Titelkämpfe oft mit viel Pech verloren

Europameister der Herzen: Vor 40 Jahren startete der Korbacher Boxer Manfred Jassmann eine Profikarriere

Ein Höhepunkt der Karriere: Manfred Jassmann lag 1983 im EM-Kampf gegen Rudi Koopmans nach sieben Runden vorn, ging aber in der achten durch eine Unaufmerksamkeit k.o. Vor 40 Jahren startete der Korbacher seine Profikarriere.
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Ein Höhepunkt der Karriere: Manfred Jassmann lag 1983 im EM-Kampf gegen Rudi Koopmans nach sieben Runden vorn, ging aber in der achten durch eine Unaufmerksamkeit k.o. Vor 40 Jahren startete der Korbacher seine Profikarriere.

Boxen war sein Leben. Dafür hat Manfred Jassmann (69) alles stehen und liegen lassen. Nicht immer nur zu seinem Vorteil.

Korbach – Es ist 40 Jahre her, dass der Korbacher sein Amateur-Trikot auszog und bei den Profis anheuerte. Jassmann hat durch den Sport viel von der Welt gesehen, dabei Höhen und Tiefen durchlebt, Freunde gewonnen und wieder verloren, sich mit Funktionären und Managern angelegt, ist sogar straffällig geworden.

Die ein oder andere Enttäuschung hat er selbst provoziert. Besonders in seinem Privatleben würde er aus heutiger Sicht einiges anders machen. Sportlich ist er aber nach wie vor von seinem Werdegang überzeugt. „Ich wollte eigentlich nur fünf Jahre als Amateur boxen, es sind am Ende sieben geworden“, erzählt Jassmann.

Er und sein Bruder Reinhard haben in den 80er-Jahren mit ihren Leistungen im Ring ihre Heimatstadt Korbach zu einer bundesweit angesehenen Boxhochburg wachsen lassen. Sie sorgten mit der Mannschaft des TV Korbach in der Bundesliga für Furore. Dort gründete sich extra ein Förderkreis, der die Boxer finanziell unterstützte.

Einen Schritt in seiner sportlichen Profikarriere würde Jassmann allerdings heute anders gehen. „1987 habe ich zu viel gewollt, sieben Profikämpfe in einem Jahr waren zu viel, danach war ich völlig platt.“

Es wäre für ihn sicherlich besser gewesen, als Trainer im Sauerland-Boxstall einzusteigen, bei dem Jassmanns Profikarriere begann. Der heute bekannte Coach Uli Wegner wollte den Korbacher verpflichten. Auch das lukrative Angebot als Coach nach Südafrika zu gehen, lehnte er genauso ab wie die Trainer-Offerte von Mickey Duff, Englands sogenannter „Mr. Boxing“.

Bundestrainer warnte vor Profikarriere

Jassmann hatte sich schon selbst eine zweite berufliche Existenz aufgebaut: ein Fitness-Center in Korbach. Außerdem war er immer noch gern Boxer, auch wenn sein Zenit schon überschritten schien. Immer mal wieder flatterte ihm ein Kampfangebot ins Haus. Der weit über 30-jährige Box-Oldie akzeptierte jeden Gegner, kniff vor keinem großen Namen. Einer habe ihn damals vor dem Schritt in den Profizirkus gewarnt, erinnert sich Jassmann. Sein damaliger Amateur-Bundestrainer Dieter Wemhöner, habe ihm bei einem Besuch in Korbach diese Worte mitgegeben. „Als Profi wirst du viele Freunde und deinen Status als Boxidol in deiner Heimat verlieren.“ Dass diese Worte auch Wahres enthalten sollten, enttäuscht auch Jassmann sehr.

Das Profigeschäft zeigte ihm anfangs sein schönes Gesicht. Der Wuppertaler Industrielle Wilfried Sauerland war ins Boxgeschäft eingestiegen und wollte mit Jassmann und dem damals wohl populärsten deutschen Amateurboxer, Rene Weller, in Deutschland den Faustkampf wieder populär machen. Das gelang ihm noch nicht mit diesem Duo, aber später mit Henry Maske, Axel Schulz oder Sven Ottke.

Fernsehkameras waren noch nicht am Ring

Am Anfang musste der Sauerland-Stall noch ohne das Fernsehen auskommen. Der Zugang zu mehr Öffentlichkeit hätte vermutlich auch die Karriere von Jassmann in eine andere Richtung gesteuert. So wurden die Kämpfe von ihm und Weller nur von einem Videoamateur aufgezeichnet und die Aufnahmen an die Fans verkauft.

184 Kämpfe als Amateur mit 142 Siegen, 37 Niederlagen und 7 Unentschieden; 44 Fights als Profiboxer mit 32 Siegen (davon 19 durch K.o.), 10 Niederlagen und 2 Unentschieden: Das sind die nackten Zahlen der sportlichen Karriere von Manfred Jassmann. Wer allerdings genau auf seine Karriere blickt, wird feststellen, dass das Glück nur selten auf seiner Seite stand.

Die Laufbahn ist gespickt mit Meistertiteln, Länderkämpfen, mehreren EM-Starts, einer verpassten Amateur-WM wegen eines Handbruchs und ein verhinderter Olympiastart in Moskau 1980 nach dem Boykott westlicher Länder wegen des Afghanistan-Krieges, vier vergebliche Anläufe einen EM-Titel bei den Profi zu gewinnen. Als Halbschwergewichtler verlor er gegen die Niederländer Rudy Koopmans und Alex Blanchard, dann gegen den Italiener Francesco Damiani (Schwergewicht) und den Briten Sammy Reason im Cruisergewicht. Was einst im Ring der Korbacher Bullenhalle begonnen hatte, wurde nun in der Frankfurter Festhalle, Düsseldorfer Philipshalle und der Royal Albert Hall in London fortgesetzt.

„Uli Resties und Helmut Ranze waren meine besten Trainer“, meint Jassmann. „Zum Schluss meiner Karriere habe ich mich nur noch selbst trainiert“. Manager Sauerland wollte ihn stets zu den Coaches Terry Lawless oder George Francis schicken, aber „die waren nicht mein Fall“.

Ehrlicher Kampfstil

Jassmann wurde überall wergen seines ehrlichen Kampfstils verehrt. Auch wenn er darüber manchmal sein Konzept vergaß, so wie beim ersten EM-Kampf gegen Koopmans. Der Deutsche hatte sich den Niederländern bereits schön zurechtgelegt und angeknockt. Er wollte ihn nach allen Regeln der Kunst ausboxen – und war in Runde acht selbst kurz unaufmerksam – es folgte Jassmanns erstes K.o.-Erlebnis seiner Karriere. Koopmans wurde später des Dopings überführt, sein Manager Henk Ruhling verpflichtete Jassmann und vermittelte ihm noch attraktive Kämpfe.

Auch in seinem letzten Fight war es wieder die achte Runde, als er gegen Derick Angol in London auf dem Weg zum Sieg war, der Referee nahm ihn aber unverständlicher Weise aus dem Kampf. Urteil: technischer K.o. Jassmann zeigte zwar noch eine sportliche Reaktion, legte sich in den Ringstaub und drückte dort 40 Liegestütz ab, die letzten zehn einarmig. „Ich war noch fit, der Sieger schwer angeknockt“, erinnert sich der 69-Jährige an ein etwas trauriges und ungerechtes Ende seiner großen Boxkarriere.

Es waren dann die Schlagzeilen außerhalb des Rings, Prügeleien, auch mit seiner Ehefrau, die ihm, teilweise alkoholisiert, Sympathien kosteten und ihn sogar hinter Gitter brachten. „Das mit meiner Frau würde mir heute nicht mehr passieren“, sagt Jassmann. „Ich hätte damals von zu Hause mehr Rückhalt gebraucht.“ (be)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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