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Hurrikan und schweres „Gepäck“: Berndorferin Sina Schramme bei der WM der Kraftsportler in Florida

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Erst die zweite Deutsche bei den Strongman Games: Sina Schramme vor dem WM-Logo in Florida.
Erst die zweite Deutsche bei den Strongman Games: Sina Schramme vor dem WM-Logo in Florida. © pr

Was für ein Erlebnis: Für Berndorfer Kraftsportlerin Sina Schramme brachte die Teilnahme an den Official Strongman Games in Daytona Beach/USA nicht nur sportlich Unerwartetes.

Berndorf - Ihr Fazit: „Nicht nur von den Gewichten her war es der mit Abstand härteste Wettkampf, den ich bisher hatte.“ Aber auch: „Das war eine Reise wert.“

Wegen des Hurrikans Nicole, der Daytona Beach mit voller Wucht pünktlich zum geplanten Wettkampf getroffen hat, musste Sina Schrammes Unterkunft am Strand bereits am Tag nach der Ankunft evakuiert werden, da Überflutungen drohten. Im Ersatz-Hotel war Ausgangssperre und sie damit drei Nächte abgeschnitten von der Außenwelt – alles andere als die Einstimmung nach Maß auf den Wettkampf.

Auch dessen Ablauf musste aufgrund der besonderen Umstände durch das Unwetter geändert werden – zwei Wettkampftage wurden zu einem zusammengefasst. Das heißt, dass 400 Athleten am Samstag alle vier Disziplinen absolvieren mussten, um sich nach Möglichkeit für das Finale der Top zehn am Sonntag zu qualifizieren.

Wettkampf dauert über zwölf Stunden

Die Disziplinen wurden teilweise zeitlich gekürzt, vom Ablauf her vereinfacht oder bei mehreren Gewichten wurde nur das schwerere verwendet. Trotzdem wurde es ein über zwölfstündiger Wettkampftag für Sina Schramme – und das nach teilweise angsterfüllten Tagen und kurzen Nächten mit stark eingeschränkten Möglichkeiten hinsichtlich der Ernährung. Das galt freilich für alle Athleten.

Sportlich sah das Abschneiden der 34-Jährigen Berndorferin, die mittlerweile in Germersheim in der Südpfalz lebt, so aus:

Viking Press (84 Kilo über Kopf drücken): „Leider habe ich keine Wiederholung geschafft, wie auch 13 meiner Mitstreiterinnen in der U73-Klasse. Im Training hatte ich das Wettkampfgewicht geschafft, jedoch war dieses Gerät vor Ort schwerer zu drücken. So blieben zahlreiche Athleten in allen Klassen unter ihren Erwartungen.“

Farmer’s Walk: Bei dieser Disziplin wurden nur mit dem schweren Gewicht (109 Kilo pro Hand) die zweimal 15 Metern absolviert. „Mit knapp 17 Metern in 60 Sekunden bin ich sehr zufrieden und konnte mich in der Tabelle etwas nach vorne schieben“, berichtet Schramme.

17 Meter in 60 Sekunden: Sina Schramme beim „Farmer’s Walk“, einer der WM-Disziplinen.
17 Meter in 60 Sekunden: Sina Schramme beim „Farmer’s Walk“, einer der WM-Disziplinen. © pr

Deadlift (186 kg, 45 Sekunden): Zwei Mal konnte Schramme die Stange leicht anheben, aber nicht vollständig aufstehen, was vorgeschrieben ist. Grund war auch eine kleinere Verletzung im unteren Rücken mit anhaltenden Muskelproblemen, die in den letzten zwei Wochen vor der WM nur eingeschränktes Training erlaubte. „Ich war mental zu unsicher, um hier wirklich alles in die Waagschale zu werfen“, so die Athletin.

Mit Platz 22 und sich selbst zufrieden

Sandbag to Shoulder: Vier Säcke zwischen 80 und 113 Kilo statt ursprünglich fünf waren die Aufgabe (45 Sekunden Zeit). Den ersten Sack hatte Schramme nach gut neun Sekunden geschultert, für den zweiten fehlte am Ende eines langen Tages schlicht die Energie, um die letzten zehn Zentimeter zu bewältigen. „Durch die gute Zeit beim ersten Sack konnte ich mir aber einen Vorteil gegenüber anderen Athletinnen am Tabellenende verschaffen.“

Das Ergebnis: 26 Athletinnen waren angetreten, Sina Schramme konnte bei ihrem Debüt vier hinter sich lassen. „Mit Platz 22 der Welt, vor allem aber mit meiner persönlichen Leistung, kann ich sehr zufrieden sein. Die Umstände waren mehr als schwierig.“ Vor allem die Erfahrung und der Lerneffekt bleiben positiv hängen an der aus dem Waldecker Land stammenden Athletin, die für sich noch viel Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre sieht.

Das Finale am Sonntag verfolgte Schramme mit Begeisterung und auch ein bisschen Neid von der Tribüne aus. Und kam zu dem Fazit: „Mich motiviert diese Erfahrung ungemein, um noch härter an mir zu arbeiten, um eines Tages selbst im Finale zu stehen und dort beispielsweise auch ein 280 Kilo schweres Auto tragen zu dürfen. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden und vor allem stolz, dass ich als erst zweite deutsche Frau mein Land bei der Weltmeisterschaft der Strongwomen vertreten durfte.  red/schä

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