Deutsche Meisterschaft

Billard: Wildunger Juri Pisklov erfüllt sich Traum von Gold – und will’s nochmal tun

Der Moment des Triumphes: Juri Pisklov nach dem letzten Ball im Finale im 10-Ball. Der Bad Wildunger wurde erstmals deutscher Meister.
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Der Moment des Triumphes: Juri Pisklov nach dem letzten Ball im Finale im 10-Ball. Der Bad Wildunger wurde erstmals deutscher Meister.

Es war ein langer Anlauf für Juri Pisklov bis zu seinem ersten großen Titel als Billardspieler. Und es war ein langer Tag für den 31-Jährigen, bis der lang gehegte Traum am Dienstag wahr wurde.

Bad Wildungen – Seit elf Jahren schon nimmt Pisklov an den deutschen Meisterschaften teil, zumal sie schon seit 16 Jahren in Bad Wildungen zu Hause sind – in seinem Heimatort. Immer hat es irgendwie nicht geklappt; spätestens im Halbfinale war er draußen.

Wenn du dann auch noch dich leistungsmäßig bis in die 2. Bundesliga weiterentwickelt hast und in einer Klinik am Kurpark arbeitest, dann musst du ihn einfach haben diesen Traum vom DM-Gold. „Ich fahre fast jeden Tag an der Wandelhalle vorbei“, sagt Pisklov über den Ort, an dem die nationalen Titelkämpfe inzwischen stattfinden. „Da denkst du hin und wieder an die Meisterschaften und dein Traum kommt dir in den Sinn“, verrät der sportlich erfolgreiche Physiotherapeut.

Konstante Spielweise macht den Unterschied

Ein Traum, der auch deshalb so sehr in ihm lebte, weil er in der Wandelhalle stets viele Anfeuerer um sich hat. Vereinskameraden, Familie, ja selbst Arbeitskollegen seien in der Halle gewesen, so Pisklov. Störend? „Du musst das ausblenden oder positiv für dich nutzen“, meint der 31-Jährige, der das „professioneller im Kopf werden“ nennt. Er selbst habe einiges ausprobiert in den vergangenen Jahren, berichtet der in der 2. Bundesliga sowie bei Meisterschaften für die SG Johannesberg spielende Wildunger – und er meint vor allem den mentalen Bereich. Da sei er inzwischen deutlich stärker als früher.

Folge: Kein ganz konkretes Ziel hatte er sich diesmal egsteckt, um möglichst locker ranzugehen. „Aber die Anspannung war natürlich da , als es losging.“

Gegen 20 Uhr am Dienstagabend – spätestens – war sie komplett entwichen. Vergessen der Ärger um das Viertelfinal-Aus in der Disziplin 14.1 endlos, das nach einer höchst umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung zustande kam; vergessen die fünf vorangegangenen Matches, die viel Konzentration gefordert hatten. Nach rund zwei Stunden Spielzeit, auch das Halbfinale hatte etwa so lange gedauert, hatte Juri Pisklov den Sack zugemacht, Sebastian Ludwig aus dem saarländischen Altstadt mit 8:3 besiegt und sich Gold geholt.

„Das Finale war mein bestes Spiel“

„Das Finale war mein bestes Spiel“, blickt Pisklov zurück auf den meisterhaften Dienstag. Diesen typischen Moment, an dem man merkt, dass etwas gehen könnte, hatte er dabei gar nicht, wie Pisklov verrät. „Ich war eigentlich von Anfang an in einem Flow, die Spiele liefen sehr deutlich zu meinen gunsten.“ Und vor allem das durchweg hohe Niveau seiner Spiele sei die Grundlage für den Erfolg im 10-Ball gewesen, für den er sich zuvor bei mehreren Turnieren fit gemacht hat. „Technisch und vom Lochen her können das alle Spieler hier. Aber du musst Konstanz reinbringen“, macht Pisklov klar, was für ihn den kleinen Unterschied ausmachte.

Dass zwischendurch, am Dienstagvormittag vor den K.o.-Spielen im 10-Ball, schon die Auftaktrunde im 8-Ball auf dem Programm stand (Pisklov gewann 6:4), fand der erstmalige DM-Champion alles andere als nachteilig: „Ich hatte dadurch zum Beispiel ein Spiel mehr als mein nächster Gegner im 10-Ball, weil dieser im 8-Ball nicht mitspielte. So konnte ich mich quasi warmspielen.“

Im 8-Ball läuft der Wettbewerb bereits. Die Feier im Vereinsheim des PBC Bad Wildungen, wo der Abend ausgeklungen war, dauerte nicht allzu lange. Gestern Vormittag war er fit genug, um den Achtelfinaleinzug klar zu machen, wobei er es beim 6:5 gegen Geronimo Rosa spannender machte als am tag zuvor. Den beschreibt Juri Pisklov als „einmaliges Erlebnis“. Was es aber nicht bleiben soll. Der Premierentitel hat den Ehrgeiz noch mehr geweckt. Zwei Eisen hat der Lokalmatador noch im Feuer. „Und ich kann jetzt ohne Druck spielen. Mein erster Titel war hoffentlich nicht der letzte.“ (schä)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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