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Marius Karges wird mit dem letzten Wurf Deutscher Meister

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Von: Gerhard Menkel

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Junger Mann mit Diskus vor der Drehung
Ab jetzt ein Deutscher Meister: Marius Karges im Diskusring. Das Foto entstand in Frankfurt. © Jens Priedemuth

Mit einer Weite von 63,38 Meter hat Diskuswerfer Marius Karges seinen bisher größten Erfolg erzielt: Er holte sich in Sindelfingen bei den Deutschen Winterwurfmeisterschaften den Titel der der Jugend U20.

Sindelfingen – Im Gespräch ist Marius Karges ein leiser, zurückhaltender junger Mann. Im Wettkampf wird Marius Karges laut und explosiv. Das liegt in der Natur seines Sports. Am Sonntag hat er mit einem „gewaltigen Schrei“, wie die Beobachter des Portals leichtathletik.de vermerkten, seinen Diskus so weit befördert wie noch nie. Seine 63,38 brachten ihm nicht nur den Sieg ein, sondern er warf auch neuen persönlichen und gleichzeitig Hessenrekord seiner Altersklasse.

Der Sieg des Altwildungers im Trikot der LG Eintracht Frankfurt am Sonntag lag nicht unbedingt im Rahmen des Realistischen, befand sich jedoch nicht weit außerhalb. „Ich war mir ziemlich sicher, dass ich eine Medaille gewinne, aber die Goldmedaille hatte ich nicht erwartet“, erzählte er. Favoriten auf den Titel waren andere. Mika Sosna (TSG Bergedorf) zum Beispiel. Oder Kugelstoß-Meister Steven Richter (LV Erzgebirge). Beide konnte bei guten Bedingungen mit Gegenwind aber nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Zunähst lagen sie zwar vor ihrem Kaderkollegen. Doch Marius war angereist als einer, der sich seiner Sache sicher ist. Er hatte gut trainiert und am Wochenende vorher bei einem Vorbereitungswettkampf in Frankfurt erstmals die 60-Meter-Marke übertroffen sowie mit 62,40 Metern bereits neuen Hessenrekord geworfen.

Den besten Wurf zeigt Maris Karges ganz am Schluss

Er habe sich am Wettkampftag fit gefühlt, sagte er. „Schon beim Einwerfen habe ich gemerkt, dass was geht.“ Beim Wettkampf gewann der Eindruck an Kontur. Richter (57,94) ließ er schon im zweiten Versuch (58,70) hinter sich. An Sosna (61,09) tastete er sich im fünften heran: 60,29 Meter. Das Optimum war das noch nicht. Aber beinahe. Den endgültigen, den ultimativen, den besten Wurf des Tages hob er sich auf bis zum Schluss.

„Immer hatte diese Kleinigkeit gefehlt, dass ich die Disken richtig treffe. Im letzten Wurf hat dann alles gepasst und auch diese technisch kleine Sache, die ich schon den ganzen Wettkampf über versucht habe hinzukriegen, hat geklappt.“ Diese „kleine Sache“ muss man sich im hochkomplexen Bewegungsablauf im Ring als ein auf die Millisekunde genaues Timing in der unmittelbaren Wurfvorbereitung vorstellen. „Ich versuche ja, die maximale Energie am Ende freizusetzen.“ Fünfmal war er einen Wimpernschlag zu früh, beim sechsten Mal griffen alle Automatismen ideal ineinander.

„Danach habe ich mich einfach richtig, richtig gefreut“, schilderte Marius Karges den Augenblick, als er seinen ersten deutschen Meistertitel gewonnen hatte. Ein Gefühl von endlich mal, reine Erleichterung. Solide Wettkämpfe hatte er viele vorzuweisen, vorn dabei gewesen war er oft, der „Ausreißer nach oben“ war das, was fehlte. „Es war wie eine Art Befreiungsschlag“, sagte er.

Startplatz bei der U20-WM führt über eine gute Sommersaison

Mit seinem Sieg bei den „Deutschen“ kann sich Marius Karges nur kurz einrichten. Zwar rechnet er damit, dass er demnächst öfter wieder auf Heimatbesuch in Altwildungen vorbeischauen kann, die Wochenende zuletzt waren alle für den Sport verplant. Doch schon diese Woche steigt er ins gezielte Training für die Sommersaison ein. An ihr wird er das Jahr 2022 messen. Sein Sehnsuchtsort heißt Cali und liegt in Kolumbien. Anfang August trifft sich hier der Leichtathletik-Nachwuchs zur U-20-Weltmeisterschaft.

Die nächste Station auf dem Weg dorthin liegt in Portugal. Ende März fliegt er mit dem Bundeskader ins Trainingslager an die Algarve nach Monte Gordo. Die Flugtickets nach Mittelamerika werden dann bei den „Deutschen“ der Jugend in Ulm (15. bis 17. Juli) gewonnen oder verspielt. Dass Marius die WM-Norm von 57,50 Meter im Winter schon mehrfach überboten hat, zählt erst mal gar nichts – er und die Kollegen müssen die Weite in der im Mai anlaufenden Draußensaison zeigen.

Junger Mann bereitet sich auf Stoß mit der Kugel vor, den Stoßarm erhoben
Für ihn nicht im Fokus: Marius Karges beim Kugelstoßen im Sindelfingen. © Ralf Görlitz

„Im Sommer kommt’s drauf an“, sagte Marius nüchtern. Sorgen muss er sich nicht machen. „In aller Regel kann man damit rechnen, dass man im Sommer ein gutes Stück weiter wirft als im Winter. Allein wenn es draußen warm ist, sind die Voraussetzungen für gute Leistungen besser.“

Fürs Protokoll: Nachdem er zuletzt Hessenmeister im Kugelstoßen (17,73 Meter) geworden war, startete Marius Karges in Sindelfingen auch in dieser Disziplin. Mit überschaubarem Erfolg (Platz zehn) und zurückhaltender Weite (16,46 Meter). „Darauf lag nicht der Fokus“, sagte er, „das habe ich zum Spaß mitgemacht.“

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