Neu-Coach Ufuk Kahyar will Klasse halten

Auf in die Saison II: „Jedes Spiel ist ein Endspiel“ für die Frauen der HSG Twistetal

Gruppenbild der Handballmannschaft der HSG Twistetal Frauen
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Das Team der HSG Twistetal in der neuen Saison der Frauen-Landesliga – hinten von links: Torwarttrainer Patrick Fingerhut, Leonie Schäfer, Alice Wilke, Laura Zähler, Kim Hering, Svenja Isenberg, Hanna Brida, Hanna Happe, Trainer Ufuk Kahyar; vorne von links: Meike Voss, Anna-Lena Reese, Sofie Grabarz, Sophia Martel, Johanna Gleumes, Gina Meier, Alicia Scheele und Judith Happe.

378 Tage ist es her, dass die Handballfrauen der HSG Twistetal in der Landesliga Nord zum letzten Mal gewonnen haben. Jetzt fiebern sie der neuen Saison entgegen in der es viel Neues gibt.

Dass der letzte Sieg so lange her ist, liegt freilich weniger am Können des Teams, als vielmehr an den Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die Handballsaison 2020/21 im vorigen Oktober schon nach dem ersten Spieltag wieder lahm legte. Seitdem gab es für die Twistetalerinnen viel Pause, viel Online-Training gegen die Langeweile und dann viel Lust auf die neue Saison.

Und einen neuen Trainer gab es auch. Aber einen, der ein alter Bekannter ist: Ufuk Kahyar. Der ehemalige Landesliga--Spieler des TSV Korbach hat das Team bereits von 2014 bis Anfang 2017 gecoacht. Zuletzt war er nach einer Pause bei der zweiten HSG-Frauenmannschaft als Betreuer wieder sachte eingestiegen, um dann doch früher als gedacht wieder zum einem „hauptamtlichen“ Trainerjob zu kommen – Ende August in der zweiten Woche der Vorbereitung, nachdem sich HSG und Hans-Jürgen Hübner schnell wieder getrennt hatten.

Kahyar scheint Lust zu haben auf die Aufgabe, rasselt beim Stichwort seine gesamte Philosophie herunter und erklärt seine taktischen Gedankenspiele. „Ich habe nur zehn Wochen Vorbereitung, eigentlich ging sie aber viel länger. Das war für die Mannschaft schon eine besondere Situation“, sagt der 37-jährige Twister. „Die Kunst war und ist es, die Motivation hochzuhalten.“ Er habe den Spielerinnen in all den Wochen angemerkt, wie froh sie seien, dass bald wieder richtig gespielt wird.

Schon fast richtig gespielt haben die HSG-Frauen in drei Testspielen. Anfang September und noch einmal fünf Wochen später gegen Bezirksoberligist HSG Ederbergland (28:19, 39:22) sowie am vergangenen Samstag gegen den Süd-Landesligisten HSG Dreieich (24:23). Kahyar freut sich nicht nur über die positiven Ergebnisse. „Die Mädels haben sehr gut mitgezogen.“

Twistetals Trainer Kahyar: Kader soll variabel aufgestellt sein

Dass ist nicht unwichtig, denn es gab einiges zu lernen im Training, in dem Frauen der ersten und der zweiten Mannschaft (Korrektur: sie spielt nicht außer Konkurrenz) gemeinsam in der Halle sind. Für den 16-köpfigen Kader der Landesliga hießen die Hauptaufgaben: Tempospiel ausweiten, mehrere Abwehrsysteme ins Gedächtnis hämmern.

„Ich werde vieles beibehalten, möchte aber noch mehr Struktur im Angriffsspiel und wünsche mehr mehr Aggressivität im Abwehrverhalten, weil wir körperlich unterlegen sind“, macht Kahyar, der drei Abwehrformationen einstudieren lässt, kein Geheimnis aus seinen taktischen Plänen. Insgesamt soll alles in einer offensiveren Verteidigung münden, „um daraus ins Tempospiel zu kommen“.

Für den Angriff wünscht sich der Trainer, dass die Last nicht immer an ein, zwei Spielerinnen hängt. „Wir müssen versuchen, es mehr im Verbund zu lösen, da passt es gut, dass wir einige sehr variabel einsetzbare Spielerinnen haben.“ Nicht so leicht auszurechnen sein will Kahyar für gegnerische Mannschaften.

Jana Schröder soll am Kreis aushelfen

Gleich zu Beginn ist beispielsweise am Kreis Flexibilität gefragt, denn in Alice Wilke hat die HSG Twistetal bereits die erste Verletzte zu beklagen. Nach starker Vorbereitung zog sie sich einen Bänderriss zu und fehlt zumindest in der ersten Saisonhälfte. Neben Laura Zähler, so Trainer Kahyars Vorstellung, soll vor allem Jana Schröder, die sonst eher auf Rechtsaußen zuhause ist, als Kreisläuferin fungieren.

Neben Alice Wilke, die aus der zweiten Mannschaft aufgerückt ist, ist Sophia Martel der zweite Neuzugang bei den Twistetalerinnen. Das Torhüter-Talent, das von der A-Jugend von Germania Fritzlar kommt, sei sehr positiv aufgefallen in der Vorbereitung und habe gute Fortschritte gemacht, so Kahyar.

Den Neuen gegenüber stehen drei langjährige Leistungsträgerinnen, die nicht (mehr) zur Verfügung stehen, sodass der HSG-Kader nicht größer geworden ist. Aus der zweiten Mannschaft werden immer wieder Spielerinnen aushelfen, davon geht der Trainer aus. „Es gibt da aber einige, die das Potenzial haben“, so Ufuk Kahyar.

Kleiner ist auch das Feld der Landesliga Nord, die sich im neuen „Corona-Modus“ auf zwei Fünfergruppen aufteilt. Drinbleiben heißt das Ziel. „Zwei Teams müssen wir hinter uns lassen. Jedes Spiel ist ein Endspiel“, sagt Kahyar mit Blick auf die Saison, die für die HSG-Frauen am 6. November gegen Topfavorit Vellmar beginnt. „Wir wissen, dass es auch schwierige Momente geben wird. Da gilt es, den Kopf oben zu behalten“, bleibt der Trainer realistisch. Er glaubt aber daran, dass seine Truppe konkurrenzfähig ist, „wenn wir von häufigen Verletzungen verschont bleiben“. Und er kennt den Mehrzweckhallenfaktor: „Vor allem die Heimspiele sind natürlich wichtig für uns. Die Mühlhäuser Halle ist bekannt dafür, dass sie einen auch mal zum Sieg tragen kann.“ (Dirk Schäfer)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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