Wichtiger Faktor für die Inflationsrate

Waldeck-Frankenberg: Energiepreise erreichen wieder Vor-Corona-Niveau

Stromzähler, Energiepreise, Symbolbild
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Die Preise für Gas, Öl und Heizöl erreichten im Oktober 2021 ihre diesjährigen Höchststände nach dem coronabedingten Preisverfall in 2020. Nun hat sich das Preisniveau an den Börsen wieder etwas entspannt.

Von Mai bis Dezember stiegen die Energiepreise bei Öl, Gas und Kraftstoffen. Sie gelten als wichtiger Faktor für die Inflationsrate und sind hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise.

Waldeck-Frankenberg - In der Folge stiegen die Verbraucherpreise – rund 5,2 Prozent gegenüber November 2020, schätzt das statistische Bundesamt. Seit Anfang Dezember gaben Erdgas, Kraftstoffe und Heizöl an den Börsen wieder preislich nach.

Bei der Suche nach den Gründen für die Preisanstiege gibt es viele Faktoren. Die Erdgasbranche hatte im vergangenen Sommer noch mit sinkenden Preisen gerechnet und die Gasspeicher weniger als üblich gefüllt. Das rächte sich für die Versorgungsunternehmen, die nicht langfristig planen, sondern sich kurzfristig an den Märkten einkaufen. „Für einige wurde es zu teuer und sie mussten aufgeben“, berichtet der Bereichsleiter bei der Energie-Waldeck-Frankenberg (EWF), Stefan Kieweg.

Der heimische Energieversorger sei Dank seiner mindestens dreijährigen Vorausplanung besser aufgestellt. Er könne den bisherigen Erdgaspreis aber auch nicht halten. Zum 1. Januar 2022 erhöht die EWF die Gaspreise. Entsprechende Informationen sind an die Kunden Mitte November versendet worden. Der gestiegene Beschaffungspreis und die CO2-Bepreisung werden dabei als ausschlaggebend genannt.

Durchschnittlich müssen die EWF-Kunden mit einer 15-prozentigen Preiserhöhung rechnen. Wie sich der Gasmarkt entwickeln wird, vermag niemand abzuschätzen. Wahrscheinlich sind aber Preisanstiege.

„Politisch gewollt ist der steigende CO2-Preis von aktuell 25 auf 30 Euro pro Tonne im kommenden Jahr“, so Kieweg. Danach solle der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 steigen. 2026 soll ein Preiskorridor von 55 und 65 Euro gelten, so der Plan der Bundesregierung.

Dass der Erdgaspreis auch anders kann, zeigte sich Anfang des Monats. Mit 4,24 US-Dollar an der Börse (Stand: 3. Dezember) lag er zwar noch um 73,4 Prozent höher als zu Jahresbeginn, war aber etwa ein Drittel günstiger als bei seinem Höchststand von 6,31 USD am 5. Oktober 2021. Vor Weihnachten pendelte sich der Erdgaspreis knapp unter 4 USD ein.

Auch wirtschaftspolitische Gründe drehen an der Verfügbarkeit und somit an den Energiepreisschrauben. Zwar liefert Russland sein Gas, wie vertraglich vereinbart. Allerdings fiel jüngst eine außerplanmäßige Zusatzlieferung knapper aus als zunächst angekündigt. Der globale Strommarkt gilt als ein weiterer Preistreiber für den Gasmarkt. Gas- und Kohlekraftwerke müssen den Bedarf an elektrischer Energie abdecken, wenn Alternativen fehlen, wie bei den Windflauten Anfang des Jahres. Dass Energiegroßabnehmer China im Streit mit Australien dessen Kohlelieferungen durch Strafzölle einschränkt und gleichzeitig mehr Energie verbraucht, verstärkt dabei den Effekt.

Für Deutschland, das kaum über eigene Gasvorkommen verfügt, muss Erdgas zu mehr als 90 Prozent im Ausland gekauft werden. Die Fertigstellung der Pipeline „Nord Stream 2“ hat bislang nicht für eine Abwärtsbewegung gesorgt, da erste Lieferungen durch diese Rohrleitungen noch ausstehen.

Die Weltmarktpreise für Öl machten aufgrund der gestiegenen Nachfrage in diesem Jahr ebenfalls wieder einen enormen Sprung. Die Reaktionen an den Börsen haben dabei erheblichen Einfluss. 2020 fielen die Ölpreise in der Coronakrise und erreichten markante Tiefstände, was einen gewissen Nachholbedarf der Ölbranche bei der Preisgestaltung erklärt, insbesondere vor dem Hintergrund einer gleichzeitig wieder anlaufenden Weltwirtschaft.

Ölförderer hielten im Oktober die Fördermenge gewollt unterhalb der erwarteten Nachfrage, was die Preise weiter ansteigen ließ. „Auch der wachsende Bedarf in den Schwellenländern spielt eine große Rolle“, ergänzte Thomas Grebe, Geschäftsführer der Mineralölfirma und Tankstellenkette Grebe & Sohn aus Korbach dazu im Oktober.

Beim Benzinpreis gehört Deutschland im Vergleich mit zu den teuersten Ländern. CO2-Abgabe, Energiesteuer und Mehrwertsteuer machen je nach Kraftstoffart fast bis zu einem Euro pro Liter aus. Wie beim Heizöl spielt auch noch der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro eine Rolle. Doch sind aktuell die Preise etwas gesunken. Auch wenn 2021 für den ADAC als teuerstes Tankjahr seit 2013 gilt. 2020 war das billigste Tankjahr seit Einführung des E10-Kraftstoffs, wegen der coronabedingt eingeschränkten Mobilität. In Korbach lagen die aufgerundeten Preise an den Tankstellen am 3. Dezember 2021, zwischen 10.16 und 10.19 Uhr laut eines Vergleichsportals für Super zwischen 1,65 und 1,67 Euro. E 10 kostete je nach Tankstelle zwischen 1,59 und 1,61 Euro und beim Diesel waren es zwischen 1,48 bis 1,50 Euro.

Am 22. Dezember, 11.05 Uhr, kostete Super demnach zwischen 1,61 und 1,62 Euro. E 10 war je nach Tankstelle für 1,55 oder 1,56 Euro erhältlich und Diesel kostete zwischen 1,46 bis 1,47 Euro.

Auch der Heizölpreis ist aktuell wieder auf dem Niveau vor Corona angelangt. Auf den Preis wirken diverse Faktoren ein. Neben dem Rohölpreis spielen Lieferzeiten, Zahlungsbedingungen, Serviceangebote und besondere Begebenheiten vor Ort eine Rolle.

Der Heizölpreis lag am 3. Dezember bei 2,14 USD gegenüber 2,60 USD im Oktober 2021. Bis Weihnachten pendelte der Preis zwischen 2,20 und 2,30 Dollar. Foto: pr

Von Marcus Althaus

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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