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Höhere Hürden für Spielabsage: Coronabedingter Ausfall künftig kostenpflichtig

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Handballspiele, die keine Corona-Regeln mehr erfordern sind noch Zukunftsmusik. Allerdings können Vereine die Spiele künftig nicht mehr so leicht absagen.
Handballspiele, die keine Corona-Regeln mehr erfordern sind noch Zukunftsmusik. Allerdings können Vereine die Spiele künftig nicht mehr so leicht absagen. © imago/eibner

Seit Corona unser aller Leben auf den Kopf stellt, wünschen wir uns unser altes Leben zurück. Ein Beschluss des Hessischen Handball-Verbands (HHV) geht in diese Richtung.

Korbach – Die Sonderregelung zur kostenfreien Spielverlegung aufgrund von Corona-Fällen entfällt seit dem 7. April 2022. Doch hinter dieser Entscheidung steckt noch mehr als nur hinzukommende Kosten für einen Verein. Die gab es bei einer Spielabsage oder -verlegung schon immer und sie belaufen sich je nach Liga auf 50 bis 80 Euro.

Die Rückkehr zum alten Handballerleben sieht so aus: Ein durch einen Bürger- oder PCR-Test nachgewiesener Coronafall wird künftig vom Verband so behandelt wie jede andere Krankheit auch. In der soeben abgeschlossenen Hauptrunde der Ligen hatte bereits ein positiver Fall in einer Mannschaft ausgereicht, um ein Spiel abzusagen, das durfte sogar der Betreuer eines Teams sein. Der Klassenleiter konnte die Absage nach Vorlage des Tests mehr oder weniger nur noch abnicken, der Gegner musste nicht einmal informiert werden.

„Das grundsätzliche Recht wegen einem Corona-Fall ein Spiel zu verlegen, ist damit für einen Verein hinfällig“, bestätigt HHV-Geschäftsführer Andreas Hannappel auf Anfrage. Ein Corona-Fall werden künftig so behandelt, wie allen anderen Gründe für eine Spielabsage auch. „Der Verein muss mit dem Klassenleiter und dem Gegner Kontakt aufnehmen, seine Belange vortragen und der Klassenleiter trifft dann eine Entscheidung“, betont Hannappel.

Corona-Erkrankung in Einzelfällen auch missbraucht

Mit diesem Beschluss schließt der Verband eine Lücke, die möglicherweise der ein oder andere Verein missbräuchlich genutzt hat, falls er auch ohne Corona in Personalnot geraten war. Daher spricht Thomas Thönepöhl, Vorsitzender der HSG Twistetal, auch von einem „zweischneidigen Schwert“. Auf der einen Seite gehe es um die Gesundheit von allen Beteiligten, auf der anderen Seite habe auch er den Eindruck gehabt, dass in Einzelfällen ein Corona-Fall auch missbraucht worden sei, um ein Spiel zu verlegen. „Daher hätte ich mir gewünscht, dass eine Absage erst ab drei oder vier Spielern möglich gewesen wäre.“

Während Thönepöhls Meinung bei Robert Müller, Trainer des TSV Korbach, auf Zustimmung trifft, erklärt Steffen Fingerhut, Trainer der Männer der HSG Twistetal, warum er die alte Regelung, Spielabsage bereits bei nur einem Corona-Fall, für sinnvoll hält. Es werde weiterhin passieren, dass nach dem Freitagstraining am Samstag ein positiver Fall auftrete „Wenn man das Spiel nicht mehr absagen kann, nimmt man die Spieler mit, die nach einem Schnelltest negativ sind. Ich behaupte, dadurch steigt das Risiko, dass auch infizierte Spieler auf der Platte rumlaufen, obwohl deren Schnelltest negativ war.“

Müller findet es hingegen richtig, dass ein Verein wegen eines Corona-Falls ein Spiel nicht mehr absagen kann. „Schade, dass diese Regel erst jetzt kommt, zumal nicht überprüft wurde, ob der infizierte Spieler überhaupt im Training oder im letzten Spiel dabei war“ , sagt der Coach, der mit seiner Mannschaft durch die Quotientenregel quasi am Grünen Tisch in der Bezirksoberliga-Abstiegsrunde gelandet ist, nachdem die HSG Bad Wildungen zwei Hauptrundenspiele wegen Corona nicht austragen konnte.

Testen der Spieler war freiwillig

Für den Korbacher Coach steht fest, dass es besser gewesen wäre eine Testpflicht einzuführen. Testen war freiwillig. „Wir haben unsere Spieler oft getestet, auch vor jedem Training, um uns selbst besser zu schützen“, erzählt Müller. Freiwilliges Testen in den eigenen Reihen sei auch die Vorgehensweise bei der HSG Twistetal, bestätigt Fingerhut, der mit seiner Landesligamannschaft die Aufstiegsrunde erreicht hat. Doch bis zum Start dieser Spiele hat der Verband den Handballern eine dreiwöchige Pause verordnet. Die hätte nicht so lang sein müssen, betonen beide Coaches im Hinblick auf mögliche Spielabsagen wegen Corona, die dann eine stressige Runde mit drei Spielen pro Woche zur Folge haben könnten.

Während sich Müller gewünscht hätte, dass der Verband die Vereine bei Entscheidungen mehr miteinbezogen hätte, hat sein Twistetaler Kollege hier eine andere Meinung: „Der HHV muss einen Spielbetrieb leiten und sollte auch vorgeben, so und so wird es gemacht, dann kann jeder Verein planen.“

Tönepöhl weist daraufhin, dass die Corona-Regeln auch im Kopf der Spieler und Betreuer einiges verändert haben. Vor der Pandemie sei es auch schon vorgekommen, dass vier Spieler etwa durch Verletzung, Beruf oder Krankheit ausgefallen seien. „Da hat man selbstverständlich gespielt, das war zwar auch nicht gerecht, aber keiner hat versucht das Spiel zu verlegen, das war einfach nur Pech. Und dahin müssen wir wieder zurückkommen.“ (rsm)

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