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Großer Bogensport in Lelbach: BSC Korbach richtet Hessenmeisterschaft aus

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Von: Gerhard Menkel

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Bogenschießen
Nebeneinander vor den Scheiben: Bogenschießen verlangt Konzentration in der Menge. Das © biermann/pr

Waldecks Bogenschützen sind bereit für ein Großereignis daheim: Der Bogensportclub (BSC) Korbach richtet am Wochenende zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte eine Hessenmeisterschaft im Freien aus.

Lelbach - Rund 400 Aktive von den Schülerinnen und Schülern C bis zu den Masters treten auf dem Sportplatz in Lelbach vor die Scheiben.

„So eine große Veranstaltung hatten wir noch nicht“, sagt Simone Kunzel, Vorsitzende des BSC und selbst aktive Schützin. Ihr Klub ist turniererprobt – Ende September laden die Hansestädter (wenn Corona nicht dazwischenfunkt) regelmäßig zum Bogenschießen in der Halle ein –, mit etwa 160 Teilnehmenden ist das Turnier aber eine Nummer kleiner als nun die Titelkämpfe des Hessischen Schützenverbands.

Medaillenvergabe in vier Disziplinen

Vergeben werden Medaillen in bis zu 15 Klassen und vier Disziplinen: vom (olympischen) Recurvebogen über Compound- und Blankbogen bis zum Langbogen (siehe auch Kasten). Die Platzierungen sind das eine, denn die Pfeile fliegen zusätzlich für Startplätze bei den Deutschen Meisterschaften, ja erstmals darüber hinaus: Der Verband habe die Distanzen internationalen Standards angepasst, berichtet Simone Kunzel – in Lelbach könnten also auch etwa EM-Normen erfüllt werden.

Simone Kunzel selbst schießt am Samstag mit dem Blankbogen erstmals bei „Hessischen“ auf eine Distanz von 50 Meter. Zwar habe man im Waldecker Land nur wenige Wochen des Trainings gehabt, um sich auf neue Entfernungen zur Scheibe einzustellen, sagt sie. Dennoch hofft sie, dass sie in der Damenklasse um Gold mitschießen kann.

Neben Senior Hans-Jürgen Lernet, der mit dem Recurvebogen auf die DM-Qualifikation hofft, und dem Langbogenschützen Kar-Heinz Zirankewitsch vertritt außerdem ein junger Flüchtling aus der Ukraine den BSC: Oleksandr Kotenko (16) startet in der Klasse Recurve Jugend. „Er schießt seit sechs Jahren und kann das sehr gut“, sagt Vorsitzende Kunzel.

SV Arolsen stellt das größte Aufgebot

Das größte Aufgebot aller Vereine stellt mit 21 Startern der SV Arolsen. Unter den Medaillenkandidaten ist das Trio Marc Siebert, Achim Nikolaiczek und Jan Heimbeck als amtierender deutscher Mannschaftsmeister und Titelverteidiger in der Masterklasse Recurvebogen ein Topfavorit. Vor allem Nachwuchs bringt der SV Rot-Weiß Eppe an den Start. Im neunköpfigen Aufgebot scheint Felix Figgen die besten Medaillenchancen zu besitzen, der Landeskaderschütze erzielte bei den Bezirksmeisterschaften als A-Schüler starke 532 Ringe.

Geschossen wird am Samstag und Sonntag jeweils ab 9 Uhr. Simone Kunzel wünscht sich, dass viele Zuschauer die Gelegenheit nutzen, um sich bei Spitzenleistungen über den Bogensport zu informieren. Das Catering haben die Handballer des TSV Korbach übernommen. Mitspielen dürfte das Wetter zumindest in einer Hinsicht, Simone Kunzel sagt es so: „Die Hauptsache ist, dass es trocken bleibt.“  mn

Bogenschießen: Die drei wichtigsten Disziplinen

Recurvebogen: Der Bogen ist als einziger bei Olympischen Spielen zugelassen. Er besteht aus mehreren Bestandteilen, Herzstück ist das Mittelstück, an dem oben und unten jeweils ein Wurfarm befestigt ist. Die Sehne macht den „einfachen“ Bogen komplett. An dieser dürfen zwei Nockpunkte befestigt werden, zwischen denen später der Pfeil „eingenockt“ wird. Zu den weiteren Bestandteilen gehören die Pfeilauflage, ein Visier, die Stabilisatoren und ein Button, der den Pfeil während des Abschusses stabilisiert. Die Sehne wird mit drei Fingern gezogen, als Schutz dafür gibt es einen Tab (Fingerschutz). Geschossen wird in der Damen- und Herrenklasse auf eine Distanz von 70 Metern, das Zentrum (10) hat einen Durchmesser von 12,2 Zentimetern, das entspricht der Größe einer „CD“.

Compoundbogen: Er besteht aus einem Mittelteil und zwei Wurfarmen, die über die Wurfarmtaschen und -schrauben miteinander verbunden sind. Am Ende der Wurfarme sind die Rollen (Cams) montiert. Das obere und untere Cam ist über Kabel und Sehne miteinander verbunden. Die Sehne wird beim Schuss ausgezogen, die Kabel halten das System zusammen. Das Compound-Cam funktioniert nach dem Hebelgesetz und verhält sich wie ein starrer Hebel, während es sich beim Ausziehen des Bogens nach außen dreht. Im Verlauf des Auszugs wird die Kraft am größten. Der Einsatz von Scope (Zieloptik mit Wasserwaage und Vergrößerung) und Peep (Sehnenlochvisier) ermöglicht ein genaues Zielen. Der Compoundbogen entfaltet seine Präzision erst dadurch, dass er mit einem Release (Lösehilfe) geschossen wird. Wie beim Recurvebogen ergänzen Stabilisator und Dämpfer den Wettkampfbogen. Geschossen wird auf 50 Meter Entfernung, das Zentrum (10) hat einen Durchmesser von 8,0 Zentimeter.

Blankbogen: Bestandteile ähnlich wie beim Recurvebogen mit einem Mittelstück, an dem zwei Wurfarme befestigt sind. Zu den weiteren Bestandteilen gehören Pfeilauflage und Button, der den Pfeil während des Abschusses stabilisiert. Die Sehne wird mit drei Fingern gezogen, als Schutz dienen Tab oder Handschuh. Da beim Blankbogen kein Visier verwendet werden darf, ist es erlaubt, die Zugfinger auf der Sehne in der Höhe (String-Walking) zu variieren. Je höher die Hand in die Sehne eingreift, desto höher bzw. weiter fliegt der Pfeil. Ebenfalls muss der Schütze nicht zwingend unterhalb des Kinns ankern, sondern darf die Hand auch unterhalb des Auges (Face-Walking) platzieren. Geschossen wird auf eine Distanz von 50 Metern, das Zentrum (10) ist genauso groß wie beim Recurvebogen. Quelle: DSB

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