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Der Traum von Olympia: Larissa Neige ist Teil eines erfolgreichen Korbacher Twirling-Teams

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Positive Ausstrahlung: Larissa Neige ist dem Twirling-Sport für viele positive Lebenserfahrungen dankbar.
Positive Ausstrahlung: Larissa Neige ist dem Twirling-Sport für viele positive Lebenserfahrungen dankbar. © bb

Wer Larissa Neige fragt, was sie für eine Sportart betreibt, erhält die Antwort: Twirling. Dieses Wort spricht sie nicht etwa kleinlaut und mit scheuer, piepsiger Stimme aus, sondern klar, laut und überzeugend.

Korbach – Und wer sich mit der 18-jährigen Korbacherin über Twirling unterhält, bemerkt schnell, dass sie diese Sportart nicht etwa als Notnagel gewählt hat, weil sie andere Sportarten nicht kann. Larissa hat sich bewusst für diese Verbindung aus Rhythmischer Sportgymnastik und Jonglage entschieden, bei der während der Bewegung auf Musik ein Metallstab in der Hand gedreht, geworfen und gefangen wird. Für Twirling hat sie Leichtathletik und das Turnen sausen lassen.

Doch so wie die 18-Jährige denken nur wenige Sportlerinnen und Sportler deshalb ist Twirling in Deutschland vermutlich noch etwas weniger als eine Randsportart, aber dafür ist der Weg zur deutschen Spitze recht kurz.

Korbach eine Twirling-Hochburg in Deutschland

Korbach ist eine Twirling-Hochburg in diesem Land, der TSV hat derzeit zwei deutsche Meister in seinen Reihen, Lea Hülsmann im Junior Freestyle und die Mannschaft mit Lea Hülsmann, Arina Haas, Larissa Neige, Liv Bökemeier, Laura Hoos und Johanna Niemann. Als Belohnung durfte die Korbacher Formation vor wenigen Tagen auch die deutschen Farben international vertreten und da fällt das Siegen schon viel schwerer.

Das Team kam beim European Cup im spanischen Blanes auf Rang 15 und das beste Einzelergebnis gelang Larissa Neige, die in der Disziplin „2 Batons“ (zwei Stäbe) das Finale erreichte und Neunte wurde. Wenn die Korbacherinnen auf internationalem Parkett auftreten, bemerken sie, wie groß und anerkannt ihre Sportart in manch anderen Ländern ist. „In Japan hat Twirling den Stellenwert wie bei uns der Fußball, dort ist es Schulsport und allein in Tokio gibt es über 5000 bezahlte Twirling-Trainer“, erzählt Neige. Aber auch in Frankreich und Spanien sei diese Sportart populärer, dort würden auch mehr Jungen Twirling betreiben. „Wir haben in Korbach seit kurzem auch einen Jungen in der Gruppe“, erzählt Neige.

Auffällig ist ebenfalls, dass es der Twirling-Sport nicht schafft, sich einen Weg in die deutschen-Großstadtvereinen zu bahnen. Neben Korbach, steht vor allem der Name der südhessischen Kleinstadt Langenselbold für diese Sportart.

Hobby statt Professionalität

Neige glaubt nicht, dass die führenden Nationen mehr Talent für diese Sportart besitzen, sondern sie würden diese Sportart einfach professioneller betreiben. „Wir machen es nur als Hobby und können uns keine teuren Trainer leisten.“ Geld spiele dabei natürlich eine Rolle. „Die finanzielle Kraft ist bei den führenden Twirling-Nationen stärker, bei uns müssen auch die Eltern immer wieder etwas dazugeben.“

Die 18-Jährige ist aber davon überzeugt, dass die deutschen Twirler auf einem guten Weg sind, diesen Abstand zu verkürzen. Überhaupt glaubt sie an einen gesellschaftlichen Aufstieg ihrer Sportart. „Alle Verbände arbeiten derzeit daran, dass Twirling in die olympische Familie aufgenommen wird. Das wäre ein Traum“

Neige liebt diesen Sport weil er viel komplexer ist als viele denken. Twirling sei kein lockeres Rumgetänzel, sondern ein Leistungssport, bei dem man nach den drei Minuten Bewegung körperlich richtig fertig sein könne, betont die 18-Jährige.

Kopfarbeit ist auch gefragt

Vor allem der Kopf müsse viel arbeiten, oft im Multitasking-Modus. Neige beschreibt einen typischen Ablauf, der aber nur in wenigen Sekunden stattfindet: „Sobald ich den Stab gerade hochgeworfen habe, sollten meine Gedanken von ihm weggehen, ich sollte mich dann nur auf das konzentrieren, was ich unter dem Stab mache und erst wenn die Bewegung abgeschlossen ist, sollte ich wieder umschalten und mich auf das Fangen des Stabes vorbereiten. Und zusätzlich am besten noch ein Lächeln aufsetzen.“

Allerdings mag es die Gymnasiastin auch, dass sie eine Sportart betreibt, die kein Massenphänomen ist. „Ich finde es auch schön, was Besonderes zu machen, was nicht alle machen.“

Und egal, wohin es sie in naher Zukunft beruflich auch hinverschlagen wird, weiß sie schon heute, dass sie dem Twirling immer verbunden bleiben wird. „Im Herzen sowieso und mein Stab wird immer mit mir umziehen.“ (rsm)

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