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Auch ein Sechskampf hätte zum Titel gereicht: Tatjana Schilling überlegene Weltmeisterin

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Flagge in Finnland gezeigt: Tatjana Schillinge (TSV Korbach) wurde Weltmeisterin im Siebenkampf in der Altersklasse W50. Sie steht hier bei der Siegerehrung mit der Australierin Lenorë Lambert (links) und der Britin Jennifer O’Connor (rechts).
Flagge in Finnland gezeigt: Tatjana Schillinge (TSV Korbach) wurde Weltmeisterin im Siebenkampf in der Altersklasse W50. Sie steht hier bei der Siegerehrung mit der Australierin Lenorë Lambert (links) und der Britin Jennifer O’Connor (rechts). © pr

Alle Zweifel sind der Goldmedaille gewichen. Tatjana Schilling vom TSV Korbach hat es wieder einmal geschafft. Sie ist erneut Weltmeisterin im Siebenkampf, diesmal in der Altersklasse W50.

Korbach/Tampere – Das sie diesen Titel holt, daran hätte die Lelbacherin in der ersten Jahreshälfte noch nicht gedacht, die durch Verletzungen gekennzeichnet war. Die 51-Jährige ließ ihren Konkurrentinnen bei der Senioren-WM im finnischen Tampere aber auch wenig Chancen, ihr die goldene Plakette wegzuschnappen.

Bereits nach dem ersten Tag führte Schilling mit 400 Punkten Vorsprung, aber gestern war für ihre Konkurrentinnen durchaus die Möglichkeit da, näher an sie heranzukommen. Denn der Weitsprung klappte nicht so wie geplant. Der erste Versuch war ungültig, der zweite ein Sicherheitssprung auf 4,86 Meter und der letzte sollte über fünf Meter gehen, , aber bei diesem Satz trat eine Fußspitze über.

Guter Speerwurf entschädigt für kurzen Weitsprung

„Diese geringe Weite hat mich schon etwas rausgehauen, ich war so enttäuscht von mir“, sagte Schilling. Doch die Lelbacherin weiß mittlerweile, wie sie mit Enttäuschungen umgehen muss und sie suchte die positive Seite des Weitsprungs und sagte zu sich selbst, diese Disziplin hätte auch mit null Punkten ausgehen können. Dann ging es hinüber zum Speerwerfen und dort war die geringe Weitsprungweite schnell vergessen.

Schillings Ziel, ein Wurf über die 30-Meter-Marke war gleich im ersten Versuch erreicht. Der Speer landete bei 32.20 Meter. Danach sei bei ihr schon die Luft raus gewesen, erzählt die 51-Jährige.

Überhaupt war Asthma bei diesem Wettkampf möglicherweise ihr härtester Gegner. „Ich bekam schlecht Luft, auch beim abschließenden 800-Meter-Lauf.“ Die mutmaßliche Ursache dafür hat sie auch gestern entdeckt. „Rund um das Stadion steht eine Birke nach der anderen.“

Auch dieser gesundheitlichen Schwierigkeit trotzte die Mehrkämpferin vom TSV Korbach erfolgreich, denn sie kam als Zweite über 800 Meter in Ziel, die Uhr blieb bei 2:44 Minuten stehen.

Gefühlsausbruch bei der Siegerehrung

Schilling hat in diesem Moment, Gefühlsausbrüche bei sich vermisst. „Die Lunge hat nur wehgetan und ich konnte keine Freude zeigen, obwohl ich mich total gefreut habe.“ Dieses emotionslose Haltung wich bei ihr schlagartig aus dem Körper als die deutsche Hymne während der Siegerehrung erklang.

„Da habe ich Rotz und Wasser geheult, das ganze Jahr lief in diesem Moment im Schnelldurchlauf an mir vorbei“, erzählt Schilling und da sei ihr wieder klar geworden, dass sich die vielen Anstrengungen und Entbehrungen doch wieder gelohnt hätten.

„Gerade hier, in diesem Umfeld, im Kreise der Athleten bekommt man auch den Respekt und die Bestätigung für das alles, da weiß jeder wovon man spricht.“ Doch die neue und alte Weltmeisterin erhielt von einigen ihrer Konkurrentinnen auch einen klaren Hinweis: Sie möge doch bitte künftig zwei Altersklassen niedriger an den Start gehen. Ihre Überlegenheit sei einfach zu groß.

Konkurrentinnen schieben Frust wegen der Überlegenheit

Und diesen Frust der Konkurrenz kann man verstehen, wenn man auf die Zahlen schaut. Schilling gewann den Wettkampf mit 6245 Punkten und hatte fast 1000 Zähler Vorsprung auf die Australierin Lenorë Lambert (5254) und rund 1700 auf die Britin Jennifer O’Connor (4586). Sie hätte eine Disziplin auslassen können und wäre trotzdem Weltmeisterin geworden. Mit einem besseren Weitsprung wäre auch der Weltrekord in dieser Altersklasse von rund 6400 Punkten möglich gewesen.

Nun will Schilling noch einige Einzelwettkämpfe bei dieser Hitze-WM bestreiten. Kugelstoßen und Weitsprung stehen zunächst noch auf ihrem Programm: „Beim Weitsprung habe ich ja jetzt noch etwas gut zu machen.“

Ob sie auch die Läufe über 200 und 400 Meter noch rennen wird, will sie später entscheiden. Gestern war ihr mehr nach Champagner. (rsm)

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