Saison wird nicht gewertet

Hessischer Handball-Verband setzt Spielbetrieb bis 5. April aus

 Twistetaler Landesligaspielerin Kim Hering (Mitte) gegen die TSG-Akteurinnen Melina Wilke (links) und Sandra Hentschke 
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Freie Bahn: Die Twistetaler Landesligaspielerin Kim Hering (Mitte) hat sich beim bisher einzigen Saisonspiel der HSG am 17. Oktober 2020 gegen Dittershausen (25:20) gegen die TSG-Akteurinnen Melina Wilke (links) und Sandra Hentschke durchgesetzt.

Am heutigen Mittwoch wurde das offiziell, was schon länger klar war: „Die Saison wird nicht gewertet“, teilte der Hessische Handball-Verband (HHV) mit. Grund ist der bis zum 15. März verlängerte Lockdown wegen der Corona-Pandemie.

Korbach – Eine umfassende Wiederaufnahme des Spielbetriebs sei deshalb nicht möglich. Folglich kann auch keine Halbserie im Erwachsenen-Handball ausgetragen werden, die der Verband als Basis für eine Wertung der Saison festgelegt hatte. In der Konsequenz kann es weder Auf- noch Absteiger und natürlich auch keine Meister geben. Die Zusammensetzung der Ligen bleibt somit gleich.

Die Saison 2020/2021 werde zwar nicht gewertet, aber auch nicht abgebrochen. Ein Abbruch sei „in den Durchführungsbestimmungen, die unantastbar sind, nicht vorgesehen und würde deshalb zu juristischen Problemen führen“, erläutert Präsidiumsmitglied Peter Sauerwald. Der HHV hat den Spielbetrieb deshalb nun erst einmal weiterhin bis mindestens zum 5. April ausgesetzt, schwer verständlich für Außenstehende.

Die Vereine können somit, wenn es die Coronalage bis dahin erlauben sollte, frühestens am Dienstag nach Ostern wieder ihren Spielbetrieb aufnehmen. Das erscheint zwar als sehr unwahrscheinlich, die derzeitigen Spielpläne bleiben aber für alle Fälle bis zum offiziellen Saisonende am 30. Juni bestehen. Sie sollen für die Klubs ein Anreiz sein „und Spielmöglichkeiten bieten“, so Sauerwald, „damit sie auf freiwilliger Basis kein Jahr Handballpause machen“. Seit Saisonbeginn Mitte Oktober fanden nur vereinzelte Begegnungen statt.

Wenn die Vereine ohne Wertung spielen wollen, sollen sie vorher die Möglichkeit „zu einer dreiwöchigen Trainingsphase haben“, so Sauerwald, je nachdem, wann die jeweiligen Hallen wieder geöffnet werden würden.

Zu den nach Ostermontag (5. April) vorgesehenen Qualifikationsspielen der Jugend trifft der HHV in seiner Mitteilung keine Aussage. Sauerwald, der auch Vorsitzender des Handballbezirks Kassel-Waldeck ist, hofft jedoch, dass die Begegnungen ausgetragen werden können. Die Saison 2020/2021 war im Jugendbereich bereits im Januar vom Verband für beendet erklärt worden.

„Dann verlieren wir die Kinder“

„Wenn das nicht funktioniert, verlieren wir die Kinder für den Handball“, sagt der 72-jährige Rentner aus Fuldatal. Überhaupt fürchtet Sauerwald, dass, je länger der Lockdown und die Handballspielpause dauert, umso mehr Jugendliche der Sportart den Rücken kehren „und zu Hause bleiben werden“.

In Abstimmung mit den interessierten Oberligavereinen möchte der HHV je einen Aufsteiger im Männer- und Frauenbereich für die 3. Liga sportlich wohl in Form einer Aufstiegsrunde ermitteln. Eventuell weitergehende Beschlüsse sollen gegebenenfalls nach der nächsten Gesprächsrunde der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung gefasst werden. (jh)

Feld- oder Beachhandball als Alternative

Wir haben uns zu der HVV-Entscheidung und ihrer derzeitigen Situation bei einigen heimischen Vereinen umgehört.

Klaus Reinicke, Trainer Frauen HSG Bad Wildungen/F./B.

Klaus Reinicke, Trainer des Frauenteams HSG Bad Wildungen II, hat Verständnis für die Entscheidung des HBV, die Saison auszusetzen. Er möchte seinen Handballerinnen aber so schnell wie möglich wieder Mannschaftstraining und Spielpraxis anbieten. Daher begrüßt er das Angebot des Verbands, die Ligabegegnungen als Freundschaftsspiele auszutragen.

„Wenn es sein muss auch ligaübergreifend oder auch als Kleinfeldvariante draußen, falls die Hallen noch länger geschlossen bleiben“, sagte der Trainer des Bezirksoberligisten. Dieser Aspekt ist ihm deshalb so wichtig, weil seine Mannschaft das letzte Punktspiel im März 2020 bestritten hat, danach nur noch wenige Trainingsspiele.

Das Team befindet sich weiterhin im individuellen Trainingsmodus. Die Spielerinnen zögen aber trotz der langen Corona-Pause weiterhin gut mit, denn eine Leistungsdiagnostik im Januar habe allen einen guten Fitnesszustand bestätigt, lobt der Trainer. Er weist aber darauf hin, dass durch individuelles Training natürlich nur ein Bruchteil davon abgedeckt werden könnte, was man alles für ein Handballspiel benötige.

Die Stimmung in Team beurteilt der Coach weiterhin als gut. Er hat bisher auch noch keine Spielerin in der Corona-Krise verloren, im Gegenteil: „Die Planung für die kommende Saison ist bereits abgeschlossen und keine Spielerin wird uns verlassen.“ Dafür tun die HSG-Verantwortlich aber auch einiges. So findet ein virtuelles Training statt, darunter auch taktische Schulungen und Workouts.

Und die soziale Komponente wird bei den Badestädtern ebenfalls berücksichtigt. „Wir sehen uns ein- bis zweimal pro Woche bei Videokonferenzen, das kommt in der Mannschaft gut an“, sagt Reinicke. „Wir haben sogar eine virtuelle Weihnachtsfeier gefeiert.“

Andrea Hartmann, Trainerin HSG Twistetal Frauen

Andrea Hartmann blickt hingegen skeptischer auf das auch von ihr herbeigesehnte Ende des ruhenden Amateursports. „Ich denke, es dauert noch Monate bevor der Breitensport wieder normal läuft, das ist nicht schön und ich wünsche es mir auch nicht, aber es ist vernünftig, denn die Wiederöffnung der Schulen und Firmen ist natürlich wichtiger“, sagt die Trainerin der Landesliga-Handballerinnen der HSG Twistetal. „Der Verband konnte gar nicht anders entscheiden als die Saison vorzeitig zu beenden.“

Das HSG-Team hat zumindest ein Saisonspiel bestritten. Darüber muss die Trainerin schmunzeln. Die gute Laune und die körperliche Fitness bei ihren Spielerinnen zu bewahren, ist ein wichtiges Ziel von Hartmann und der zweiten Trainerin Nina Dittmann. Dafür nutzen auch sie verstärkt das Internet. „Die Mädels treffen sich zweimal die Woche per Videokonferenz und wir schalten uns immer mal wieder dazu“, erzählt Hartmann.

Außerdem wollen sie die Spielerinnen durch Trainingsvideos in Bewegung halten. Und sogar der sportliche Wettkampf ist weiterhin bei der HSG aktiv, denn die Coaches versuchen den Ehrgeiz durch Challenges zu wecken. „Wir stellen Aufgaben, beispielsweise in der Woche mindestens zehn Kilometer zu laufen und da pushen sich die Mädels auch gegenseitig.“

Das Angebot des HBV „Freundschaftsspiele statt Ligaspiele“ würde auch Hartmann gern in Anspruch nehmen. Natürlich weiß sie als Trainerin, dass Spielpraxis das A und O für ein harmonierendes Team ist.

Falls das Mannschaftsspiel unter freiem Himmel wieder eher erlaubt sein sollte, als dass die Hallen geöffnet werden, ist Hartman auch dafür, den Feldhandball auf dem Kleinfeld wieder zu beleben. Doch dann fällt ihr noch eine andere Variante ein: Beachhandball. Handball auf Sandboden ist auf dem neu errichteten Bolzcourt Korbach möglich. „Wir haben dort auch schon trainiert, das ist eine gute Alternative.“

Der Külter Trainer Sigurd Wachenfeld (rechts) redet mit seinen Spielern (v.l.) Sven Ammenhäuser und Bernhard Schwiddessen,

Sigurd Wachenfeld hat schon seit längerer Zeit nicht mehr damit gerechnet, dass in dieser Saison noch einmal gespielt werden kann. „Ich glaube auch aufgrund der gestiegenen Zahlen der britischen Coronamutation nicht, dass im April oder Mai wieder gespielt werden kann. Ich hoffe auf die nächste Saison“, sagt der Trainer des TV Külte.

Sollte es früher möglich sein, wieder zu spielen, würde sich der Coach freuen und hätte auch wie im Vorjahr praktiziert nichts gegen Freundschaftsspiele im Sommer einzuwenden. „Das wäre keine schlechte Sache.“ Dass der Hessische Handball-Verband die Saison „nicht schon längst abgesagt hat und gesagt hat, dass es im Herbst weiter geht“, kann Wachenfeld „nicht verstehen“.

Mit seiner Mannschaft, die kein Spiel bestreiten konnte, tauscht sich der Berufsschullehrer schon seit Monaten nut noch per Smartphone aus. „Die Jungs sind heiß wieder Handball zu spielen und wollen auch alle weiteremachen“, sagt Wachenfeld. (rsm)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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