenwagen.
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„Das Verbrechen schläft nicht.“ Und so sind Polizeioberkommissar Dennis Backhaus, die Polizeikommissarsanwärterin Dorothea Broesike und Polizeioberkommissar Holger Löber aus Korbach auch über die Weihnachts-Feiertage im Einsatz.

Sie sind im Dienst, während andere feiern: Auch an den Weihnachtsfeiertagen gehen einige zur Arbeit, um für andere da zu sein.

Waldeck-Frankenberg – Die Weihnachtszeit ist für viele eine entspannte Zeit. Sie haben ein paar Tage frei, die sie in Ruhe mit der Familie verbringen können. Aber während die meisten an Heiligabend Geschenke auspacken und das Weihnachtsessen genießen, müssen andere wie jeden Tag zur Arbeit gehen. Einige von ihnen erzählen der WLZ von ihrem Fest.

Polizei steht rund um die Uhr bereit

„Wir arbeiten an Feiertagen genauso wie an jedem anderen Tag auch“, berichten Polizeioberkommissar Dennis Backhaus, die Polizeikommissarsanwärterin Dorothea Broesike und Polizeioberkommissar Holger Löber von der Korbacher Polizeistation. „Das Verbrechen schläft nicht, auch nicht an Weihnachten oder Silvester.“

Vielleicht würden es ein paar mehr Einbrüche, weil die Familien mehr unterwegs sind. „Aber eigentlich gehört alles zum normalen Alltagsgeschäft.“ Es lasse sich nie vorhersehen, was passiere.

„Mit den Feiertagsdiensten wechseln wir uns in Absprache ab“, sagen die Drei. „Wer kleine Kinder zuhause hat, findet meistens jemanden, der mit ihm tauscht.“ Die Weihnachtstage seien ruhiger, als es die gerade an den Tagen auftretende Kombination aus Stress und Alkohol befürchten lasse.

„Die Stimmung an Weihnachten ist aber etwas Besonderes. Wir haben auch einen Adventskranz auf der Wache“, berichten die drei Beamten. „Unser Zusammenhalt ist gut, und es macht Spaß, wenn wir – wenn es passt – gemeinsam etwas kochen.“

Die Bürger seien auch freundlicher. „Sie zeigen Verständnis und Anerkennung für unsere Arbeit Es ist ein anderer Umgang. Das tut gut und gibt wieder Motivation.“

Pflegteam feiert mit Senioren im Heim

Als Pflegerin sei sie es gewohnt an Feiertagen zu arbeiten – aber Weihnachten sei im Korbacher Haus am Nordwall immer etwas Besonderes, sagt Jessica Kühn. „Wir sind ja das neue Zuhause für unsere Bewohner, ein bisschen wie eine neue Familie“ – einige hätten keine Familie mehr, „für sei sind wir sogar die einzige Bezugsperson.“

„Gerade in der Weihnachtszeit sind Traditionen und die Erinnerungen daran wichtig.“ Die beliebten Weihnachtsfeste mit Chören, Kinderaufführungen und Basar hätten wegen Corona ausfallen müssen, doch das ganze Haus sei geschmückt, „es werden Plätzchen gebacken und Gedichte gelesen.“

Altenpflegerin Jessica Kühn im Korbacher Haus am Nordwall.

Um Besuche der Angehörigen zu ermöglichen, wurden die Testzeiten an den Feiertagen ausgeweitet. Mit Senioren ohne Besucher „feiern wir dann gerne: Niemand soll an diesen Tagen allein sein.“

Es falle nicht immer leicht, die eigene Familie allein zu lassen. Die Stimmung im Haus und die Freude der Senioren entschädige aber – „und mit der Familie feiern wir dann noch einmal.“

Palliativnetz begleitet Sterbende auch an den Festtagen

An Weihnachten feiern die Christen die Geburt Jesu. Doch auch an den Festtagen sterben schwer kranke Menschen. Das Waldeck-Frankenberger Palliativnetz begleitet sie. „Wir bieten eine ambulante Palliativversorgung und besuchen sehr kranke oder sterbende Menschen zuhause“, berichtet die Teamleiterin Julia Beumker. „Einen Schichtdienst im klassischen Sinne haben wir nicht, aber wir garantieren, Tag und Nacht bereit zu sein.“

„Wir unterstützen dabei die bereits bestehende Versorgung und begleiten die Patienten und Angehörigen auf ihrem Weg“, erklärt Beumker. „Unsere Arbeit beginnt dort, wo es keine Hoffnung mehr auf Heilung gibt.“

Teamleiterin Julia Beumker vom Waldeck-Frankenberger Palliativnetz.

„Vor den Feiertagen haben wir alle unsere Patienten noch einmal besucht“ und ausführlich mit ihnen und den Angehörigen über die Erwartungen an die Festtage, aber auch praktisch etwa über Medikamente gesprochen. „Das ist das wirklich Schöne an meinem Beruf: Wir haben Zeit auf die Patienten einzugehen. Wir können ihnen in ihrer schwersten Zeit so viel geben, in dem wir ihnen Angst und Schmerzen nehmen, Vertrauen und Unterstützung anbieten.“

Selbst Weihnachten oder Silvester müssten nicht unbedingt traurig sein. „Die meisten Patienten wissen, dass es wohl ihr letztes Fest und ihr letztes Jahr sein wird. Oft wollen sie gar nicht, dass wir sie dann besuchen oder anrufen. Einfach mal vergessen und den Tag so nehmen wie er ist, kann schon ein großes Geschenk sein.“ Wenn sie sich in guten Händen wüssten, „dass wir im Hintergrund für sie da sind“, schafften es viele in diesen Tagen zu entspannen und die Zeit mit den Angehörigen zu genießen.

DRK-Rettungsdienst rückt aus

„Die Einsätze an den Feiertagen unterscheiden sich nicht von denen anderer Tage“, berichtet der Leiter der Bad Arolser DRK-Rettungswache, Ulrich Wagner. „Schlaganfälle, Herzinfarkte, Unfälle – all das gibt es an Weihnachten auch, vielleicht sind es wegen des guten Essens ein paar Koliken mehr.“ Sie seien unabhängig von der Zeit, „wir wissen nie, was uns erwartet.“

Nur sei die Situation eine andere. „Weihnachten und Silvester erlebt man den Alltag mit dem Rettungswagen anders als sonst. Man hat das Gefühl noch mehr ins Private der Menschen zu kommen, die besinnlich mit der Familie feiern wollten“, beschreibt Wagner. „Wir müssen Grenzen überschreiten, wenn wir kommen und helfen.“ Ruhig, aber trotzdem schnell handelten die Retter. „Wir reden bei der Arbeit nicht viel miteinander. Bei uns sitzt jeder Handgriff, jeder weiß, was er wann zu tun hat.“

Ulrich Wagner leitet der Bad Arolser DRK-Rettungswache.

Gerade an den Feiertagen „scheinen der Schrecken und die Ratlosigkeit der Angehörigen größer als an anderen Tagen“. Dazu komme die Sorge. Wer an Weihnachten oder Silvester ins Krankenhaus komme, bleibe meist über Weihnachten und Silvester.

„Den Einsätzen an diesen Tagen begegnen wir wie immer rational und professionell, die Schicksale bleiben uns dennoch oft im Gedächtnis“, sagt Wagner. Menschen erinnerten sich an Weihnachten wieder mehr daran, dass ein „Danke“ allen gut tue.

Feuerwehren sind in wenigen Minuten einsatzbereit

„An Weihnachten und Silvester nehmen wir bei einem Alarm die Beine in die Hand – so wie an allen anderen Tagen im Jahr auch“, sagt der Korbacher Stadtbrandinspektor Carsten Vahland.

Die freiwilligen Feuerwehren in Korbach und den Stadtteilen erfüllten im Ehrenamt nicht nur eine kommunale Pflichtaufgabe: „Wir garantieren selbstverständlich die gleiche Professionalität wie die Berufswehren.“

„Natürlich hoffen wir, dass wir ruhige Feiertage haben, aber so ganz wird es sicher nicht gelingen“, sagt Vahland. Auch wenn Weihnachtsbäume heute wegen der Lichterketten weniger oft in Brand gerieten als früher, komme es oft genug zu Brandeinsätzen – „und auf das Böllerverbot können wir uns auch nicht verlassen.“

Auch an Weihnachten und Silvester einsatzbereit: der Korbacher Stadtbrandinspektor Carsten Vahland.

„Eingeteilte Dienste haben wir an den Feiertagen nicht“, berichtet Vahland. „Wir sprechen intern eine Bereitschaft ab. Unser Pool ist groß genug, um mögliche Engpässe aufzufangen – sollte es eng werden alarmieren wir die Ortsteile, und alle springen ein.“

Das Engagement und die Leidenschaft für das Ehrenamt seien so groß, dass sich alle Aktiven mit dem Feiern zurückhielten und in wenigen Minuten einsatzbereit seien – das zeigten die Feuerwehrleute im gesamten Kreis jeden Tag. Sie seien Tag und Nacht erreichbar und rückten bei jedem Alarm aus. „Das werden wir auch jetzt zum Jahresende tun.“

Die WLZ sagt Danke an alle, die auch in diesem Jahr wieder für die Gemeinschaft im Einsatz sind. 

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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