zu Jahresbeginn weniger Anfragen neuer Kunden

Waldeck-Frankenberg: Sport in Fitnessstudios unter strengen Regeln

Sport mit Maske und unter 2G-Regeln: Hermann Schaffer, Inhaber des Fitnessstudios Pro Body in Korbach, assistiert einer Kundin.
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Sport mit Maske und unter 2G-Regeln: Hermann Schaffer, Inhaber des Fitnessstudios Pro Body in Korbach, assistiert einer Kundin.

Von guten Vorsätzen vieler Menschen, mehr Sport zu treiben, profitieren die Betreiber von Fitnessstudios. Doch dieses Mal gibt es zu Jahresbeginn weniger Anfragen neuer Kunden.

Waldeck-Frankenberg – Denn zu einer Angst vor Ansteckung bei manchen kommt die seit Ende 2021 geltende 2G-Regel hinzu, die einige als Hürde betrachten.

Die Branche hat mit einem geringeren Zuwachs gerechnet, und so zeichnet sich laut Hermann Schaffer, Betreiber von Pro Body in Korbach, bereits ab, dass rund 20 Prozent der Kunden nicht mehr kommen. Das betreffe vorwiegend nicht Geimpfte, deren Verträge nun erst mal ruhen.

Hermann Schaffer ist bereit, sämtliche Hygienemaßnahmen umzusetzen. Doch er ärgert sich über Vorgaben, die sich häufig ändern, die nur kurzfristig angekündigt werden und sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Kunden von Fitnessstudios seien verunsichert. „Viele warten erst mal ab, weil sie nicht wissen, was kommt.“

„Viele sind verwirrt, weil ständig Neues kommt.“

Die nächsten Verschärfungen könnten bald eintreten, damit rechnet die Büroleiterin Susanne Mertz. Sie habe in den vergangenen Monaten ständig die hessischen Verordnungen gelesen, und Pro Body habe den Betrieb angepasst. „Viele sind verwirrt, weil ständig Neues kommt.“ Nach zwei Jahren Pandemie habe man nichts gelernt, meint Hermann Schaffer, der sich klare, einheitliche Regeln wünscht, die auch der Kunde nachvollziehen kann.

Aus Sorge vor einem möglichen Lockdown zögerten einige Kunden, langfristige Verträge abzuschließen, gibt Knut Wienbeck, Geschäftsführer beim Fitnessstudio Charisma in Frankenberg, zu bedenken.

„Wir wünschen uns ein wesentlich entschlosseneres Vorgehen der Politik“, sagt Oliver Hintschich, der die Aro-Fit-Studios in Bad Arolsen betreibt. Er würde beispielsweise eine allgemeine Impfpflicht befürworten, was seiner Ansicht nach das Vorgehen nicht nur in seiner Branche erleichtern würde. „Stattdessen hangelt man sich von Maßnahme zu Maßnahme.“

Angst sei ein schlechter Begleiter

Die Fitnessstudios verzeichnen weniger Vertragsabschlüsse, während sie mehr bürokratischen Aufwand haben und gleichzeitig versuchen, das Personal zu halten. Das größere Problem sei – darin sind sich viele einig – dass „Verordnungen kurzfristig umzusetzen sind“, wie es Maximilian Krüger sagt, Prokurist bei Novotergum, Betreiber von Reha Fit in Korbach. „Dann haben wir keine Zeit, dies den Kunden zu kommunizieren.“

Es ist paradox: Wer körperlich fit ist, ist besser gewappnet gegen Krankheiten wie das Coronavirus. Doch ausgerechnet die Sorge vor Ansteckung oder die 2G-Vorschriften halten viele, die sonst ins Fitnessstudio gehen würden, davon ab, sich sportlich zu betätigen. Hermann Schaffer, Inhaber von Pro Body, beschreibt es so: Corona habe dazu geführt, dass sich viele Menschen isolieren und weniger Sport treiben.

Viele seiner früheren Kunden – vor allem Ältere – seien zu lange passiv gewesen. „Wird der Körper zu lange ruhig gestellt, werden die Batterien runtergefahren, und es wird immer schwieriger, den Startknopf wieder zu drücken.“

Manche hätten Angst vor dem Virus. Das respektiere er, sagt Schaffer. Doch grundsätzlich sei Angst ein „schlechter Begleiter“. „Auch die sozialen Kontakte fehlen bei denen, die sich isolieren.“

Hygieneschutz und 2G-Nachweis

Aktivität hingegen – und damit meine er schon einige wenige Minuten der körperlichen Anstrengung – könne Angst, Stress und Anspannung deutlich verringern. Er wirbt für den Sport auch im Innenraum zugunsten der Gesundheit. „Wir haben alle Schutzvorkehrungen getroffen.“

Dazu zählt er einen speziellen Hygieneschutz fürs Personal, stärkere Lüftung der Trainingsräume, viele Luftreiniger, Abstand zwischen den Besuchern und Maske tragen bei engerem Kontakt. Jeder Besucher muss seinen 2G-Nachweis einmalig vorzeigen. Das Datum der letzten Impfung werde elektronisch erfasst, so dass man später darauf zurückgreifen kann, falls der Nachweis irgendwann seine Gültigkeit verliert.

Das alles bedeutet für die Betreiber der Fitnesszentren zusätzlichen bürokratischen Aufwand und mehr Kosten. Daher wünschen sie sich mehr Klarheit, Einheit und Transparenz bei den Corona-Vorschriften. 

Viele kommen regelmäßig zum Training ins Charisma

Für das Fitnessstudio Charisma in Frankenberg rechnet Geschäftsführer Knut Wienbeck wie in den Vorjahren auch ab Mitte Januar bis in den Februar hinein mit mehr Neuanmeldungen.

Training im Charisma: Adam Ertl (rechts) wird am kommenden Montag 90 Jahre alt und ist somit das älteste Mitglied im Fitnessstudio von Knut Wienbeck in Frankenberg. Zusammen mit seiner Frau kommt er seit 20 Jahren zweimal die Woche trainieren. Sein Motto: Wenn man nicht regelmäßig trainiert, ist das rausgeworfene Zeit.

Die aktuelle 2G-Regelung laufe sehr gut und beeinflusse die Besucher des Fitnessstudios nicht sonderlich. Es herrsche aber weiterhin eine große Unsicherheit – gerade durch die Omikron-Variante. „Es gibt ein paar Besucher, die aufgrund der Gesamtlage verunsichert sind, aber wir haben viele Ältere, die schon alle geboostert sind und deswegen regelmäßig zu ihrem Training kommen“, erklärt Wienbeck.

Viele der Kundinnen und Kunden hätten keine Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus, sondern eher vor einem möglichen neuen Lockdown, denn niemand wisse, ob die Studios nicht erneut schließen müssten. Deswegen arbeite das Team des Charisma zusätzlich mit Anmeldungen von zehn Wochen, statt wie den üblichen Verträgen von bis zu einem Jahr.

Wegen der Regelungen seit der Pandemie hat der Inhaber die Öffnungszeiten des Fitnessstudios erweitert, damit in den Räumen weniger Kunden gleichzeitig aufeinandertreffen.

„Gesundheit muss man machen“

Während der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) zum Jahreswechsel bundesweit ein Minus von zwei Millionen Mitgliedern verzeichnete, registriert Thomas Zimmermann, Geschäftsführer der Corpus Pro Betriebs-GmbH, jedoch einen Mitglieder-Zuwachs in den Studios Corpus Pro (Frankenberg) und Get fit (Allendorf/Eder): „Grundsätzlich sind wir mit dem, was wir im vergangenen Jahr trotz der Pandemie erreicht haben, sehr zufrieden“, sagte Zimmermann gegenüber der HNA.

Jetzt will er in ein neues Studio investieren. „Gesundheit kann man sich nicht wünschen, Gesundheit muss man machen“, sagt Zimmermann. Mit gezieltem Krafttraining könne man seine Muskulatur erhalten und stärken, erklärt Zimmermann.

Die Mitglieder in den Studios Corpus Pro und Get fit trainieren nach strengem Hygienekonzept unter Einhaltung der 2G-Regeln. „Über 90 Prozent unserer Mitglieder sind geimpft, über 40 Prozent haben schon ihre Booster-Impfung erhalten“, sagt Thomas Zimmermann, der viel Geld in Geräte zur Luftreinigung investiert hat.

Bisher kein einziger Corona-Fall

Sollte die Inzidenz aber weiter steigen, droht den hessischen Fitnessstudios die 2G-plus-Regel, die bis Mittwoch für Sportangebote in Innenräumen in Nordrhein-Westfalen galt. Sie besagt, dass zusätzlich zum Impfnachweis ein Test vor dem Sport erforderlich ist.

„Das wäre der Fitness-Killer“, befürchtet Thomas Zimmermann. Er kann sich nicht vorstellen, dass Mitglieder, die mehrmals pro Woche trainieren, jedes Mal vorher ein Testzentrum aufsuchen.

„Ob das überhaupt etwas bringt, ist eine andere Frage“, sagt Zimmermann. Während der gesamten Zeit der Pandemie sei in seinen Studios bisher kein einziger Corona-Fall bekannt geworden.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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