Mit 18 Spieler, Schiedsrichter, Trainer beim TuS Kleinern

Junges Ehrenamt: Fabian Waid hat früh Passion für Fußball entdeckt

Junger Mann (Fabian Waid) im Schiedsrichterdress mit Ball unterm Arm auf dem Sportplatz
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Ob als Schiri, Trainer oder Spieler: Ein Leben ohne Sportverein ist für Fabian Waid undenkbar. Er bringt für den TuS Kleinern eine Menge Arbeitseifer auf.

Mit seinen 18 Jahren ist Fabian Waid bereits Fußballer, Schiedsrichter und Trainer. Ist das nicht zu viel auf einmal? Zumal er in diesen Tagen auch noch sein Fachabitur baut.

Kleinern - Wenn Corona nicht aufgetaucht wäre, müsste sich Fabian Waid jetzt straff organisieren, um Sport und Schule unter einen Hut zu bekommen. Zweimal pro Woche Training mit der A-Jugend der JSG Friedrichtstein/Edertal und zweimal pro Woche Trainer der E-Jugend der JSG Edertal. Außerdem coachen, kicken, pfeifen am Freitag, Samstag und Sonntag. Fußball total.

Waid weiß aber auch, dass er in trotz zeitintensiver Lernphasen nicht auf das Spiel mit dem Ball am Fuß verzichten würde. „Fußball war von klein auf meine große Leidenschaft, ich war nie der Lego-Spieler.“

Solche Menschen wie er werden in jedem Verein händeringend gesucht. Warum es nicht mehr von seiner Sorte gibt, weiß Waid aber auch nicht so genau. „Früher haben eigentlich fast alle Jungen in Kleinern im Verein Fußball gespielt, heute sind es vielleicht noch die Hälfte“, vermutet der 18-Jährige, der im Herbst Wirtschaftswissenschaft an der Universität in Kassel studieren will. Jene Momente, in denen er mit anderen etwas unternimmt, ob auf oder neben dem Sportplatz, mag Waid besonders. Am Vereinsleben liebt er vor allem den Zusammenhalt und die Gemeinschaft.

Und es verwundert nicht, dass dem 18-Jährigen auf die Frage, was er nicht so gern am Vereinsleben mag, auch nach längerem überlegen nichts einfällt. Auch dann nicht, wenn man versucht, ihn ein wenig zu provozieren. Hauptversammlungen gefallen doch keinem Jugendlichen, schon allein der Ablauf ist so steif und formell.

Doch Waid schafft es erneut seinen Zuhörer zu überraschen. „Ich finde so etwas gut, ich bin da anders als viele Jugendliche, bin auch eher ein formeller Typ“, erzählt der Student in spe, der genau wie sein Vater Steuerberater werden will.

Der Papa diente ihm ebenfalls im Sport in einigen Punkten als Vorbild. Auch Markus Waid verkörperte lange Zeit den Multitasking-Typ im Sportverein Spieler, Fabians Trainer bis zur C-Jugend und Vorsitzender des TuS Kleinern.

Auch mal Vorbild für den eigenen Vater

Diesen Job in der Führungsebene kann sich Fabian ebenfalls gut für sich vorstellen, aber dafür hält er sich noch zu jung. „Für diese Aufgabe sollte jemand schon etwas Lebenserfahrung mitbringen und das Vereinsinnenleben gut kennen.“

Allerdings war der Filius auch schon mal das Vorbild für seinen Vater. „Als ich mit einem Kumpel den Schiedsrichterlehrgang gemacht habe, sollte mein Vater uns fahren. Da hat er den Kurs gleich mitgemacht.“ Nun gibt es den Waid-Schiedsrichter beim TuS Kleinern gleich in doppelter Ausführung.

Seit sich Fabian Waid mit Pfeife und Karten auf dem Fußballplatz bewegt, läuft er auch als Fußballer anders übers Grün. „Ich war früher auch eher derjenige, der gegen die Schiedsrichterentscheidungen gemeckert hat, aber seit ich weiß, wie man sich in dieser Rolle fühlt, beschwichtige ich jetzt meine Teamkollegen, wenn sie auf den Schiri losgehen wollen.“

Wie man ein Ehrenamt auch in Ehren hält, davon hat Fabian Waid klare Vorstellungen. „Es sollte stets von anderen anerkannt und nicht einfach so hingenommen werden, nach dem Motto, ja, der macht das schon, aber das interessiert mich alles nicht.“

Ohne Lust und Leidenschaft geht nichts

Der 18-Jährige kommt allerdings auch in Grübeln, wenn er darüber nachdenkt, was er tun könnte, um vermehrt seine Altersgenossen fürs Ehrenamt zu gewinnen. „In der Jugend ist das Ehrenamt für die meisten nicht das, worauf sie sich freuen.“ Eine gute Kommunikation ist für Waid ein Schlüssel, um zumindest bei einigen diese Freude zu wecken. Er findet es auch wichtig, Nachwuchsspielern immer wieder unterschwellig aufzuzeigen, was für eine ehrenamtliche Arbeit notwendig ist, damit sie Fußball spielen können. Dies sollte behutsam geschehen und nicht mit der Holzhammermethode.

„Ich glaube auch, dass mittlerweile viele Leute gerade vor Jugendlichen Respekt haben, wenn sie sehen, dass sie sich für den Verein engagieren. Ich bekomme viel Zuspruch von anderen.“ Die oft genannte Begründung, ich habe keine Zeit für ein Ehrenamt, lässt Waid nicht gelten. „Ich denke, Zeit findet sich immer, aber man muss auch die Leidenschaft dafür mitbringen. Ohne die geht nichts.“

Waid ist sich bewusst darüber, dass dies kecke Worte eines Jugendlichen sind, der noch nicht weiß, wie es sich anfühlt, Familie, Beruf und Ehrenamt und den ganzen Rest gut unter einen Hut zu bekommen.

Für die Zukunft des Ehrenamtes sieht er allerdings schwarz: „Ich befürchte, dass sich die Gesellschaft so entwickeln wird, dass sie für alles was sie tut, Geld bekommen will. Leider.“

Dennoch hört man bei ihm immer wieder eines heraus: Ein Leben ohne Sportverein geht nicht. Egal, welcher? Waid wohnt nicht mehr in Kleinern, sondern in Bergheim. Bahnt sich da früher oder später auch ein Vereinswechsel an? Die Antwort des 18-Jährigen ist deutlich. Die Verantwortlichen beim TuS müssen sich keine Sorgen machen. Der bleibt. (rsm)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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