1. Startseite
  2. Waldeckische Landeszeitung
  3. Lokalsport

Revival der „Riege Null“ Krönung einer kurzweiligen 100-Jahr-Feier des Turngaus

Erstellt:

Von: Dirk Schäfer

Kommentare

Da ist sie wieder: Die „Riege Null“ kehrte zur 100-Jahrfeier des Turngau Waldeck als Überraschung mit neuen „Vorturnern“ auf die Bühne zurück.
Da ist sie wieder: Die „Riege Null“ kehrte zur 100-Jahrfeier des Turngau Waldeck als Überraschung mit neuen „Vorturnern“ auf die Bühne zurück. © Dirk Schäfer

100 Jahre Turngau Waldeck: Die Feier zu diesem runden Geburtstag war beileibe nicht so alt und verstaubt wie das Geburtstagskind auf dem Papier.

Sollte einer der Gäste vom delikaten Buffet und den folgenden Rückblicks- und Dankesworten der Redner schläfrig geworden sein im Bürgerhaus Waldeck, so war er spätestens wieder wach, als junge Damen zu flotten Rhythmen Richtung Hallendecke flogen; allerspätestens, als eine Horde Turnkadetten in Reih´ und Glied vors Publikum trat und der „Kommandeur“ die Worte erschallen ließ: „Riege null – an die Krüge vortreten.“

Die Tanzeinlagen der Golden Sparks – Cheerleader aus den Reihen des TSV Korbach – und die Wiedergeburt der Riege Null waren nur zwei Beispiele dafür, wie gut die sehr gut vorbereitete Feier zum 100-jährigen Bestehen des Turngau Waldeck das Wirken der Turnfamilie widerspiegelte: was sie im Laufe eines Jahrhunderts aus- und großmachte; wie sie die nächsten 100 Jahre prägen will.

Zum 100. Geburtstag: Helmut Reith, Vizepräsident des Hessischen Turnverbandes, überreichte Turngau-Vorsitzender Dörte Fabry die Franz-Wilhelm-Beck-Ehrenurkunde.
Zum 100. Geburtstag: Helmut Reith, Vizepräsident des Hessischen Turnverbandes, überreichte Turngau-Vorsitzender Dörte Fabry die Franz-Wilhelm-Beck-Ehrenurkunde. © Dirk Schäfer

Freilich war die Freude im Saal groß und Burckhard Höhle die Überraschung bestens gelungen, als die ebenso ulkige wie sportlich geübte Showtruppe gegen Ende der Feier ihren Auftritt hatte. Die „Riege Null“ hatte schließlich 40 Jahre lang, bis 2010, den Turngau mit Auftritten auch außerhalb des Landkreises bekannt gemacht und war nahezu allen Jubiläumsgästen noch in bester Erinnerung. Und Höhle, viele Jahre Kommandeur und Mit-Ideengeber der Riege Null, mittlerweile Vorsitzender des Turngau-Fördervereins, darf hoffen, dass die vorwiegend jungen Riegenmitglieder regelmäßig weiter trainieren und Gefallen finden an den spaßigen Showeinlagen.

Höhles Tochter Inga gab diesmal den Hauptmann der Truppe, die sich aus Turnerinnen des VfL Adorf und des TV Germania Rhoden zusammensetzte und von drei jungen Männern der Parkoursgruppe des TSV Korbach unterstützt wurde, deren Salti besonders viel Applaus kassierten.

Turngau Waldeck: Videos stellen Macher und Gemachtes vor

Den kassierte auch aber das gesamte Vorstandsteam immer wieder im Verlauf seiner ersten ganz großen Veranstaltung. Vorsitzende Dörte Fabry und Geschäftsführerin Anna-Lena Hennecke stellten sich mit Fotos aus dem Familienalbum vor, um zu sagen: Wir gehören eigentlich schon immer zum Turngau dazu. Ein Teil des 2019 gewählten Vorstandsteams kenne sich schon lange, von Trainingswochenende und Übungsleiter-Ausbildungen, sagte Hennecke. Im Angesicht der Führungskrise 2019 schien es für die Folgegeneration klar zu sein, sich nicht verstecken zu wollen, wie Fabry mit Blick auf die Wahlen beim außerordentlichen Gauturntag verdeutlichte: „Wir wollten das Turnen in Waldeck nicht im Stich lassen.“

Und seitdem hat der neue Vorstand schon einiges auf den Weg gebracht, wovon sich die Gäste in der Folge überzeugen konnten. Mit vielen selbstgedrehten Filmchen nutzt er auch neue Medien, um die Arbeit zu dokumentieren. So gab es am Freitag ein Video, in dem alle Vorstandsmitglieder ihre Beweggründe und Ziele näher brachten. Es wurde deutlich: Im weiblichen Vorstand ist schon viel mehr passiert als drei Hochzeiten und fünf Babys.

Die neue Turngruppe des TSV Eintracht Waldeck eröffnete das Programm im Bürgerhaus.
Die neue Kinder-Turngruppe des TSV Eintracht Waldeck eröffnete das Programm im Bürgerhaus. © Dirk Schäfer

Unter anderem stellte Birgit Kleinschmidt als Paradebeispiele für die ideenreiche (Jugend-)Arbeit die noch jungen Projekte „Bewegte Minute“ und Fitnesstest für Kinder“ vor, das auch in Pandemiezeiten Familien zum Sporteln animiert und die auch beim Deutschen Turnerbund sowie bei HR-Moderator Tobi Kämmerer für Aufsehen sorgten.

Auch die Ehrengäste würdigten nicht nur das jahrzehntelange Wirken des Turngaus, sondern auch die jugendliche Entschlossenheit, mit der der neue Vorstand ans Werk geht.

Ehrengäste loben Vorstandsteam des Turngau

Sportkreis-Vorsitzender Uwe Steuber erinnert sich unter anderem an den rechtzeitigen Reifenwechsel bis zum Buß- und Bettag – da fanden früher immer die Gauturntage statt. Steuber, der auch als Vizepräsident des Landessportbundes Grüße überbrachte, hatte eine ganz aktuelle, erfreulich Kunde: Beim gerade beschlossenen ABwehrschirm der Bundesregierung seien auch Vereine mit eingeschlossen. „Es gibt ein Förderprogramm, und das ist wichtig“; so Steuber. „Bei Belastungen durch steigende Energiepreise muss Vereinen geholfen werden.“

Karl-Friedrichs Kubat gratulierte im Namen der Laufcup-Vereine und bot dem Turngau die Zusammenarbeit an; etwa Unterstützung bei Wettkämpfen. Grußworte sprachen auch Waldecks Stadtrat Bruno Arlt und Landkreis-Dezernentin Hannelore Behle, die in Vertretung des wegen eines Paralleltermins verhinderten Landrats Jürgen van der Horst in Waldeck war.

HTV strebt regionale Stärkung an

Helmut Reith gab sich nach der jüngsten Entwicklung in Waldeck optimistisch: Er sei überzeugt, dass der Turngau gestärkt aus der Krise von 2019 herausgegangen sei und hoffe, dass die Euphorie bis zum nächsten Jubiläum in 25 Jahren anhält, sagte der Vizepräsident des Hessischen Turnverbandes (HTV) bei der 100-Jahr-Feier in Waldeck.

Rückenwind bei seiner Ansicht geben ihm wohl auch die guten Mitgliederzahlen; dort sei eine sehr starke Rückgewinnung zu verzeichnen. „Wir werden bald wieder mehr Mitglieder als vor Corona haben.“ Reith verschloss aber nicht den Blick für dei Probleme: „Doch was ist, wenn es kaum noch Angebote, etwa für die wichtigen Gesellschaftsgruppen der Kinder und Senioren gibt, weil Kampfrichter fehlen oder der Vorstand nur aus einer Notbesetzung besteht?“
Der HTV versuche mit einem Regionalkonzept gegen solche Mängel anzugehen, so Reith. „Es gibt neun Referenten im Verband, die mit den Turngauen zusammenarbeiten und zur Handlungsfähigkeit von Vereinen beitragen sollen.“

Besonders begrüßt wurde auch Monika Simshäuser als einzige anwesende Vorsitzende der Turngau-Geschichte. Denn die im Laufe des Abends mehrfach gelobte Marianne Becker konnte ausgerechnet zum großen Jubiläum krankheitsbedingt nicht im Kreise der Turnfamilien sein.

Zum Abschluss des Programms blickte Burckhard Höhle kurz, aber anschaulich in die Geschichte des Turngaus, die am 4. April 1922 in Korbach begann. Ausführlich nimmt einen die zum 100. Geburtstag entstandene Festschrift des Turngaus mit in dessen Vergangenheit, das nicht nur für Vereine ein gelungenes Lese- und Nachschlagewerk ist. (Dirk Schäfer)

Auch interessant

Kommentare