Biathlon-Saisonstart: Ottlarerin im IBU-Cup

„Erstmal ein Dämpfer“: Karolin Horchler ohne Weltcup-Platz, aber angriffsfreudig

Andere haben die Trainer mehr überzeugt: Für Karolin Horchler (hier bei ihrem letzten Rennen 2020 in Kontiolahti) ist noch kein Platz im Weltcupteam. Sie will das durch gute Leistungen ändern.
+
Andere haben die Trainer mehr überzeugt: Für Karolin Horchler (hier bei ihrem letzten Rennen 2020 in Kontiolahti) ist noch kein Platz im Weltcupteam. Sie will das durch gute Leistungen ändern.

Sie ist es gewohnt. Freifahrtsscheine für einen Platz im Weltcup-Team gab es noch nie für Karolin Horchler. Jahr für Jahr erkämpft sie sich einen. Manchmal von Anfang an, manchmal erst später.

Ruhpolding/Idre – Diesmal war alles ein wenig anders: Seit ihrem 70. Weltcupeinsatz beim abrupten Saisonabbruch im März 2020 im Kontiolathi hat Horchler keinen Schnee-Wettkampf mehr bestritten, nach Verletzungs und Regenerationspause machte sie sich mit langem Anlauf auf in Richtung Weltcup-Saison 2021/22 und war noch bei der deutschen Meisterschaft im September guter Dinge, weil die Vorbereitung passte.

An diesem Samstag beginnt nun der Weltcupzirkus in Östersund. Karolin Horchler aber ist in Idre, 270 Kilometer weiter südlich in Schweden. Die erste Liga findet doch ohne die aus Ottlar stammende Biathletin statt, Horchlers Programm heißt zweimal Sprint und einmal Verfolgung – im IBU-Cup.

Karolin Horchler: Nur eines von zwei Ausscheidungsrennen lief gut

„Das war natürlich erst einmal ein richtiger Dämpfer. Ich habe ein, zwei Tage gebraucht, um das zu verdauen“, sagte die 32-Jährige, die sich bei zwei internen Ausscheidungsrennen vergangene Woche nur bedingt empfehlen konnte für einen Weltcup-Start. Sieben Athletinnen waren im Lostopf, neben Horchler mit Franzi Hildebrandt und der Winterbergerin Maren Hammerschmidt zwei weitere erfahrene Sportlerinnen. Die Jugend war aber einen Tick besser.

Der erste Sprint in der internen Ausscheidung war ganz nach Horchlers Geschmack gelaufen. Zwei Null-Fehler-Schießen und am Ende der zweite Platz hinter Janina Hettich. „Ich spürte eine ganz schöne Anspannung: Erster Wettkampf nach so langer Zeit. Der ganze Druck ist danach von mir abgefallen“, berichtet Horchler von Tag eins.

Es folgte Nacht eins, in der die in Ruhpolding lebende Upländerin nicht viel geschlafen hat, wie sie sagt: „Vielleicht ist zuviel Anspannung abgefallen. Jedenfalls war ich am nächsten Tag wie gerädert und habe es nicht geschafft, die Spannung wieder aufzubauen.“ Das wichtige „An-Aus“, wie es die Biathleten nennen, hatte nicht funktioniert. „Anschalten, ausschalten, das ist extrem wichtig von einem Wettkampf zum nächsten“, erklärt Horchler.

Des öfteren traf man Karo Horchler gut gelaunt im Training, wie hier bei den deutschen Meisterschaften im September. Jetzt musste sie erstmal einen Rückschlag verkraften.

Sie begann den Sprint erneut fehlerlos, schoss aber stehend zweimal daneben. Keine Riesen-Fehlleistung, aber zu wenig für die Weltcup-Hoffnungen. Sie habe nicht viel falsch gemacht. „Und es war eine knappe Entscheidung. Aber wenn alle anderen, die um die Plätze konkurrieren, null Fehler schießen, reicht es eben nicht“, sucht die 32-Jährige nicht nach Ausreden.

Und jetzt: Über eine Fortsetzung der Karriere nachdenken? Keine Option für Karo Horchler, zumal sie geübt ist im Hin und Her zwischen erster und zweiter Liga. „Das erste Rennen bei der internen Ausscheidung hat mir gezeigt, dass mein Gefühl stimmt, mit dem ich aus der Vorbereitung gekommen bin. Das stimmt mich zuversichtlich für die ersten Wettkämpfe.“ Vielleicht, mutmaßt Horch,er sei der IBU-Cup zum Reinkommen in den Wettkampfmodus gar nicht so schlecht – „ohne das ganze Tam-Tam wie bei Weltcups“.

„Die Tür ist offen, sobald Leistung angeboten wird.

Karolin Horchler über mögliche spätere Weltcupchancen

„Mein Ziel ist immer noch das gleiche“, schaut die Athletin des WSV Clausthal-Zellerfeld nach vorn. Heißt: Die erste Olympiateilnahme ist – zumindest weiter hinten – im Kopf. Vor der Brust aber liegt in Schweden, wo das deutsche Team seit Montag ist, der IBU-Cup, in dem Horchler immerhin neun Einzelrennen gewinnen konnte seit 2013.

Ansporn genug hat sie auch für diese Wettkämpfe, denn die Tür ins Weltcupteam ist nach der ersten Entscheidung des Trainerteams längst nicht zu: „Die Tür ist offen, sobald Leistung angeboten wird“, so Horchler. Noch vor dem Jahreswechsel könnte es Umbesetzungen in der ersten Reihe des deutschen Frauen-Biathlons geben. Der 71. Weltcup ist also nicht vom Tisch. Und die Reise nach Peking auch nicht. (Dirk Schäfer)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.