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Taekwondo: Korbacher Arlind Kabashi nimmt Auszeit mit positivem Effekt

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Zwei  Taekwondo-Kämpfer
Duelle als Familienangelegenheit: Arlind Kabashi (rechts) und sein Bruder Korab pushen sich im Taekwondo gegenseitig zu immer besseren Leistungen. © Worobiow

Wenn ein Kind zum Jugendlichen wird, verliert der Sport die meisten seiner Anhänger. Das war bei Arlind Kabashi nicht anders. Als 14-Jähriger kehrte der Korbacher dem Taekwondo den Rücken.

Korbach – Zuvor stand er bereits neun Jahre für diese Sportart auf der Matte, galt als großes Talent, und hatte schon zahlreiche Erfolge eingefahren. Doch die waren nun nichts mehr wert. „Ich hatte plötzlich keine Motivation mehr“, erzählt Arlind. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Sportflüchtlingen kehrte er nach drei Jahren wieder zu seiner Sportart zurück.

Gut, dass man einen großen Bruder hat, und noch besser, dass der auch ein Taekwondo ist. Korab brauchte eines Tages einen Trainingspartner und er fragte Arlind, ob er mit ihm in die Halle gehe. „Ich ging mit und von da an war ich wieder dabei.“

Trainer Gerd Lange und die Leistungsportgruppe des TSV Korbach nahm Arlind gern wieder auf. Und dieser hatte auch nicht viel verlernt. Eine intensive Vorbereitungsphase reichte für den A-Jugendlichen aus, um im November erneut Hessenmeister zu werden und ein Bundesranglistenturnier zu gewinnen. Das gelang auch seinem Bruder Korab. Beide hatten sich auch gute Chancen auf einen Podestplatz bei der deutschen Meisterschaft ausgerechnet, aber die fielen am Anfang Dezember der vierten Corona-Welle zum Opfer.

Arlind glaubt nicht, dass ihm die vielen gestrichenen Trainingstage durch die Pandemie eines Tages fehlen werden. „Ich denke, dass man das im Training wieder aufholen kann.“

Ein möglicher Gegner auf der Matte könnte im kommenden Jahr auch Bruder Korab sein, denn Arlind wechselt in die Männer-Klasse. Doch der Bruder wird nie ein Gegner oder Konkurrent für Arlind sein. Korab sei für ihn eher ein Trainer, jemand, der in ansporne. „Er kennt die ganzen Tricks und Kombinationen. Wir pushen uns gegenseitig.“

Wohnzimmer wird zur Wettkampfstätte

Das Bruderpaar hatte in Kinderzeiten auch Schwester Aylin mit dem Taekwondo-Virus angesteckt. Die Eltern besitzen keine Kampfsport-Erfahrung, aber sie erfuhren nun, was Vollkontaktsport auch außerhalb der Matte bedeuten kann. Wenn die Kinder das Wohnzimmer zur Wettkampfarena umfunktionierten, ging immer mal wieder etwas zu Bruch. Arlind erinnert sich da einen Stuhl, oder an eine Glastür und auch die Wand in seinem Zimmer habe irgendwann Risse bekommen. Als Gegenleistung, brachten die Kinder immer mehr Pokale als Schmuckstücke mit nach Hause.

Als sich Taekwondo und der fünfjährige Arlind begegneten, war es fast wie Liebe auf den ersten Blick. Er suchte erst gar nicht nach einem sportlichen Ersatz. „Fußball ist einfach nicht meins und Boxen ist fast nur Bewegung mit dem Oberkörper, durch die Kicks (Red.: Fußtritte) ist Taekwondo schneller und spektakulärer.“

Während Fußballer ihren emotionalen Kick erleben, wenn sie den Ball ins Dreieck schießen, steigt in Arlind ein Hochgefühl auf, wenn er einen Drehkick an den Mann bringt - am besten hoch hinaus zum Kopf. Der 17-Jährige bezeichnet sich als einen fleißigen Sportler. Das sei in jüngeren Jahren nicht immer so gewesen, gibt er zu, doch heute gehe er neben den drei Trainingseinheiten pro Woche auch noch joggen und trainiere zu Hause.

Lob für Trainer Gerd Lange

Dass die Lust auf Bewegung bei ihm so groß ist, hat auch etwas mit Trainer Gerd Lange zu tun. Was fällt Arlind als erstes ein, wenn er an seinen Coach denkt? „Er ist hilfsbereit, strahlt Ruhe aus und er ist für mich wie ein Familienmitglied. Außerdem ist er ein guter Trainer, vielleicht sogar der beste, den es gibt.“ Im Gegenzug schraubt Arlind ab und zu am Auto seines Coaches.

Corona verbaut Sportlern gerade wieder ihre Ziele, aber davon lässt sich Arlind nicht von seinem Weg abbringen. Er möchte in die deutsche Spitze kommen und den Weg ins Hessen-Team finden, damit er auch an internationalen Turnieren teilnehmen kann.

Er weiß um seine Stärken, wie etwa Schnelligkeit, Aktionen im Infight, gedankenschnell und strategisch gut agieren und die Distanz zum Gegner gut einschätzen. Verbessern müsse er noch Aktionen mit der linken Körperseite, die sei noch etwas schwächer als die rechte. Wer in die deutschen Spitze möchte, sollte auf beiden Seiten gleich gut sein, betont Arlind, der mit dem blauroten Gürtel noch drei Prüfungen vom Schwarzgurt entfernt ist.

Den sollte er schon besitzen, wenn er mehr erreichen möchte. Denkt er auch an große Turniere, wie etwa eine Europameisterschaft oder gar Olympia? „Solche Träume hat natürlich jeder Sportler“, sagt Arlind. Aber sind sie für ihn auch erreichbar? - „Klar, warum denn nicht.“ (rsm)

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