1. Startseite
  2. Waldeckische Landeszeitung
  3. Lokalsport

Bad Wildunger Diskuswerfer Marius Karges fährt zur U-20-WM

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gerhard Menkel

Kommentare

Nach der Siegerehrung des Diskuswerfens zeigen (von links) Silbermedaillen-Gewinner Marius Karges, Meister Mika Sosna und der Rangdritte Steven Richter ihre Gefühle.
Zwei sind glücklich, einer nicht: Nach der Siegerehrung des Diskuswerfens zeigen (von links) Silbermedaillen-Gewinner Marius Karges, Meister Mika Sosna und der Rangdritte Steven Richter ihre Gefühle. © Ralf Görlich

Am Schluss fehlten Marius Karges nur Zentimeter zum Titel, 81 genau. Doch was zählte für den Diskuswerfer aus Bad Wildungen, war etwas anderes.

Ulm - Der 19 Jahre alte Bad Wildunger wird nach seinem zweiten Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathleten in Ulm zu den Weltmeisterschaften der U20-Junioren in Cali/Kolumbien (1. bis 6. August) fahren. Diesem Ziel hatte er sein ganzes Trainings- und Wettkampf-Tun untergeordnet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nominierte ihn an Ort und Stelle gemeinsam mit Mika Sosna, dem Topfavoriten von der TSG Bergedorf, der Karges am Samstag im letzten Versuch des DM-Wettkampfs den Titel weggeschnappt hatte.

„Klar, es ist schon ärgerlich, wenn du bis zum fünften Versuch führst und dann noch überholt wirst“, sagte Karges. Mit 63,91 Meter hatte der Hüne im schwarzen Dress von Eintracht Frankfurt im zweiten Wurf die Spitze gekapert und im fünften Durchgang noch mal 64,11 Meter nachgelegt. Und doch: Im Endeffekt sei es ihm „fast egal, dass ich den Titel verloren habe, weil es mir zu hundert Prozent um die WM-Teilnahme ging“.

Außerdem habe Mika Sosna, der die Nerven hatte, sich trotz einiger Verletzungsprobleme auf den letzten Drücker mit 64,92 Meter von Platz drei auf eins vorzuwerfen, den Sieg vollkommen verdient. „Ich gönne ihm, dass er in dieser Situation noch so einen guten Wurf herbeizaubern konnte.“ Großer Verlierer war als Dritter mit 63,12 Meter Steven Richter von der LV Erzgebirge. Er muss als Nummer drei der aktuellen Diskus-Weltrangliste der U20 zuhause bleiben, und an dieser dieser Stelle muss man ein wenig zurückblenden.

DM-Dreikampf nach einer Serie von Rekorden

Die deutschen U-20-Diskuswerfer hatten in den Wochen vor Ulm ein faszinierendes Rekordfestival mit dem 1,75 Kilogramm schweren Diskus geboten. Karges hatte es im Mai mit 66,97 Metern eröffnet. Deutscher U-20-Rekord. Mika Sosna konterte mit 67,84 Metern und beförderte dann beim Werfercup in Schönebeck am 11. Juni die Scheibe auf 71,37 Meter – U20-Weltrekord.

Im selben Wettkampf schraubte Karges seine persönliche Bestmarke auf 69,49 Meter. Vor zwei Wochen bei der Junioren-Gala in Mannheim schob sich schließlich Richter mit 67,27 Metern auf Rang drei der Welt nach vorn. Mehr noch: Der Sachse erzeugte Druck auf die beiden führenden Junioren, sich ihrer WM-Sache ja nicht zu sicher zu sein.

Marius Karges beim Diskuswettkampf
Dreht sich für DM-Silber und die WM-Nominierung: Marius Karges im „Käfig“ von Ulm. © Ralf Görlitz

Richter selbst kämpfte doppelt um Cali. Er war am Freitagabend im Kugelstoßen unter den Augen seiner Diskuskonkurrenten zwar Zweiter geworden, was eigentlich die WM-Nominierung bedeutet hätte. Der derzeit stärkste deutsche U20-Stoßer Tizian Lauria (VfL Sindelfingen) war aufgrund einer verspäteten Meldung im Callroom (er hatte im Stau gestanden) jedoch nur außerhalb der Wertung gestartet.

Richter suchte folglich seine letzte Chance mit dem Diskus. „Wir mussten also abliefern“, sagte Karges über sich und Sosna. Dass er lieferte, war ihm vor kurzer Zeit alles andere als selbstverständlich erschienen.

Als es darauf ankommt, bleibt Karges cool

Nach Schönebeck sei er in eine mentale Krise geraten, erzählte Karges. „Es lief überhaupt nicht, ich hatte einen Absturz.“ Mäßige Wettkämpfe und im Training kaum ein Wurf, wie er sein sollte, erzeugten gelinde Verunsicherung. Nicht lange. Der Oberschüler fing sich rechtzeitig vor den Meisterschaften. „Ich habe wieder Ordung in meinen Kopf gekriegt“, so drückte er es aus.

In Ulm sei es ihm dann gelungen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Aufregung? Kaum eine Spur. „Ich hatte die Entschlossenheit, mir die WM nicht mehr wegnehmen zu lassen, nachdem ich in den letzten Monaten gezeigt habe, dass ich es eindeutig verdient hatte.“

In Cali ist der Bad Wildunger ein Medaillenkandidat

Trotz der Silbermedaille in der Tasche und dem sicheren Startplatz bei den Weltmeisterschaften – gefeiert hat Marius Karges am Samstag kein bisschen. Nach dem Abendessen ging er ins Hotel und legte sich bald schlafen. „Ich war vom Körper und vom Kopf her einfach platt“, sagte er. Und: „Es ist einfach viel, was in dieser Saison passiert ist.“

Karges, der sein sehr besonderes Jahr als deutscher Winterwurf-Meister seiner Altersklasse begann, wird seine rasante Entwicklung wohl erst nach den Titelkämpfen in Kolumbien begreifen. Und bei der WM hat er ja noch was vor: Er kann eine Medaille gewinnen. Kühn ist diese Prognose nicht.

Der 19-Jährige, der in Frankfurt trainiert und zur Schule geht. ist hinter Mika Sosna aktuell die Nummer zwei der Weltrangliste. Auf Position drei rangiert in Steven Richter ein weiterer Deutscher – und erst mehr als vier Meter dahinter folgt die internationale Konkurrenz. „Es war quasi ein Vor-WM-Finale hier in Ulm“, sagte Karges.

Er bleibt dennoch für Cali vorsichtig. „Wenn ich mich da gut anstelle, dann ist auf jeden Fall eine sehr gute Platzierung möglich.“ Sein erstes Vorhaben: Die Qualifikation am Freitag, 5. August, zu überstehen, das Finale am Tag darauf zu erreichen, um dann sein Leistungsvermögen abzurufen. „Ich hoffe, dass es einfach ein kleiner Zweikampf zwischen Mika und mir wird – wie in Ulm und den ganzen Wettkämpfen zuletzt.“

Vor den Titelkämpfen ein Trainingslager in Florida

Am kommenden Freitag bricht das Aufgebot des DLV zur WM-Vorbereitung auf, ein Trainingslager in Florida. Bis dahin ist ein Ruhetag angesagt, dann drei, vier Tage trainieren. Von der Schule hat sich Marius Karges wegen seines ersten internationalen Wettkampfs befreien lassen. „Ich konzentriere mich voll auf die WM“, sagte er. Zu tun gibt es. Er sei noch nicht ganz da, wo er sein wolle.

Zwar warf der 19-Jährige in Ulm konstant gut, merkte aber „Es hat immer ein bisschen gefehlt. Ich habe keinen Wurf so richtig getroffen, alle waren ein bisschen aufgestellt.“ Weg sind aber die Zweifel, die ihn noch vor kurzer Zeit begleiteten. Marius Karges kann in Cali Großes schaffen. So wie Carolin Schäfer, die Vereinskollegin, auch sie aus Bad Wildungen. 2008 wurde sie Juniorenweltmeisterin im Siebenkampf. (mn)

Auch interessant

Kommentare