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Bogenschießen: Warum aus dem Regionalligafinale in Bad Arolsen nichts wurde

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Ins Visier genommen: Matthias Paul vom Arolser Oberligateam schießt unter den hoffnungsvollen Blicken von Mannschaftskameradin Susanne Häntsch und (hinten) Teamchefin Petra Heimbeck.
Ins Visier genommen: Matthias Paul vom Arolser Oberligateam schießt unter den hoffnungsvollen Blicken von Mannschaftskameradin Susanne Häntsch und (hinten) Teamchefin Petra Heimbeck. © hja

Letzter Wettkampftag in eigener Halle – das war für die Bogenschützen des Schützenvereins Arolsen fest gebucht. Doch der Saisonhöhepunkt wurde abgespeckt: Der Deutsche Schützenbund hat quasi die halbe Buchung storniert.

Bad Arolsen – Sportschießen in der Coronazeit: Der Deutsche Schützenbund hat Ende Januar ein weiteres Kapitel aufgeschlagen in diesem Buch. Zur Enttäuschung vieler Bogenschützen wurde die Saison in den drei oberen Ligen (1./2. Bundesliga sowie Regionalliga) mit dem Stand der vierten Kalenderwoche eingefroren.

Dass bei der Bundesliga Nord eine Ausnahme gemacht wurde und am vorigen Wochenende noch Wettkämpfe stattfanden, nur um das Ligafinale am 19. Februar zu retten (alle anderen Bundesligen hatten bereits die nötige Anzahl Wettkämpfe), „krönt“ die für viele schwer nachvollziehbare Entscheidung des Ligaausschuss Bogen vom 25. Januar, die den Vereinen drei Tage später mitgeteilt worden war. Nicht nur im SV Arolsen sprach man von einem „merkwürdigen Schnellschuss“.

Keine Auf- und Absteiger, Kritik von Vereinen

Gemäß Ligaordnung sind zwei Wettkämpfe notwendig, um eine gültige Abschlusstabelle zu generieren. „Hintergrund für die Entscheidung ist, dass in zwei Ligen (Regionalliga Nord und Ost) ein zweiter Wettkampftag aufgrund von Hallenschließungen nicht durchgeführt werden kann“, heißt es seitens des DSB, der ohne Not das Saisonende beschloss und viele damit um eine Aufstiegschance brachte. Denn Auf- und Absteiger gibt es keine, wie weiter entschieden wurde.

„Es wäre noch Zeit gewesen, um den fehlenden Wettkampftag der beiden Ligen auszutragen und damit alles fair ablaufen zu lassen“, meint Jan Heimbeck vom Regionalligateam des SV Arolsen. Der DSB hätte die Wettkämpfe in einem der Leistungszentren austragen lassen können, nannte er als Lösungsbeispiel.

Der DSB hatte den Vereinen freigestellt, dennoch den Wettkampftag auszutragen. Dazu kam es in Arolsen wenig überraschend nicht. „Bis zu 600 Kilometer Fahrt für einen Trainingswettkampf – das hätten wir auch nicht gemacht“, zeigte Heimbeck Verständnis.

Aus sportlicher Sicht hält sich die Enttäuschung der Residenzstädter in Grenzen. Das Arolser Team lag zwar mit nur einem Punkt Rückstand auf dem zweiten Rang der Tabelle und hatte Chancen auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord. „Aber damit hatten wir nicht gerechnet“, so Heimbeck. Man freue sich über den Vizemeistertitel in der Regionalliga West. Lachendes und weinendes Auge auch bei Teamchefin Petra Heimbeck: „Zum Glück konnten wir die Oberliga-Wettkämpfe durchführen und die Mühe der Vorbereitung für das Organisationsteam war nicht vergebens.

Oberliga Recurvebogen: Saisonstart war auch gleich das Ende

Pfeile geschossen wurden also in der Arolser Großsporthalle nur am Sonntag, da der hessische Landesverband autark seinen Ligabetrieb aufrecht erhalten darf – und dies auch wollte. Immerhin also wenigstens ein halbes tolles Ligawochenende mit spannenden Wettbewerben.

Wegen der Pandemie hatte die Oberliga Recurvebogen bisher noch keine Matches ausgetragen. Am Sonntag nun wurden gleich zwei Wettkampftage durchgezogen, denn nur dann kann laut Corona-Statuten die Saison gewertet werden. Sieben von acht Mannschaften nahmen die Gelegenheit wahr, darunter auch die zweite Mannschaft des SV Arolsen.

Der SV startete gegen den SV Moischt mit einer starken Passe und 55 von 60 möglichen Ringe, die aber nicht reichten, da die Marburger 56 trafen. Der überraschende Satzverlust zog eine Unsicherheit im Arolser Team nach sich, die sich über den gesamten ersten Wettkampftag nicht legen wollte. Achim Nikolaiczek, Susanne Häntsch und Florian Kwiatkowski verloren das Match mit 0:6.

Nach dem „Leermatch“ (6:0) gegen den nicht angereisten SV Laufdorf – Dennis Nikolaiczek und Matthias Paul schossen für für Häntsch und Achim Nikolaiczek – setzte Teamchefin Petra Heimbeck gegen Niederwetz wieder auf die Stammbesetzung. Erneut gab es ein 6:0. Was es nicht gab, war mehr Sicherheit. Und nun wartete der hohe Favorit BSV Zierenberg, letzte Saison noch in der 1. Bundesliga vertreten und nur aufgrund eines Meldefehlers aus dieser ausgeschlossen worden. Dass den Arolsern die starke Serie mit 54, 52, 53 nichts reichte, überraschte nicht.

Arolsen steigert sich noch auf Rang fünf

Und noch ein 0:6 gab es für die Waldecker, gegen Herbornseelbach. Der Rest war deutlich knapper – jeweils eine 4:6-Niederlage gegen Steinbach und Weidenhausen. Das bedeutete nach der Hälfte des Tagesprogramms Platz sechs und eine ungünstige Setzlistenposition für die zweite Wettkampfrunde, in der Arolsen gegen die starken Teams zuerst ran musste. Und Moischt, Weidenhausen, Herbornseelbach und Zierenberg zeigten erneut keine Schwächen und gewannen die Matches gegen den SVA klar.

Im fünften Match schaffte der dann die Wende, bezwang Niederwetz erneut mit 6:0, nahm dann die geschenkten Punkte gegen Laufdorf mit – und hatte ein „Endspiel“ gegen den SV Steinbach. Matthias Paul, Susanne Häntsch und Achim Nikolaiczek hieß das Trio, dem ein Sieg aufgrund des besseren Satzverhältnis noch den fünften Tabellenplatz bescheren würde. Steinbach legte furios los und gewann die ersten beiden Satzpunkte mit einer sehr guten 58:54. Danach hatten die drei Mittelhessen aber ihr Pulver verschossen und Arolsen konnte mit drei 54er Passen das Match mit 6:2 für sich entscheiden.

„Leider waren keine Zuschauer zugelassen und doch herrschte bei den letzten und entscheidenden Matches in der Halle ein tolle Stimmung“, berichtete Teamchefin Petra Heimbeck. Die Aktiven freuten sich, dass alle Helfer das Arolser Team lautstark unterstützten. Platz eins und den Aufstieg in die Hessenliga erreichte wie erwartet der BSV Zierenberg. (red/schä)

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