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Handball: HSG Bad Wildungen in der Aufstiegsrunde – Korbach hat Nachsehen

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Von: Gerhard Menkel

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Raphael Harbecke (Korbach) kommt nicht gegen die Wildunger Florian Heß und Christian Hartung durch.
Ausgebremst: Raphael Harbecke (Korbach) kommt nicht gegen die Wildunger Florian Heß und Christian Hartung durch. Ein Bild mit einer gewissen Symbolkraft. © bb

Am Ende ging es nach den Statuten: Die HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim steht in der Aufstiegsrunde der Handball-Bezirksoberliga Männer.

Der TSV Korbach muss dagegen ab 23. April gegen den Abstieg spielen. Den Ausschlag gab nach Abschluss der Hinrunde bei gleichem Punktquotienten die bessere Tordifferenz der Südwaldecker, wie Bezirksspielwart Markus Kreile mitteilte.

Die Quotientenregelung musste der Bezirk Kassel-Waldeck anwenden, nachdem die HSG ihre zwei Nachholspiele am Freitag in Baunatal und am Sonntag in Wehlheiden wegen zweier Coronafälle abgesagt hatte. Noch einmal konnten die Partien nicht angesetzt werden, weil der Hessische Handball-Verband das Ende der Hinrunde auf den 3. April datiert hat.

Die HSG kommt deshalb nur auf 12 Partien., sie weist 12:10 Punkte (mit Abzug von zwei Zählern) vor, Korbach bei 14 Begegnungen 14:14. Der Punktquotient lag bei beiden Teams also bei 1,0, als nächstes Kriterium war in diesem Fall laut Kreile die Tordifferenz heranzuziehen und nicht der direkte Vergleich. Dieser wird normalerweise bei Punktgleichheit angewendet. Die Bad Wildunger haben 30 Treffer mehr erzielt als kassiert, bei Korbach ist die Tordifferenz negativ (-11); die HSG lag freilich beim Direktvergleich ebenfalls vorn.

Dass am Ende die Statuten und nicht nur die Ergebnisse das Abschlussranking in der Gruppe 1 der BOL bestimmt haben, löste bei den Korbachern große Enttäuschung und bei der HSG gedämpfte Freude aus. „Wir sind zutiefst gefrustet und können die Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagte TSV-Trainer Robert Müller. Sein Wildunger Kollege Harald Meißner sagte, den Frust könne er nachvollziehen. „Wir hätten definitiv auch lieber gespielt, aber wir durften ja keine Spiele mehr nachholen.“

Korbachs Trainer Müller: Alles andere als fair

Wohl und Wehe der Korbacher hingen an den beiden Nachholpartien des Konkurrenten aus dem Waldecker Süden. Sie hätten an dessen Stelle die Playoffs erreicht, wenn die HSG am Wochenende weniger als zwei Zähler geholt hätte. Die theoretische Chance hätten sie sich schon noch ausgerechnet, so Müller. Zumal die Wildunger es im Zweiten und Dritten der Tabelle mit zwei Gegnern zu tun hatten, gegen die man verlieren könne.

Porträt Robert Müller
Robert Müller, Trainer des TSV Korbach. © Artur Worobiow

„Wenn es Coronafälle gibt, geht die Gesundheit vor“, betonte Müller. Dass nun aber diese entscheidenden Spiele einfach abgesagt worden seien, empfinde er „alles andere als fair“. Vor allem, weil vorher „so ein Druck“ ausgeübt worden sei, die Spiele der Hinrunde über die Bühne zu bringen. Mit seiner Mannschaft sei er etwa an einem Dienstagabend um 21 Uhr in Baunatal angetreten oder habe mit nur einem Torhüter im Kader gespielt.

Verschärft der Verband die Corona-Regelung?

Der Hessische Handball-Verband (HHV) war bei Spielabsagen aufgrund von Corona bisher großzügig. Eine Infektion im Kader, nachgewiesen durch den Bürgertest, reichte aus, damit der betroffene Verein die Partie canceln konnte. Der Gegner musste nicht zustimmen, der Klassenleiter tat es meist.

Längst steht die Frage im Raum, ob diese Regelung missbraucht worden ist. Zumal einige Hinrunden, auch im Bezirk Kassel-Waldeck, nicht auf dem Parkett zu Ende gespielt worden sind. „Da sind die Vereine mit in der Verantwortung“, sagte Bezirksspielwart Markus Kreile. Das ist nach seinen Worten vor allem da der Fall, wo die Klubs die Nachholtermine zu spät gelegt hätten.

Der HHV stellt nun die Absageregeln auf den Prüfstand. Noch in dieser Woche wolle das Präsidium darüber beraten, heißt es auf der Verbandsseite im Internet. Kreile rechnet damit, dass die Bestimmungen verschärft werden – etwa analog zum Fußball. Die Kicker müssen in Hessen fünf Infektionen bei Spielern nachweisen, die auf dem letzten Spielbericht standen. Der Klassenleiter muss eine Absage in jedem Fall genehmigen.

Auf- und Abstiegsrunden im Handball starten am 23. April – mit teils strammem Programm. Die Bezirksoberliga der Männer etwa soll es an acht Wochenenden hintereinander schaffen. „Ob das so reibungslos durchgeht, würde ich bezweifeln“, sagt der Wildunger Trainer Harald Meißner.. „Corona ist mit dem Ende der Vorrunde nicht weg. Es wird uns weiterhin auf Trab halten.“

Kein Thema mehr ist die 3G-Vorschrift im Handball. Der HHV hat sie am vergangenen Wochenende auf Grundlage der neuen hessischen Coronaregeln ausgesetzt. Für den Zuschauerbereich dürfen die Vereine „in Absprache mit den zuständigen Behörden die Regelungen selbst festlegen“. (mn)

Zwar räumte Müller ein, dass sein Team sportlich seinen Anteil an der verpassten Aufstiegsrunde habe. Dennoch sei für ihn und die Spieler nicht nachvollziehbar, wie schließlich das Aus für die Playoffs zustande kam. „Besonders wenn wir sehen, was wir für einen Aufwand betrieben haben.“

Die Kritik von Korbachs Trainer läuft vor allem auf die späte Ansetzung der Wildunger Nachholpartien kurz vor Ultimo hinaus. Dafür könne die HSG nichts, sagte deren Trainer Meißner: „Wir haben ja die Termine von Baunatal und Wehlheiden so spät gelegt bekommen.“ Das sei unglücklich, zumal sein Team im März drei Wochen lang gar nicht gespielt habe.

HSG-Trainer Meißner: Wollten eine sportliche Lösung

Meißner verwies darauf, dass die termingerechte Austragung – das Gastspiel in Baunatal wurde insgesamt dreimal angesetzt – wegen Coronafällen beim Gegner nicht geklappt habe. „Wir hätten zumindest ein Spiel vorher gespielt haben wollen. Jetzt stehen wir als diejenigen da, die das nicht mehr umsetzen konnten.“

Porträt Harald Meißner
Harald Meißner, Trainer der HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim. © bb

Die Absage der letzten Termine durch die HSG verteidigte Meißner. Man habe die ein oder andere Partie bestritten, obwohl jeweils eine Infektion im Kader vorgelegen habe. „Jetzt waren es halt zwei. Das war uns zu heikel, da mussten wir absagen.“

Den Wunsch nach erneuter Verlegung habe der Bezirk unter Hinweis auf das Hinrundenende am Sonntag abgelehnt. „Eine sportliche Lösung wäre uns allen lieber gewesen“, bekräftige Meißner und befand: Zumindest teilweise sei sie ja durch den besseren direkten Vergleich mit Korbach gegeben. (mn)

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