EWF-Chef: „Können gestiegene Einkaufspreise nicht ignorieren“

Teures Tanken und Heizen auch in Waldeck-Frankenberg

Die Benzinpreise sind aktuell hoch. Gestern zahlte man in Korbach für den Liter Super im Schnitt 1,67 Euro. Der Liter Diesel bleibt nur noch selten unter 1,50 Euro.
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Die Benzinpreise sind aktuell hoch. Gestern zahlte man in Korbach für den Liter Super im Schnitt 1,67 Euro. Der Liter Diesel bleibt nur noch selten unter 1,50 Euro.

Die Preise für Öl, Gas, Sprit und Strom steigen derzeit überall massiv an. Diese hohen Kosten können vertraglich in aller Regel nur bedingt an die Kunden weitergegeben werden. Die Folge: Energie-Versorger – vor allem kleinere – machen aktuell massive Verluste.

Um der Pleite zu entgehen, kündigen sie Verträge – manche überstehen die Phase trotzdem nicht.

In der Branche ist daher von einer „echten Energiekrise“ die Rede.

Auch wenn sich die Situation in Waldeck-Frankenberg aktuell nicht so drastisch darstellt, müssen auch die Menschen hierzulande mit steigenden Energiepreisen rechnen. Das kündigte Stefan Schaller, Geschäftsführer der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) an. Die EWF ist mit rund 24 000 Erdgaszähler- und fast 98 000 Stromzähler-Kunden der größte heimische Energieversorger.

„EWF ist – wie alle anderen Gasversorger auch – nicht in der Lage, die gestiegenen Einkaufspreise zu ignorieren“, sagt Schaller. Vorbehaltlich der Beschlussfassung durch den Aufsichtsrat und auf Basis der derzeitigen Marktsituation sei daher von einer Anhebung des Erdgaspreises auszugehen. Ob und in welcher Höhe stehe noch nicht fest, hier warte EWF die aktuellen Marktentwicklungen ab und werde jede Möglichkeit nutzen, die Preisanpassung so gering wie möglich zu gestalten.

Stefan Schaller, Geschäftsführer der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) 

Doch warum ziehen die Energiepreise so an? Schaller: „Auf den Märkten liegt aktuell eine Verknappung des Energieangebotes – sowohl bei den Primär-Energieträgern Gas und Kohle als auch bei Strom an der Strombörse – vor. Dies führt zu massiv gestiegenen Preisen.“ Dieser Trend werde teilweise noch von Zwangs-Energieeinkäufen gestützt, da sich einige Händler nicht langfristig, sondern kurzfristig an Spotmärkten eindecken.

Konkret nach dem hohen Gas-Preis gefragt, sagt Schaller: „Die Branche hat in Erwartung fallender Preise die Gasspeicher im Sommer nicht zu 100 Prozent gefüllt. Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in Asien ist dort der Energiebedarf stark gestiegen. Der Energiemarkt boomt. Für verflüssigtes Erdgas werden dort höhere Preise als in Europa bezahlt, sodass die Transportschiffe in den asiatischen Raum fahren, was in Europa zu einer deutlichen Verknappung des Gasangebotes führt.“

Wirtschaft erholt sich: Rohöl stark nachgefragt

Grund für die aktuell spürbar steigenden Benzin- und Dieselpreise ist der hohe Preis für Rohöl. „Die internationale Nachfrage nach Rohöl steigt derzeit stark an. Die einsetzende Erholung nach den wirtschaftlichen Einbrüchen durch die Corona-Pandemie ist ein wesentlicher Faktor. Aber auch der wachsende Bedarf in den Schwellenländern spielt eine große Rolle“, sagt Thomas Grebe, Geschäftsführer der Mineralölfirma und Tankstellenkette Grebe & Sohn aus Korbach. 

„Kaum Energiereserven“

Stecken wir also mitten in einer Energiekrise oder beschreibt das Wort „Energie-Krieg“ die Lage sogar noch exakter?

„Von einer Energiekrise wie 1974 und 1979 sind wir weit entfernt. Allerdings sehe ich die Sicherheit und Zuverlässigkeit unserer Energieversorgung mittelfristig von verschiedenen Seiten bedroht“, sagt Thomas Grebe. Das hänge vor allem mit der Beschränkung auf regenerativ erzeugten Strom als Lösung für die zukünftige Energieversorgung der Sektoren Industrie, Raumwärme und Verkehr zusammen.

„Was das für eine Volkswirtschaft bedeutet, können wir in China erkennen. Dort gibt es derzeit einen massiven Mangel an sauberem Strom, was zu Ausfällen in der Produktion von Rohstoffen, aber auch von elektronischen Komponenten führt“, so Grebe. Durch die Globalisierung von Lieferketten sei auch die deutsche Wirtschaft davon stark betroffen und werde es auch in den kommenden Monaten sein. „Einen ‚Energie-Krieg‘ allerdings kann ich nicht erkennen. Meines Wissens nach liefert Russland – als immer wieder gern genannter ‚Verdächtiger‘ – Erdgas im Rahmen der abgeschlossenen Lieferverträge.“

Thomas Grebe, Geschäftsführer der Mineralölfirma und Tankstellenkette Grebe & Sohn aus Korbach. 

Eines ist aus Sicht Grebes aber klar: Bei Erdgas, Strom und allen anderen leitungsgebundenen Energieträgern ist die Abhängigkeit von den Lieferanten auch deshalb sehr hoch, da es national gelagerte Energiereserven nur in sehr geringem Umfang gibt.

Mit Blick auf die Heizölpreise sagt der Geschäftsführer der Korbacher Mineralölfirma und Tankstellenkette: „Ich gehe von steigenden Energiepreisen mit Einsetzen der Heizsaison im Winter aus. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren mitten in der Saison – meist im Januar – günstige Konditionen für Heizöl. Die Verbraucher hatten sich schlicht früh genug und zu günstigen Sommerkonditionen bevorratet. Die Nachfrage war daher im Januar eher schwach und deshalb sanken die Preise.“ Diesen Effekt könnte man auch im kommenden Winter erleben.

Global und langfristig gesehen, geht Grebe von steigenden Energiepreisen aus. „Das ist zum einen durch die weltweit steigende Nachfrage getrieben – zum anderen von gesetzlichen Maßnahmen, die fossile Energieträger durch Steuern und Abgaben zunehmend belasten“, sagt er.

Auch bei den oft schwankenden Spritpreisen sieht Grebe letztlich eine weitere Preisentwicklung nach oben: „Die Preisfindung bei Kraftstoffen erfolgt mehrmals täglich am Markt und orientiert sich an den internationalen Rohöl- und Fertigproduktnotierungen, also an den Bezugspreisen. Preise werden nicht mittel- oder langfristig geplant.“ Trotzdem müssten Energiesteueränderungen oder Abgaben wie der gesetzliche CO2-Preis weitergegeben werden. Sonst könnten sie ihre gewünschte Lenkungswirkung am Markt gar nicht entfalten. „Zum Jahreswechsel stehen solche Veränderungen mit der nächsten Stufe der CO2-Bepreisung wieder an und werden zur Verteuerung von Kraftstoffen führen“, so Grebe.

Der Firmenchef ist überzeugt davon, dass „wir zukünftig immer wieder mit ‚Energiekrisen‘ konfrontiert werden“. Dies gelte durchgängig für alle Energieträger. Um dies zu verhindern, müsse die Klimakrise umfassend geplant sowie global und vor allem auch technisch vernünftig angegangen werden. Speziell beim Rohöl wird sich die Preissituation aus Grebes Sicht „vermutlich mit Normalisierung der Nachfrage eher entspannen“.

Schaller: „Vor neuer Bundesregierung liegt ein weites Feld“

Die Gründe für die Strompreisexplosion sind naheliegender als beim Gas“, sagt derweil EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller. Der Ertrag aus der Einspeisung von Windenergie sei im Jahr 2021 deutlich geringer als im langjährigen Durchschnitt, die fehlenden Mengen hätten über konventionelle Kraftwerke erzeugt werden müssen. Dies wiederum habe zu einem erhöhten Brennstoffbedarf – sowohl in Form von Kohle als auch von Gas – geführt, diese wiederum seien an den Weltmarkt gekoppelt.

Außerdem habe sich dieses Jahr der Preis für die CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel, mit denen sich Kraftwerksbetreiber von Kohle und Gaskraftwerken eindecken müssen, mehr als verdoppelt. Dadurch hätten sich die Erzeugungskosten von Strom zusätzlich erhöht.

Schaller rechnet allerdings nicht damit, dass die EWF – anders als es beim Gas der Fall ist – auch beim Strom zeitnah eine Preisanpassung vornehmen muss. „Nach derzeitigem Kenntnisstand wird die Senkung der EEG-Umlage dazu führen, dass bei EWF der Strompreis nicht erhöht werden muss. Dies gilt vorbehaltlich einer abzuwartenden Marktentwicklung und auf Basis der heute vorliegenden Daten“, so Schaller.

Ein Ende der hohen Energiepreise kann nach Auskunft des EWF-Geschäftsführers nur durch eine Erhöhung des Energieangebotes erreicht werden. Dazu zähle eine schnelle Genehmigung von CO2-armen Gaskraftwerken als Übergangstechnologie, ebenso der zügige Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Derzeit liegen die Genehmigungsdauern, beispielsweise von Windparks, zwischen fünf und 10 Jahren. „Hier liegt ein weites Feld vor der neuen Bundesregierung“, so Schaller.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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