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Willinger Bike-Festival: Ein besiegter Weltmeister und 313 Meister von morgen

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Von: Dirk Schäfer

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Volle Konzentration: Die Willingerin Tilda Gerstengarbe (166) und Edda Hofmann aus Korbach (169) warten gespannt auf den Startschuss.
Volle Konzentration: Die Willingerin Tilda Gerstengarbe (166) und Edda Hofmann aus Korbach (169) warten gespannt auf den Startschuss. © frg

Drei Tage lang war der Ettelsberg das Radsport-Mekka. Rund 35.000 Besucher (laut Polizeiangaben) und 3000 aktive Teilnehmer sorgten für volle Hütte beim Bike-Festival – und für ein positives Fazit.

Für manche mit Pokal, für manche mit Schrammen und dreckigen Klamotten, aber für viele mit strahlenden Gesichtern und neuen Erfahrungen – so ist das Bike-Festival am Ettelsberg am Sonntag zu Ende gegangen. Bei der Mischung aus Messe, Leistungs- und Breitensport stand sportlich neben den Downhill-Rennen und der deutschen Enduro-Meisterschaft der Bike-Marathon im Fokus, zumal es auch heimische Starter gab.

Schwer war es auf allen drei Distanzen. Denn neben den Anstiegen hatte auch das Wetter sein möglichstes getan: Böiger Wind, kalter Morgen, Anfangs Nieselregen. Und der Regen der Vortage hatte einzelne Streckenpassagen teils unberechenbar matschig gemacht.

Die Langstrecke beim Bike-Festival: Altmeister vor Weltmeister

„Es geht ständig hoch und runter. Da gibt es keine Passage zum Erholen. Ich wusste, wenn ich loslege, dann richtig“, sagte Urs Huber im Zielraum. Der Altmeister aus der Schweiz, schon 2008 WM-Bronzemedaillengewinner – fuhr zunächst eine defensive Taktik. Erst auf der letzten Runde habe er gespürt, dass er mehr drauf habe als die Konkurrenz. Eine kraftvolle Attacke reichte dem 37-Jährigen, um sich von den allen abzusetzen. Hubers Zeit: 5:05,26 Stunden.

Nach 119 Kilometern auf drei Runden über die Dörfer rund um Willingen und zahlreiche kleine Anstiege hoch betrug Hubers Vorsprung auf Andreas Seewald 1:07 Minuten. Der Bayer, 2021 erster deutscher Marathon-Weltmeister geworden, hatte am längsten mit Huber mitgehalten, musste sich aber eingestehen, dass er nicht den allerbesten Tag hatte.

Durstig und dreckig: Langstreckensieger Urs Huber aus der Schweiz hatte Respekt vor der Strecke.
Durstig und dreckig: Langstreckensieger Urs Huber aus der Schweiz hatte Respekt vor der 119km-Strecke. © schä

Willingen stellte für die beiden Besten eine gute Generalprobe für den nächsten Wettkampf dar: das Rennen der World Series in Polen Anfang Juni. Dorthin will auch Adrian Horchler aus Ottlar. Der in Freiburg lebende Diemelseer hatte sich vorgenommen, mit den Spitzenfahrer möglichst mitzugehen und einen einstelligen Platz zu holen. Dass daraus nichts wurde, war aber schon nach wenigen Sekunden besiegelt. „Ich starte, mache eine Umdrehung, da reißt mir die Kette“, berichtete der Pechvogel.

In der ersten Kurve konnte Horchler den Schaden reparieren, aber an die Top ten war nicht mehr zu denken, zumal er beim Klettern auf den hohen Eimberg „gefühlt 400 Fahrer überholen musste“. Es staute sich bis zum Diemelsee, erst danach konnte der 25-Jährige sein eigenes Rennen fahren. „Der Regen hat es rutschig gemacht, aber coole Strecke.“ Platz 13 in 5:37,28 Stunden standen für Horchler im Ziel zu Buche.

Unter den besten 20 landete in Andreas Kramer auch ein zweiter Waldecker Fahrer, auf Platz 19 (6:07,59). Bester Fahrer aus dem Landkreis war als Zehnter der Löhlbacher Aaron Wilhelmi, der für MT Melsungen startet.

Kramer schilderte seine Eindrücke von der schweren Strecke: „An bestimmten Stellen, an denen es etwas technischer wurde, hat sich das besonders bemerkbar gemacht. Im richtig tiefen Matsch muss man sehr aufpassen, zumal man hinten raus müde wird, weil man Hindernisse wie Wurzeln gar nicht richtig sehen kann.“

Bergauf durch Titmaringhausen: Mathias Göbel (Rattlar) wurde Neunter auf der Mittelstrecke.
Bergauf durch Titmaringhausen: Mathias Göbel (Rattlar) wurde Neunter auf der Mittelstrecke. © frg

Das Rutschige und andere Tücken machten einigen zu schaffen. Beispiel: Peter Hermann. Der Willingen-Sieger früherer Jahre und Mitfavorit, gab schon auf der ersten Runde auf, nachdem er sich einen Plattfuß eingehandelt hatte.

Sechs Frauen trauten sich an die 119 Kilometer. Mittendrin Friderike Schnatz vom Radwerk Upland. In 7:15,16 Stunden (Rückstand 23:47) wurde die Bikerin aus Dorfitter Vierte; sie fuhr die zweitschnelleste Schlussrunde, machte aber den auf der zweiten Runde eingehandelten Rückstand auf die Zweit- und Drittplatzierte nicht mehr wett.

Mathias Göbel packt die Top ten, Tino Wiegelmann Zweiter

„Ich habe eine gute Drei-Mann-Gruppe erwischt, die Jungs haben mich gut gezogen. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass ich soweit vorne lande“, sagte Mathias Göbel (Radwerk), der es als Neunter in die Top ten über die 88 Kilometer schaffte. Auf der Mitteldistanz kamen 238 Fahrer ins Ziel, merh als 60 gaben auf. Der 31-Jährige aus Rattlar lag in 4:24,11 Stunden rund 13 Minuten hinter dem Sieger, Alexander Koch (Sauerland MTB Racing). Der schlug im Zielsprint Sven Pieper (Gütersloh).

Ein toller dritter Rang unter 43 Frauen für Annika Hartmann war das herausragende heimische Resultat über die 53 Kilometer-Runde. Die 25-Jährige von den Trianhas des VfL Bad Arolsen benötigte für die Kurzstrecke 3:12,44 Stunden.

Bike-Festival Willingen: Termin für 2023 steht

39 Kilometer hatten der U17/U19-Nachwuchs zu bewältigen. Tino Wiegelmann vom Radwerk Upland machte das blendend: Der Olsberger wurde in 2:07,27 Zweiter. Ein gutes Rennen lieferten bei den Frauen auf der Kurzstrecke auch die Korbacherinnen Nelia Fuchs (9.) und Louise Hilberath (22.) ab.

Auf allen Distanzen gab es eine Reihe gemeldeter Fahrer, die nicht an den Start gingen. Insgesamt lag die Teilnehmerzahl mit knapp 900 um einiges unter denen der vergangenen Jahre. „Wir erklären uns diese niedrigeren Zahlen mit den Unwetterwarnungen, die mit Sicherheit einige Sportler und Zuschauer verunsichert haben. Am Sonntag, an dem das Wetter besser war, waren die Zuschauer- und Teilnehmerquoten wesentlich besser. Andere Wettbewerbe waren sogar völlig ausgebucht“, teilte Lisa Gärtitz mit, Pressesprecherin für Radsportevents beim Delius Klasing Verlag, dem Veranstalter des Festivals.

Der Veranstalter zog insgesamt ein positives Fazit. Er teilte auch den Termin für das Festival 2023 mit: 26. bis 29. Mai. Zufrieden war auch die Polizei, aus deren Sicht alles außer einem Bike-Diebstahl und leichten Verkehrsbehinderungen reibungslos lief. (schä)

Bike-Festival: Zwei Upländer Siege bei der Junior Trophy

Am letzten Tag des Bike-Festivals standen die Kinder im Mittelpunkt. Unter den 323 Jungen und Mädchen waren natürlich auch viele heimische Starter, so wie Lasse Ueberson aus Dorfitter, der sich nach 57,9 Sekunden den zweiten Platz bei den jüngsten Startern, den Mini-Boys 2018/19, sicherte. Sandro Seubert (Diemelsee; 2:30 Minuten) landete auf Rang 21. Bei den gleichaltrigen Mädels schnappte sich Anna Hartwig aus Willingen nach 1:09 Minuten den Sieg. „Das hat Spaß gemacht“, sagte sie im Ziel.

Tom Rumpp aus Willingen fehlten nach vier Runden im Ziel gerade einmal 8,5 Sekunden zum Sieg der Jungs 2012/13. Trotzdem freute er sich auch über den zweiten Platz. Seine Zeit: 6:26 Minuten.

Einen Start-Ziel-Sieg legte Rita Pollack aus Willingen hin: Sie musste sechs Runden fahren und startete gemeinsam mit den gleichaltrigen Jungs (2008/09), an die sie sich auch direkt dran hängte. Ihre Zeit: 8:33 Minuten. „Das hat richtig Spaß gemacht, zusammen mit den Jungs zu fahren, die haben mich gezogen“, so die 13-Jährige. (frg)

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