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Fahrgemeinschaften haben Hochkonjunktur – teurer Sprit und die Folgen für Sportvereine

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Von: Dirk Schäfer

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Applaus für Eltern und Trainer: Weil diese meist unentgeltlich den Nachwuchs unterstützen, müssen Vereine unter Belastungen wie höheren Spritpreisen kaum leiden.
Immer da: Auch weil Eltern und Trainer meist unentgeltlich den Nachwuchs unterstützen, müssen Vereine unter Belastungen wie höheren Spritpreisen kaum leiden. Unser Bild entstand bei den Pokalendspielen 2018. © malafo

Auf mehr als 2,20 Euro war der Preis für Diesel und Superbenzin in den vergangenen Wochen gestiegen, ist auch jetzt noch extrem hoch. Wirkt sich das auf den Alltag der Sportvereine aus?

Kostet die Bratwurst in der Halbzeit bald 5 Euro? Wenn alles teurer wird durch den Krieg in der Ukraine und andere Ereignisse und sich auch Sportvereine die gestiegenen Kosten zurückholen müssen, könnte das durchaus passieren, oder? Nein.

Im Waldecker Land wohl nicht. Die Sportvereine, deren Alltag in erster Linie von den extrem hohen Spritpreisen betroffen ist, vermelden in großer Mehrzahl keine nennenswerten Auswirkungen, wie eine Umfrage der WLZ ergab. Gleichwohl hat so mancher seine Art, Einsparpotenziale zu nutzen.

Die Lage aus Sicht der Vereine

Vor allem Fußballer und Handballer sind in der verlängerten Saison derzeit und noch viel auf Achse. Glücklich kann sich schätzen, wer seine Spieler in Kleinbussen transportieren kann wie etwa der SC Willingen, der in der Verbandsliga auch heute nach Fulda-Johannesberg wieder 360 Kilometer (hin und zurück) unterwegs ist.

„Wir achten darauf, mit möglichst wenige Autos bzw. Kleinbusse unterwegs sind. Und wenn drei Spieler aus Korbach zum Training kommen, setzt sich nicht jeder in sein eigenes Auto“, sagt der sportliche Leiter Hubertus Albers. Gleichwohl muss der SCW erhöhte Kosten in Kauf nehmen; das Betanken muss aus der Vereinskasse gestemmt werden. „Nur für den Unterhalt der Busse haben wir Sponsoren“, erklärt Albers.

Auch die Handballer des TSV Korbach profitieren von der Groß-Fahrgemeinschaft. Zu den Auswärtspartien fährt die Mannschaft meist mit einem Kleinbus, den der Gesamtverein stellt, und „zwei bis drei Pkw“, so TSV-Trainer Robert Müller. Die Neun-Sitzer sind mit einer Tankkarte des Hauptvereins ausgestattet, über den die anfallenden Spritrechnungen abgerechnet werden. Zusatzkosten haben die Korbacher auch deshalb nicht, weil, so Müller „wir nur Einheimische und keine bezahlten Spieler mehr haben.“

Hin und wieder kann auch die HSG Twistetal im Zuge der Jugendspielgemeinschaft mit dem TSV Korbach einen Kleinbus nutzen. Grundsätzlich aber werden die Fahrten aber in Privatautos unternommen.

Mit zwei Landesligateams sowie zwei Jugendteams in der Oberliga kommen da einige Kilometer zusammen. „Bei der Jugend sind die Eltern mit im Boot, die sich gerne helfend engagieren und die Spieler an Spieltagen fahren“, sagt Vorsitzender Thomas Tönepöhl. „Es geht den Leuten bei ihrem oder dem Hobby ihrer Kinder nicht in erster Linie ums Geld“, ist seine Erfahrung. Er glaube nicht, so Tönepöhl, dass die hohen Benzinpreise den Verein stark belasten werden.

Beim SV Fürstenberg bzw. in der SG mit Immighausen würde man sich dem Problem stellen, wenn es auftaucht. „Sollte bei uns jemand das Thema ernsthaft ansprechen und sagen, dass er sich das nicht leisten kann, dann würden wir als Verein eine entsprechende Lösung suchen“, sagt Vorsitzender Till Buckert.

Bei der SG spielten mehrere Akteure, die für die B-Liga weitere Fahrten auf sich nähmen, teils von Wildungen oder Usseln. Auch dabei stehen Fahrgemeinschaften hoch im Kurs. „Der ein oder andere hat die Anwesenheit von 3 auf 2 Mal die Woche beschränkt, aber das wird auf jeden Fall mehr auf den zeitlichen Aufwand als auf den Spritpreis begründet“, so Buckert.

Die Lage aus Sicht der Sportler

Für die Studenten unter den aktiven Handballern seien schon höhere Kosten entstanden, sagt Thomas Tönepöhl aus Sicht der HSG Twistetal. Aber wie auch alle anderen befragten Vereine hat er keine großen Klagen gehört oder gar hinnehmen müssen, dass Spieler nicht mehr bereit sind, zum Training zu fahren.

Tendenz: Je höher der Anteil einheimischer Spieler im Club, umso geringer das Spritkostenproblem. Klarer Vorteil für die kleineren Vereine – und für die Spieler höherklassiger Teams, die ein Salär für Kilometer oder anderen Aufwand erhalten.

Die gute alte Fahrgemeinschaft gewinnt wieder an Bedeutung, erkennt man an den Antworten der Befragten, wobei das in Coronazeiten eigentlich nicht sinnvoll ist, wie Jens Althoff von der SG Wesetal anmerkt. Dort wechseln sich auch die Betreuer und Vorstandsmitglieder bei den Fahrten ab und fahren zusammen. Mehr Spritkosten – weniger Fußball? Die Frage stellt sich für den SG-Obmann grundsätzlich nicht. rage nicht. „Fußball ist unser Hobby. Dafür opfert man schon einiges an Zeit und Geld“, sagt Althoff.

Das sagen auch viele andere wie Jonas Wiesemann. „Bei Spielern in höheren Ligen mit weiteren Fahrten stellt sich vielleicht schon die Frage ob das Hobby einem das wert ist. Mir persönlich ist es das“, sagt der Stürmer des SV Ittertal.

Beim SV Anraff vermeldet Daniela Wende: „Natürlich wird immer darauf geachtet, dass die Autos vollgepackt werden oder mit Kleinbussen gefahren wird.“ Spritgeld bekomme keine Spielerin, so die Co-Trainerin des Frauen-Verbandsligisten, bei dem auch für die Anreise zum Training Fahrgemeinschaften gebildet werden.

„Natürlich überlegt man sich im Moment jede Fahrt mit dem Auto. Für mich selbst käme es nicht in Frage, auf Fußball wegen der hohen Spritpreise zu verzichten“, sagt Sebastian Brindöpke, Spieler von Eintracht Edertal und Vorstand beim SV Anraff. Auch dort gibt es wegen sehr vieler einheimischer Spieler keine Probleme.

Was auch beispielsweise für die FSG Buchenberg/Ederbringhausen gilt, bei der es schon seit einiger Zeit eine Fahrgemeinschaftsgruppe gibt. „Da wird kurz gesprochen, wer fährt, und dann gleicht sich das ziemlich aus, dass jeder mal dran ist“, erklärt Torwart Daniel Bärenfänger.

Er hat gerade für die vielen Fußballer, die in ihrem Heimatort kicken, einen auch sportlich wertvollen Sprit-Spar-Tipp: „Man kann ja auch einfach mit dem Fahrrad zum Training kommen.“ (schä)

Schiedsrichter sollen Tank-Gutscheine erhalten

Wenn im Kreis Waldeck Fußballspiele nicht mit Schiedsrichtern besetzt werden können, wie das auch morgen in der C-Liga wieder der Fall sein wird, dann liegt das nicht an der fehlenden Bereitschaft zum Autofahren aufgrund hoher Spritpreise. Kreis-Obmann Matthias Henkelmann berichtet zwar von mehreren Nachfragen, ob es höhere Kilometer-Spesen gebe. „Es hat mir aber keiner gesagt, dass er wegen der Spritpreise kein Spiel mehr leiten will“, so der Ehringer.

Interessantes berichtet er vom Hessischen Fußballverband. Der HFV habe sich zwar wegen möglicher steuerlicher Probleme für Betroffene dagegen entschieden, Schiris analag zur Erhöhung der Pendlerpauschale 38 statt 30 Cent pro Kilometer zuzugestehen. Eine Sonderregelung steht aber dennoch kurz vor Vollzug. „Wer mehr als 500 Kilometer im Monat als Schiedsrichter fährt, der kann einen Tankgutschein beantragen“, erklärt Henkelmann die angedachte Lösung, die allerdings nach seiner Einschätzung imWaldecker Land kaum einen Unparteiischen betreffen würde. „Im Schnitt kommt man hier auf 25 Kilometer Anreise zu einem Spiel. Selbst beim Austausch mit den Nachbarkreisen fährt man nicht zwingend weiter, weil wir da nur Kameraden einsetzen, die relativ nah an der Kreisgrenze wohnen“, so Henkelmann. Er verwies darauf, dass gemäß HFV-Beschluss zum 1. Juli so oder so die Schiri-Spesen (Pauschale für eine Spielleitung) „spürbar“ erhöht werden. (schä)

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