Kampf in Magdeburg abgesagt

Boxprofi Mario Jassmann zwischen Frust und Hoffnung

Mario Jassmann zwischen Boxsack und -dummy.
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Zwischen Boxsack und -dummy: Mario Jassmann hat in den letzten Monaten vor allem trainiert. Gern hätte er mal wieder einen Gegner vor den Fäusten.

Jetzt ist es schon wieder fast neun Monate her, dass Mario Jassmann gegen einen leibhaftigen Gegner boxen konnte. Die Rückkehr des Boxprofis in den Ring nach Coronapause wird sich weiter verzögern.

Korbach -Die lange Auszeit für den Korbacher schien an diesem Samstag zu Ende zu gehen, er sollte auf der Magdeburger Seebühne in den Ring steigen. Live gestreamt vom MDR. Doch Mitte dieser Woche zerschlugen sich alle Rückkehr-Pläne. „Das ist schon ein bisschen traurig“, sagt der 33-Jährige.

Ursprünglich sollte Jassmann bei der Gala des Profiboxstalls SES, mit dem sein Promoter Enrico Schütze gelegentlich zusammenarbeitet, gegen einen Tschechen boxen. „Vor fünf Tagen haben die abgesagt“, berichtet er. Mit dem Ersatzmann, der trotz aller Schwierigkeiten besorgt wurde, die es wegen Corona in der Szene noch immer gibt, ging es nicht besser. Dieser habe sich am Mittwoch dieser Woche krank abgemeldet.

„Schade“, sagt Jassmann. Es wäre eine gute Gelegenheit für ihn gewesen, sich im Fernsehen zu präsentieren. „Es sollte wohl nicht sein“, sagt der Korbacher lakonisch. Die Vorbereitung immerhin war vielleicht nicht ganz für die Katz, weil mittlerweile wieder die ersten Turniere im Kalender stehen.

Am 18. September Kampf in Korbach geplant

Promoter Schütze habe am 28. August in Wißmar eine Veranstaltung geplant. „Da werde ich auf jeden Fall boxen.“ Mehr noch sehnt Jassmann ein neuerliches Heimspiel herbei, das am 18. September in Korbach vorgesehen ist. An dem Samstag soll der Mittelgewichtler dann seinen Titel als Intercontinentalmeister nach Version der World Boxing-Federation (WBF) verteidigen, den er seit November 2019 trägt.

Es wäre sein erstes Duell gegen einen Herausforderer, das in anderen Zeiten hätte früher stattfinden müssen. Wegen der Pandemie habe sich der Verband sehr kulant bei den Fristen gezeigt, ihn nun aber mittlerweile zur Titelverteidigung aufgefordert, berichtet Jassmann.

Nicht zustande kam zwischenzeitlich ein Duell mit Marten Arsumanjan aus Zirndorf. Der Franke ist EU-Champion der European Boxing-Union, Jassmann war Pflichtherausforderer. Der Kampf hätte kommen können, sagt er, doch der Termin sei wegen Krankheit geplatzt.

Wochenlang in „Lauerstellung“

Kampfabende waren zuletzt ohnehin ein kontrovers diskutiertes Thema in der Szene. Gerade kleineren Veranstaltern wie Schützes PSP-Boxing fällt es schwer, sie ohne Zuschauer zu finanzieren, da sie ja keine Fernsehgelder erhalten. Auch sportlich bringe das wenig, sagt Jassmann. Er und Schütze setzen deshalb darauf, dass im September auf jeden Fall Publikum zugelassen wird.

Den jüngsten Rückschlag wegen des Aus’ für Magdeburg muss Mario Jassmann erst mal wegstecken. Er habe sich die ganze Zeit in Lauerstellung befunden, sich fit gehalten, Ausdauer und Kraft trainiert. Wenn dann im letzten Moment die Absage komme, sei das „schon schade“.

Solche Momente nagen an der Motivation, das gibt Jassmann zu. Auf die Frage, ob er in letzter Zeit daran gedacht habe, die Sache einfach zu beenden, antwortet er nach kurzem Nachdenken: Es habe schon Überlegungen in dieser Richtung gegeben. Jassmann hat als Angestellter der Stadt Wolfhagen auf eine halbe Stelle reduziert. Die erzwungene Kampflosigkeit kostet ihn schlicht Geld. „Es ist finanziell nicht gut für mich, auch wegen der Sponsoren.“

Das ist es nicht allein. In den Sommermonaten arbeitet Jassmann im Freibad in vollem Umfang. Er habe regelmäßig vor und nach der Arbeit trainiert. „Wenn du dann sechs Mal die Woche zwei Stunden am Tag trainierst, dann ist das wirklich anstrengend.“ Zumal er, sobald ein Kampf im Kalender steht, gezielt aufs Gewicht achten müsse. „Dann hälst du drei Wochen schön Diät und bist mit deinem Gewicht wieder runter, und dann passiert dann doch nichts.“

Die Motivation geht in den Keller

Magdeburg ist laut Jassmann nicht der einzige abgesagt Termin. Zumindest gab es vorher immer wieder mal die Aussicht auf eine Ringrückkehr, die sich zerschlug. „Wenn du das ein paar Mal hast, geht die Motivation in den Keller, das ist nervig“, sagt der 33-Jährige.

Ebenfalls fehlt ihm der Rhythmus. In normalen Zeiten bestritt er im Schnitt vier Kämpfe im Jahr, kannte den Wechsel zwischem hartem Training, Stress, Anspannung und den Phasen mit Fithalten und Entspannung. „Das wird zur Gewohnheit.“

Nun liege sein letzter „richtiger Kampf“ – das „Geisterboxen“ gegen Aleksandar Kuvac im November 2020 zählt er nicht dazu – mehr als anderthalb Jahre zurück. „Um wieder in deinen Rhythmus reinzukommen, musst du erst wieder ein paar Kämpfe machen.“ Sparring sei nicht dasselbe.

Jassmann legt nun kurz eine Trainingspause ein, damit sein Körper regenerieren kann. Dann beginnt die Vorbereitung auf Wißmar. Sechs Wochen bis zum Kampf, in denen er vor allem eins hofft: Dass es nicht wieder eine Ansage gibt, ob nun wegen Corona oder vom Gegner. (Gerhard Menkel)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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