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66,67 Meter - Wildunger Marius Karges verbessert 13 Jahre alten deutschem U20-Rekord im Diskuswurf

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Metermacher: Marius Karges hat an Kraft und Gewicht zugelegt und das bringt mehr Weite. Der Wildunger erzielte mit dem Diskus einen deutschen U20-Rekord.
Metermacher: Marius Karges hat an Kraft und Gewicht zugelegt und das bringt mehr Weite. Der Wildunger erzielte mit dem Diskus einen deutschen U20-Rekord. © pr

Was gibt es Schöneres als sich selbst positiv zu überraschen. Marius Karges aus Bad Wildungen stand beim Werfertag in Halle staunend neben sich.

Bad Wildungen – Der Grund: Nachdem er den Diskus mit 66,97 Meter nicht nur so weit geworfen hatte wie noch nie zuvor in seinem 19 Jahre alten Leben, sondern diese Weite hat auch noch nie ein deutscher U20-Athlete mit einer 1,75-Kilo-Scheibe erzielt.

Karges überbot den bereits 13 Jahre alten deutschen Rekord von Gordon Wolf um 52 Zentimeter. Er hatte schon damit gerechnet, dass diese Bestmarke in dieser Saison fallen würde, denn seine ärgsten Konkurrenten waren im vergangenen Jahr bereits nah dran gewesen. „Ich habe aber nicht gedacht, dass ich diesen Rekord brechen werde, es war mein erster Wettkampf in dieser Saison“, erzählt Karges, der für Eintracht Frankfurt startet. Ring gut, Wetter gut, Wind gut.

Der 19-Jährige weist auf die optimalen Bedingungen hin, die in Halle seinen Wurf begünstigt haben, vergisst aber bescheiden einen wichtigen Punkt für diesen Rekord: Werfer gut.

Neuer Wurftrainer bringt neue Ideen ein

Karges hat mit Bastian Otto im Winter viel und hart gearbeitet. Er versteht sich gut mit dem neuen Wurftrainer, der seit Herbst beim Hessischen Leichtathletikverband arbeitet. Ähnlich wie der Skispringer mag auch der Diskuswerfer den Gegenwind, weil dieser die Scheibe nicht etwa bremst, sondern trägt. „Der heftige Gegenwind in Halle war für mich am besten, weil ich flacher werfe als viele andere und der Diskus dadurch noch mehr Zug nach vorn bekam“, erzählt der Wildunger.

Der Rekord ist schon eine frühe Belohnung für die Wintertrainingstage, in denen er deutlich härter trainiert hat als jemals zuvor. „Meine beiden Hauptkonkurrenten in Deutschland hatten einen ziemlich großen Leistungsvorsprung und ich habe mir gesagt, wenn ich im Sommer eine Chance gegen sie haben will, darf ich im Winter null Kompromisse machen.“

Ein Schwerpunkt lag dabei im Kraftbereich. Karges hat sein dem Herbst rund 15 Kilogramm an Körpergewicht zugelegt. Hinzu kam ein Krafttraining alter Schule, das ohne Maschinen auskommt. Es basiert auf Grundkraftübungen und dem Gewichtheben, Reißen, Stoßen, Kniebeugen, Kreuzheben. Die Schnellkraft wird hier trainiert und Beweglichkeit dafür benötigt. Der neue Trainer Otto konnte hier Akzente setzen, denn er hat Erfahrungen im Rudern und Gewichtheben.

Für jede Bewegung ein Körpergefühl entwickeln

Körperliche Veränderungen, die sich so schnell ereignen, sind manchmal nicht leicht zu ertragen. Aber damit hat der 19-Jährige keine Probleme: „Mir gefällt mein Körper so wie er jetzt ist, aber darüber habe ich vorher auch nicht nachgedacht.“ Ihm gehe es darum, dass seine Leistung stimme, deshalb sei all das andere den sportlichen Zielen untergeordnet.

„Ich mache kein Krafttraining, damit ich gut aussehe, aber natürlich muss man sich in seinem Körper noch wohlfühlen, sonst ist auch keine sportliche Leistung möglich.“ Seine beiden Konkurrenten seien im vergangenen Jahr deutlich schwerer als er gewesen.

Karges ist mittlerweile mit seinen 19 Jahren schon ein gut ausgereifter Diskuswerfer. Technisch geht es nur noch um Details, aber diese Millimeterarbeit ist auch am schwierigsten im Ring umzusetzen. Und wie übt man das? „Werfen, werfen, werfen“, antwortet der Wildunger. Es gibt auch Standwürfe oder Würfe mit einer halbe Drehung oder Bewegungsabläufe vor dem Spiegel ohne Diskus. „Es ist wichtig, dass man für jede kleine Bewegung ein Körpergefühl entwickelt.“

Karges bezweifelte vor einigen Jahren noch, dass er einer der besten Diskuswerfer Deutschlands werden könnte. Mittlerweile glaubt er daran. „Ich habe eine Entwicklung genommen, die hätte ich vor einigen Jahren so nicht erwartet. Die Weiten, die ich jetzt erziele, kann ich auch mit dem Zwei-Kilo-Diskus werfen.“ Er weiß schon jetzt dass er im nächsten Jahr in den Bundeskader der Männer aufgenommen wird. „Damit wären auch die Voraussetzungen erfüllt, Profi zu werden.“ Sein Hauptziel in diesem Jahr ist die Teilnahme an der U20-WM in Cali (Kolumbien) im August.

Und jetzt mal Hand aufs Herz, Herr Karges, klingen 67 Meter nicht viel besser als 66.97? Ärgern die fehlenden drei Zentimeter nicht ein wenig? „Nein eigentlich nicht, denn in dem Moment war mir das total egal.“ Recht hat er, denn es geht auch nicht um drei Zentimeter mehr oder weniger. Karges hat mit dieser Weite einen ganz anderen Gedanken: Mit diesem Wurf ist er in der Weitenliga der Männer angekommen. (rsm)

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