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Feldspielerin Chantal Michel wechselte in Torwartrolle und hielt Wildunger Sieg fest

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Durch die Lappen gegangen: Chantal Michel (links) liebt das Spiel in der Abwehr, aber auch sie muss immer mal wieder eine Gegnerin ziehen lassen.
Durch die Lappen gegangen: Chantal Michel (links) liebt das Spiel in der Abwehr, aber auch sie muss immer mal wieder eine Gegnerin ziehen lassen. © Kaliske

Wenn du im Tor statt im Feld spielst, betrachtest du die Abwehrarbeit mal ganz anders. Diese Erkenntnis hat Handballerin Chantal Michel gemacht.

Wer geht jetzt ins Tor? Als Trainer Klaus Reinicke diese Frage beim jüngsten Bezirksoberligaspiel der Handballerinnen der HSG Bad Wildungen II in Heiligenrode stellte, weil sich die einzig verbliebene Torfrau Josephine Lerch verletzt hatte, war Chantal Michel nicht die erste, die blitzartig die Hand noch oben reckte und“ ich, ich, ich“ rief. Aber die 22-jährige Rückraumspielerin wurde von ihrem Coach an- und ausgeguckt.

Er wusste scheinbar, warum er seine beste Abwehrspielerin (Reinicke) für diesen Noteinsatz zwischen den Pfosten ausgewählt hatte. Denn sein Rumpfteam gewann nicht nur das Spiel 34:28, sondern er bezeichnete die Entscheidung Michel ins Tor zu stellen als einen „wegweisenden Moment für unser Spiel und wahrscheinlich war es die Schlüsselszene“.

Trainer Reinicke bescheinigt ihr großen Anteil am Sieg

Michel winkt ab, sie möchte für ihren Keeper-Auftritt nicht ganz so hoch gehoben werden. „Klar, ich habe ein paar Bälle gehalten, aber auch einige durchgelassen“, sagt die gebürtige Anrafferin bescheiden. Ihr Trainer hatte mitgezählt: Sie hielt elf Bälle. Eine Siebenmetertöterin war sie allerdings nicht. Drei Würfe, drei Tore. Dennoch betonte Reinicke, Michel habe einen großen Anteil daran gehabt, dass die Abwehr überragend funktionierte.

Dieser Satz könnte eine Erklärung dafür sein, warum der Coach Michel ins Tor gestellt hat. Sie steht normalerweise im Mittelblock und gibt die Kommandos im Abwehrverbund. Diese Frau weiß also, wie gutes und gemeinsames Verteidigen geht. Dieses Verhalten hat sie mit in den Kasten genommen. „Ich habe das ganze Spiel über nur gebrüllt von hinten“, erzählt sie schmunzelnd.

Allein schon diese Stimme war ja allen Mitspielerinnen sehr vertraut und sie hat auch etwas Resolutes: „Wenn bei uns im Mittelblock was gesagt wird, dann haben die anderen auch zu spuren.“ Allerdings hat ihr die Torwartposition neue Blickwinkel auf die Defensivarbeit gewährt. „Hinter der Abwehrformation zu stehen, war anfangs ungewohnt, aber dann auch irgendwie cool.“ Dort sah sie Lücken im Verbund, die sie sonst nie zu sehen bekommt. „Ich konnte auch gut sehen, wer richtig arbeitet und wer nicht.“

Nochmal ins Tor? Muss nicht sein

Außerdem habe sie den einen oder anderen Ball auch gehalten, weil sie in diesem Moment als Feldspielerin gedacht habe. „Ich habe überlegt, wo würde ich den Ball jetzt hinwerfen, das hat ein paar Mal funktioniert.“ Kam bei ihre nie das Gefühl der Angst hoch, wenn die schnellen Wurfgeschosse auf einen zu fliegen? „Die war nicht so groß, aber spürbar, ich habe einfach nur gehofft, dass mir keine ins Gesicht wirft.“

Jeder Ballspieler mag auch Ballbesitz. Warum macht es Chantal Michel mehr Spaß hinter dem Ball herzulaufen? „Ich fühle mich hinten immer sicherer. Dort übernehme ich auch Verantwortung für alle anderen.“

Außerdem mache es ihr viel Spaß, als Team den Ball zu erobern oder die Gegnerinnen zur Verzweiflung zu bringen. „Es ist doch egal, ob man ein Tor wirft oder den Ball erobert, beides kann man feiern. Bei uns werden gute Defensivleistungen gesehen und auch anerkannt.“ Michel hat zwar viel Lob für ihr erstes Ligaspiel als Torfrau erhalten, aber „ein zweites muss nicht sein“. (Reinhard Schmidt)

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