Hessischer Ministerpräsident kündigt Options-Modell an

Waldeck-Frankenberger Gastronomie sieht Vor- und Nachteile: Geteiltes Echo zu 2G-Modell

Ein Zettel in einem Fenster weist darauf hin, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt haben
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Das mögliche 2G-Modell stößt bei den Mitgliedern des Waldeck-Frankenberger Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) auf ein geteiltes Echo.  (Symbolfoto)

Das Glas Bier oder der Haarschnitt nur noch für Geimpfte und Genesene? Das sogenannte 2G-Modell polarisiert auch in Waldeck-Frankenberg.

Waldeck-Frankenberg – Ministerpräsident Volker Bouffier hat Gastronomen Lockerungen in Aussicht gestellt, sollten sie sich für das 2G-Modell entscheiden und nur geimpfte und genesene Gäste annehmen. Dasselbe gilt für Veranstalter und Friseure. Auch sie könnten künftig selbst entscheiden, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind.

Das mögliche 2G-Modell stößt bei den Mitgliedern des Waldeck-Frankenberger Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) auf ein geteiltes Echo. Vorsitzender Christian Gerlach erklärte, dass es sich von Betrieb zu Betrieb unterscheide, wie attraktiv diese Option sei. Wenn damit Erleichterungen bei Abstandsregeln und Maskenpflicht einhergingen, sei es für Kneipen und Diskos sicher interessant.

„Wenn aber eine Gruppe von vier Personen in ein Restaurant kommt, und eine ist eine Schwangere, die nicht geimpft werden kann, will die doch niemand heimschicken“, erläuterte Gerlach: Restaurants würden tendenziell eher bei der 3G-Regel bleiben und auch getestete Personen einlassen. Seine Hotelgäste im Flair-Hotel Werbetal seien zu 95 Prozent geimpft, wegen des hoteleigenen Restaurants sei hingegen die 3G-Regel die bessere Lösung für ihn.

Das 2G-Modell

Das 2G-Modell sieht vor, dass Gastronomen, Friseure und andere Unternehmer sich freiwillig dafür entscheiden können, nur noch Genesene und Geimpfte einzulassen. Im Gegenzug werden sie von Corona-Einschränkungen befreit. In Hamburg gelten beispielsweise keine Abstandsregeln mehr, die Maskenpflicht in Innenräumen ist aufgehoben. Das hessische Corona-Kabinett wird voraussichtlich Anfang kommender Woche über ein 2G-Modell beraten.

Gerlach verweist auf eine Umfrage des hessischen Dehoga unter Gastronomen: Wenn es Erleichterungen gibt, können sich 40 Prozent die Einführung des 2G-Modells vorstellen, 38 Prozent nicht, der Rest überlegt noch. Ohne Erleichterungen zieht nicht mal jeder vierte Befragte 2G überhaupt in Erwägung. Wie genau die Erleichterungen aussehen würden, sei derweil noch gar nicht klar umrissen, gibt Gerlach zu bedenken.

Gäbe es im 2G-Modell Ausnahmen für Kinder, Schwangere und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, steige die Attraktivität immens, so der Dehoga-Kreisvorsitzende. 2G mache zudem die aufwändige Kontrolle von unterschiedlichsten Testergebnissen überflüssig und sei so eine Erleichterung.

„Wir entscheiden uns weiterhin für 3G“, sagt Deniz Korkutata, einer der beiden Geschäftsführer des Frankenberger Restaurants Bellavista. „Bei 2G würden wir vor allem die Jugendlichen ausschließen“, sagt Korkutata. „Die älteren Kunden sind ja fast alle geimpft.“

Im Bellavista müssen Kunden per App oder Impfpass ihren Impfstatus nachweisen oder einen offiziellen Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist. Die Kontaktverfolgung wird laut Korkutata mit Zetteln sichergestellt, auf denen die Kunden Name, Adresse und Telefonnummer sowie die Zeit ihres Aufenthalts im Restaurant aufschreiben. Diese Kontaktdaten werden laut Korkutata vier Wochen aufbewahrt.

Wirtschaftliche Gründe

Die Einführung einer 2G-Regel ergebe einfach aus wirtschaftlichen Gründen Sinn, sagt Tanja Nikoleit, seit zehn Jahren Inhaberin des Cafés „Prinzess Emma“ in Bad Arolsen. Die Regel helfe dabei, die Pandemie zu bekämpfen. Es könne nicht sein, dass Milliarden an Steuergeldern zur Unterstützung der durch die Corona-Pandemie betroffenen Betriebe ausgegeben werde und der Staat es dann einfach so laufen lasse.

Sie habe sich von den staatlichen Coronahilfen unter anderem zwei Lüftungsgeräte gekauft, mit Genehmigung der Stadt habe sie im vorigen Herbst ein großes Zelt mit Heizmöglichkeiten vor dem Café aufgebaut, doch insgesamt neun Monate sei das Café geschlossen gewesen.

Sie kenne Menschen, die darunter lange gelitten hätten, dass auch fitte Menschen in ihrem Umfeld an Covid-19 gestorben seien. Sie und die meisten Mitarbeiterinnen seien vollständig geimpft, die letzte Kollegin habe inzwischen auch die erste Spritze bekommen. Bei allen Bedenken müsse doch klar sein, dass es um die Gemeinschaft gehe. Sie rechne indessen auch damit, dass nach Einführung der 2G-Regel Gäste wegblieben.

Josef Hofmarcher vom Frankenberger Restaurant „Wieners“ findet die 2G-Regelung gut und will diese in seinem Lokal einführen. „So geht man jeder Diskussion aus dem Weg“, sagt der Gastronom. Bislang werde bei ihm jeder Gast beim Betreten des Restaurants kontrolliert, ob er geimpft oder genesen ist oder einen negativen PCR-Test oder Schnelltest vorweisen kann.

Ein Schnelltest könne auch unter Aufsicht vor Ort gemacht werden. „In der Vergangenheit bis dato, hatten wir überhaupt keine Beanstandungen oder Diskussionen mit unseren Gästen. Alle hatten vollstes Verständnis für die Befragung und das Einloggen in der Luca-App oder das schriftliche ausfüllen der Kontaktdaten“, berichtet Hofmarcher.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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