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Katharina Jacobs: Tennis bedeutet auch Freunde treffen

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Tennisspielerin
Sie mag das Spiel am Netz: Katharina Jacobs vom TV Odershausen spielt gern Doppel, weil sie dabei ihren Lieblingsschlag, den Volley, oft einsetzen kann. © malafo

Nur Talent reicht nicht. Reicht nicht wofür? Die Tennisspielerinnen des TV Odershausen beweisen schon seit Jahren, dass dieser Satz für sie nicht so ganz zutrifft.

Odershausen – Und da gibt es noch mehr scheinbar in Stein gemeißelte Sprüche im Sport, wie etwa, ohne Fleiß keinen Preis oder nur Übung macht den Meister denen Katharina Jacobs und die Geschwister Lena und Theresa Engels eine lange Nase drehen.

Das Trio spielt als Mannschaft mit weiteren Teamkolleginnen schon seit Jahren erfolgreich in der Verbandsliga - aber ohne gezieltes Training. In der gerade abgelaufenen Saison verpassten sie den Meistertitel nur um einen Satz.

„Ich trainiere seit rund 16 Jahren nicht mehr und Theresa und Lena haben seit ihrem 18. Lebensjahr kein Tennistraining mehr“, erzählt Jacobs. Sie suchen und finden den Erfolg spielerisch. „Wir versuchen einfach mehrmals die Woche Tennis zu spielen, unsere Herren in Odershausen sind unsere besten Trainingspartner. Diese Spielpraxis bringt’s und der Spaß steht immer im Vordergrund. Ohne den wären wir als Team nicht so weit gekommen.“

Berufsspielerin war nie ein Ziel

Diese Worte nimmt ein Trainer bestimmt nicht ohne Widerspruch einfach so hin. Dennoch könnte auch er daraus seine Lehren ziehen. Vermutlich funktioniert diese Einstellung nach dem Motto „Versuchs mal mit Gemütlichkeit“ nicht in jeder Sportart, aber sie zeigt einmal mehr, dass der Kopf und nicht nur der Körper im Sport einen großen Einfluss auf Sieg oder Niederlage hat.

Vielleicht darf bei Sportarten mit einem Schläger in der Hand, zumindest in späteren Jahren die Trainingsintensität geringer sein, denn auch die Tischtennisspielerinnen des TSV Vöhl spielen ohne Trainingsaufwand eine gute Rolle in der Verbandsliga.

Berufsspielerin wollte Katharina Jacobs auch nie werden. „Ich habe in jungen Jahren nicht einmal davon geträumt Profi zu werden“, erzählt sie. Stattdessen wurde sie Lehrerin.

Und geerdet war die 33-Jährige schon immer, denn sie hätte durchaus höhere sportliche Ziele erreichen können, spielte in der Jugend bei der SGT Baunatal in der U18-Hessenliga. „Doch innerlich habe ich mich immer mit meinem Heimatverein in Odershausen verbunden gefühlt, Tennis bedeutet für mich auch immer Freundinnen und Freunde treffen.“ Dies ist auch ein Hauptsatz innerhalb der Mannschaft. Den Geschwistern Engels ist kein Weg zu weit, um mit diesem Team in Odershausen Tennis zu spielen. Lena reist immer aus Marburg an und Theresa sogar aus Hanau.

Noch kein Gedanke an Rückzug in die Altersklasse

Diese Vereinsnähe bekam Jacobs als gebürtige Bad Wildungerin quasi in die Wiege gelegt, denn ihre Mutter Petra spielte damals wie heute ebenfalls Tennis und so kam die Tochter gar nicht daran vorbei, schon als Dreijährige auch mal den Schläger in die Hand zu nehmen. Und statt eines Generationskonflikts wuchs daraus eine Generationsharmonie, denn dieses Mutter-Tochter-Duo war lange Zeit ein erfolgreiches Doppel. Überhaupt mag Katharina Jacobs das Spiel zu zweit mehr als das Einzel, weil sie hier den Volley, ihren Lieblingsschlag, viel häufiger einsetzen kann, egal, ob mit der Vorhand oder der Rückhand. „Ich liebe es am Netz zu agieren.“

Es gibt aber auch Schläge, die sie nicht so mag. „Die behalte ich aber besser für mich, das sollen meine Gegnerinnen selbst herausfinden.“ Kaum eine findet aber die Schwächen der Katharina Jacobs heraus, denn die Nummer eins im Team hat in der abgelaufenen Saison fast jedes Einzel ohne Satzverlust gewonnen, nur ein Match in der Liga ging verloren.

Freudenschrei nach gutem Ballwechsel

Wenn das Siegen fast zur Routine wird, kann die Liebe zu einer Sportart erkalten. Das könne ihr nicht passieren, betont Jacobs. Sie empfinde immer noch viele Emotionen beim Tennis und auch stets ein gewisse Demut. Sie sei immer noch zu diesem Gefühlsausbruch fähig, der vergleichbar ist mit dem eines Fußballers, der gerade ein Tor geschossen hat.

„Wenn ich nach einem langen und hart erkämpften Ballwechsel, aktiv den Punkt mache, entschlüpft mir schon auch mal ein Freudenschrei“, sagt die 33-Jährige, die daher auch noch nicht daran denkt, sich in ein Altersklassen-Team zurückzuziehen. „Wenn Theresa und Lena und die anderen weiterhin mitziehen, kann das noch ein Weilchen dauern.“ rsm

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