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Coronajahr 2021: Sportvereine verlieren moderat Mitglieder

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Von: Gerhard Menkel

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Frauen beim Sprung auf Kasten
Auf dem Sprung: Im vergangenen Jahr ist der Anteil der weiblichen Mitglieder in den heimischen Sportvereinen gewachsen. © Artur Worobiow

Corona ist nicht vorbei. Das spüren im Sport gerade vor allem die Hand- und Fußballer. Die Sportvereine haben der Krise im vergangenen Jahr jedoch besser getrotzt als gedacht.

Korbach – Corona kostete sie zwar abermals Mitglieder, allerdings sehr moderat: Nach vorläufigen Zahlen des Landessportbunds Hessen (LSBH) verloren die 312 Klubs im Sportkreis Waldeck-Frankenberg 2021 im Vergleich zu 2020 zusammen lediglich gut 30 Mitglieder.

Laut der neuen Bestandserhebung des LSBH meldeten die Vereine – vom Luftsportverein Ederbergland mit der niedrigsten Nummer bis zu Reiten in Braunau e.V. mit der höchsten – insgesamt 66 879 Mitglieder nach Frankfurt. Diese Zahl ist allerdings ein wenig mit Vorsicht zu betrachten.

Als der LSBH Anfang März vorigen Jahres die vorläufigen Zahlen für 2020 bekannt gab, ergaben die Meldungen der heimischen Klubs 67 488 Mitglieder. Der endgültige Wert, einen Monat später im Magazin „Sport in Hessen“ veröffentlicht, belief sich auf 66 911 Mitgliedschaften. 2019, als von Corona noch keine Rede war, waren es übrigens noch 68 382.

In den Corona-Jahren haben alle Sportkreise Mitglieder verloren

Auch in diesem Jahr sind womöglich Berichtigungen zu erwarten. Der LSBH selbst weist auf Nachmeldungen im März hin, sie würden den Mitgliederbestand „etwas nach oben korrigieren“.

Bestätigen sich die vorläufigen Angaben für Waldeck-Frankenberg, dann sind in den zwei Corona-Jahren knapp 2,2 Prozent der organisierten Kinder, Jugendlichen, Frauen und Männer aus den Bestandslisten verschwunden. Die Entwicklung verläuft zwar auf Jahressicht ein wenig schwächer als im Landessportbund insgesamt. Hessenweit legten die Vereine mit Stichtag 1. Januar 2022 leicht um 7011 auf 2 071 322 Mitglieder zu, ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Nimmt man allerdings die Bestandserhebung vom 1. Januar 2020 als Referenz, schneidet Waldeck-Frankenberg nach wie vor besser ab als der Durchschnitt aller hessischen Sportkreise mit einem Minus von drei Prozent. In den beiden Corona-Jahren sind übrigens ausnahmslos alle Sportkreise geschrumpft.

Gegen den Trend Zuwachs an weiblichen Mitglieder in waldeck-Frankenberg

Das Problem an den vorläufigen Zahlen für Waldeck-Frankenberg, wie sie uns vorliegen: Sie differenzieren nicht nach Altersgruppen, sondern allein nach Geschlechtern. Der LSBH stellt für ganz Hessen Gewinne bei Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 26 Jahre in einer Größenordnung von 1,3 Prozent fest (788 971 mehr). Für Waldeck-Frankenberg kann man einen ähnlich positiven Trend wohl ebenfalls unterstellen.

Der Landessportbund bescheinigt den Vereinen insgesamt nämlich nicht nur, sie hätten sich mit Corona „arrangiert“ und große Anstrengungen unternommen, um möglichst viele an die Bestimmungen der Pandemie angepasste Sportangebote aufrechtzuerhalten. „In besonderer Weise stellten sie mit hohem Engagement im Corona-Jahr 2021 Sportangebote für Kinder und Jugendliche sicher“, heißt es weiter. Diese Aussage dürfte auch für viele heimische Sportvereine gelten.

Verluste konstatiert der LSBH-Bericht bei den Erwachsenen (1,7 Prozent Minus). Außerdem verloren die Vereine weibliche Mitglieder (- 0,4 Prozent) und gewannen männliche (+ 0,8).

Das sagt der Sportkreisvorsitzende Uwe Steuber

Der Vorsitzende des Sportkreises Waldeck-Frankenberg, Uwe Steuber, sieht in den Zahlen zur Mitgliederentwicklung einen Weckruf für die Sportvereine. „Wir müssen sie wachrütteln und ihnen einen Spiegel vorhalten“, sagte er zu den (moderaten) Verlusten gegen den Hessentrend. „Wenn man nichts tut, verliert man Stück für Stück Mitglieder.“

Steuber äußerte sich auch unter dem Eindruck einer Besprechung mit hessischen Vereinsberatern. Sie gehen auf Anfrage in die Vereine, besprechen aktuelle Probleme, wollen aber auch alte Strukturen auf den Prüfstand stellen und gemeinsam mit den Vorständen über Möglichkeiten der Modernisierung, etwa eine stärkere Digitalisierung, beraten. Der heimische Sportkreis will die Vereinsberatung ausdrücklich ausbauen, Steuber selbst und seine Vorstandskollegin Verena Gottmann haben sich dafür ausbilden lassen. Er hoffe sehr, dass die Vereine das Angebot annähmen, sagte Steuber. (mn)

In diesem Punkt bewegen sich die heimischen Vereine gegen den Trend: Die Zahl der männlichen Mitglieder sank von 40 446 auf 40 139, die Zahl der weiblichen stieg von 26 465 auf 26 740. Aber noch einmal: Auch hier werden endgültige und vorläufige Werte miteinander verglichen.

Leicht kürzer geworden ist die Vereinsliste. Fanden sich am 1. Januar 2021 unterm Dach des LSBH noch 215 Waldeck-Frankenberger Klubs sind es ein Jahr später 312. In ganz Hessen sank die Zahl der Sportvereine im Jahresvergleich um 51 auf 7481. Der LSBH schreibt dazu: „Der geringfügige Rückgang entspricht einem bundesweiten mittelfristigen Trend der Konsolidierung der Anzahl der Vereine.“

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