„Unvorstellbar, wie viel Leid es dort gibt“

Weitere Hilfsgüter aus Waldeck-Frankenberg erreichen Hochwassergebiete

Hilfe im Hochwassergebiet an der Ahr: Das Fahrradhaus Jähn aus Thalitter brachte unter anderem Schippen und Schubkarren in den Landkreis Ahrweiler. Auf dem Bild ist Carsten Koch aus Thalitter zu sehen.
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Hilfe im Hochwassergebiet an der Ahr: Das Fahrradhaus Jähn aus Thalitter brachte unter anderem Schippen und Schubkarren in den Landkreis Ahrweiler. Auf dem Bild ist Carsten Koch aus Thalitter zu sehen.

Die Hilfsbereitschaft für die Opfer der Flutkatastrophe ist in Waldeck-Frankenberg ungebrochen.

Am Wochenende fuhren zwei Transporter des Fahrradhauses Jähn in Thalitter in die betroffenen Gebiete an der Ahr. Beladen waren die Fahrzeuge unter anderem mit Schippen, Schubkarren und Gummistiefeln – Geräte und Ausrüstung, die in den Hochwassergebieten dringend benötigt werden.

Außerdem spendeten vier Fleischereien aus dem Landkreis Lebensmittel. 40 Kisten mit Bratwürstchen, Konserven und Aufschnitt erreichten daraufhin am Montagmorgen die Krisengebiete an der Ahr.

„Komplette Dörfer sind einfach weg“

Vor Ort war es dann ein Bild der Zerstörung, das sich den Helfern aus Thalitter im Hochwassergebiet an der Ahr bot. „Es ist unvorstellbar, wie viel Leid es dort gibt. Komplette Dörfer sind einfach weg. In Bad Neuenahr stand das Wasser zehn Meter hoch, viele Häuser und Hotels sind weggerissen worden“, berichtet Thorsten Jähn vom gleichnamigen Fahrradhaus in Thalitter.

Zusammen mit seinem Kollegen Stephan Scholtysik und Carsten Koch sowie zwei Transportern ist er am Sonntag in die betroffenen Gebiete des Landkreises Ahrweiler gefahren. Zuvor war im Vöhler Ortsteil eine entsprechende Hilfsaktion organisiert worden.

Aufräum-Arbeiten: Das Foto zeigt Thorsten Jähn in einem Treppenhaus, das voller Schlamm ist.

„Ich habe im Raum Ahrweiler einen guten Bekannten, der mich regelmäßig über die Situation vor Ort informiert hat. Am Freitagabend war schnell klar, dass weitere Hilfen im Krisengebiet sofort gebraucht werden“, erzählt Thorsten Jähn und ergänzt: „Kurzerhand haben wir vom Fahrradhaus einen Text in die Whats-App-Gruppe des Dorfes Thalitter geschrieben – mit der Bitte, dass Sachspenden benötigt würden. Sofort beteiligte sich auch der Ortsbeirat an der Aktion.“

Im Dorfgemeinschaftshaus in Thalitter sei daraufhin ein Raum zur Lagerung der Sachspenden bereitgestellt worden. „Durch den regelmäßigen Kontakt mit meinem Bekannten wurde jedoch schnell klar, dass Sachspenden nur in Form von Schaufeln, Schubkarren, Lebensmitteln und Gasflaschen benötigt werden“, berichtet der Inhaber der Fahrradhauses. Bekleidung werde erst im zweiten Schritt gebraucht. „Wir hatten auch über Facebook bereits einen Post abgesetzt, schrieben diesen aber aufgrund der neuen Informationen noch einmal um – was aber kein Problem war. Die Beteiligung war super, es kamen viele Leute von auswärts, auch zahlreiche Itteraner sowie heimische Unternehmen beteiligten sich an der Aktion. Mein Handy stand ebenfalls nicht mehr still“, berichtet Thorsten Jähn.

Stephan Scholtysik holt Geräte und Ausrüstung aus dem Transporter.

Es seien sogar neue Schaufeln in Baumärkten in Korbach gekauft worden, die privat vorbei gebracht wurden. „Als wir von unserem Fahrradhaus in einem Baumarkt in Korbach weitere Schaufeln und Gummistiefel kauften, wurden uns diese zum Sonderpreis gegeben. Noch besser war aber, dass wir von dort auch noch Gummistiefel, Schaufeln und Schubkarren geschenkt bekamen.“ Auch die Bereitschaft, Geld spenden zu wollen, sei enorm gewesen. „Das Geld wurde auf eines der zahlreichen Spendenkonten überwiesen. Ein Teil davon wurde auch direkt für neue Gummistiefel und Schubkarren verwendet, sodass am Ende zwei Transporter – voll beladen – am Sonntag losfahren konnten“, so Jähn.

Ein Bild der Zerstörung bot sich den Helfern in der Gemeinde Altenahr.

Vor Ort hätten sie dann „sehr emotionale Momente“ erlebt. „Es ist einfach unvorstellbar, was dort passiert ist. Wir haben mit Menschen gesprochen, die einen Teil ihrer Familie verloren haben. Das hat uns schon mitgenommen“, sagt der Inhaber des Fahrradhauses. 100 Schippen, acht Schubkarren, 30 Besen, 50 Paar Gummistiefel, vier Betten, sechs Gasflaschen sowie Lebensmittel, Bettdecken, Bekleidung seien letztlich aus Thalitter ins Krisengebiet gebracht worden. „Wir haben am Sonntag noch beim Aufräumen geholfen. Hierbei sind wir von Haus zu Haus gegangen und haben gefragt, ob wir helfen können. Die Menschen waren sehr dankbar und viele haben uns mit Tränen in den Augen verabschiedet“, berichtet Thorsten Jähn und fügt abschließend noch hinzu: „Wir haben ja vor allem in dem kleinen Ort Altenahr beim Aufräumen geholfen. Dort wurden zahlreiche Gaststätten und damit auch etliche Existenzen zerstört. Als wir in Thalitter ankamen, hatte ich immer noch den Geruch von Schlamm, Öl und ausgelaufenem Bier in der Nase.“

Bratwürstchen, Konserven und Aufschnitt für die Flutopfer

40 volle Kisten hatten sie am Ende im Transporter untergebracht – anschließend ging es direkt in die Hochwassergebiete an der Ahr. „Wir haben bis Sonntagnacht Bratwürstchen, Konserven und Aufschnitt eingepackt und sind gegen 4 Uhr am Montagmorgen aufgebrochen“, berichtet Thomas-Ludwig Tent. Er weist darauf hin, dass sich neben der Fleischerei Ludwig Tent auch noch die Korbacher Betriebe „Fleischerei Bernhard Tent“ und „Fleischerei Udo Gassner“ sowie die Metzgerei Schneider aus Vöhl mit Lebensmittelspenden an der Aktion beteiligt haben. Ein heimisches Autohaus habe zudem die Spritkosten übernommen – auch die Stadt Korbach habe Unterstützung zugesagt.

Packten bis Sonntagnacht Kisten: Christoph Schneider von der Metzgerei Schneider in Vöhl (links) und Thomas-Ludwig Tent von der Korbacher Fleischerei Ludwig Tent.

Zusammen mit dem befreundeten Marktbeschicker Marco Schneider fuhr Thomas-Ludwig Tent am Montagmorgen zunächst in das Städtchen Adenau, das an einem kleinen Zufluss der Ahr liegt. „Dieser Bach ist bei der Flut von fünf auf 50 Meter Breite angewachsen. Die Bilder im Fernsehen lassen schon erkennen, wie groß das Ausmaß der Katastrophe ist. Vor Ort ist das dann noch einmal etwas ganz anderes. Da ist man nur noch sprachlos“, so Thomas-Ludwig Tent.

Von Adenau ging es anschließend in das vom Hochwasser sehr stark betroffene Dorf Insul, das sich auf beiden Seiten der Ahr erstreckt. Dort wurden die Lebensmittel-Spenden der vier Fleischereien ebenfalls dankbar in Empfang genommen.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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