1. Startseite
  2. Waldeckische Landeszeitung
  3. Lokalsport

Von der Bullenhalle in die Royal Albert Hall: Korbacher Boxidol Manfred Jassmann feiert heute 70. Geburtstag

Erstellt:

Kommentare

Ganz nah dran: Manfred Jassmann (links) kämpfte 1983 gegen den Niederländer Rudi Koopmans um den Europameistertitel. Er lag sieben Runden in Front, verlor aber durch K.o. in Runde acht.
Ganz nah dran: Manfred Jassmann (links) kämpfte 1983 gegen den Niederländer Rudi Koopmans um den Europameistertitel. Er lag sieben Runden in Front, verlor aber durch K.o. in Runde acht. © Holger Nagel

„Europameister der Herzen“ überschrieb die WLZ im vergangenen Jahr einen Rückblick über Manfred Jassmanns Boxkarriere. Auf die blickt er heute zurück, wenn er seinen 70. Geburtstag feiert.

„Manni“ hat durch den Sport viel von der Welt gesehen, dabei Höhen und Tiefen erlebt, Freunde gewonnen und verloren, sich mit Funktionären und Managern angelegt, ist sogar straffällig geworden. Die eine oder andere Enttäuschung hat er selbst provoziert. Besonders im Privatleben würde er aus heutiger Sicht einiges anders machen.Sportlich ist er aber nach wie vor von seinem Werdegang überzeugt. „Ich wollte eigentlich nur fünf Jahre als Amateur boxen, es sind am Ende sieben geworden.“

Er und sein Bruder Reinhard haben in den 80er-Jahren mit ihren Leistungen im Ring ihre Heimatstadt Korbach zu einer bundesweit angesehenen Boxhochburg wachsen lassen. Sie sorgten mit der Mannschaft des TV Korbach in der Bundesliga für Furore. In jenen Tagen gründeten Gönner einen Förderkreis, der die Boxer finanziell unterstützte. Und als Jassmann ins Profilager wechselte, vergaß er seine Amateurstaffel nicht, zahlte persönlich in die Staffelkasse ein und veranlasste seinen neuen Manager dazu, eine Ablösesumme in diese Kasse zu zahlen. „Ich habe der Korbacher Mannschaft auch immer wieder Verstärkungen besorgt.“

Er feiert heute seinen 70. Geburtstag: Manfred Jassmann.
Er feiert heute seinen 70. Geburtstag: Manfred Jassmann. © Andreas Fischer

Vor dem Schritt ins Profilager hatte ihn der damalige Bundestrainer Dieter Wemhöner gewarnt: „Als Profi wirst du viele Freunde und deinen Status als Boxidol in der Heimat verlieren.“ Da war schon was dran, obwohl Jassmann nach wie vor zu fast allen Entscheidungen seiner Karriere steht und eigentlich nur ganz wenig anders machen würde, wie er vor einem Jahr verraten hat. „1987 habe ich zu viel gewollt, sieben Profikämpfe in einem Jahr waren zu viel, danach war ich völlig platt.“

Doch einer wie er ließ sich nie kleinkriegen. Auch nicht in seinem allerletzten Fight gegen Derek Angol in London. Er befand sich auf der Siegerstraße, als ihn der Ringrichter ohne ersichtlichen Grund stoppte. Das Urteil: technischer K.o.

Manfred Jassmann: 184 Amateur- und 44 Profikämpfe

Jassmann zeigte eine sportliche Reaktion, legte sich in den Ringstaub und drückte dort 40 Liegestütze ab, die letzten zehn einarmig. „Ich war noch fit, der Sieger angeknockt“, erinnert sich der 70-Jährige an ein trauriges Ende seiner großen Boxkarriere.

184 Kämpfe als Amateur mit 142 Siegen, 37 Niederlagen und 7 Unentschieden; 44 Fights als Profiboxer mit 32 Siegen (davon 19 durch K.o.), zehn Niederlagen und zwei Remis. Das sind die Zahlen einer Laufbahn, gespickt mit Meistertiteln, Länderkämpfen, EM-Starts, einer verpassten Amateur-WM wegen eines Handbruchs und ein verhinderter Olympiastart in Moskau 1980 nach dem Boykott vieler westlicher Länder.

Bei den Profis nahm Jassmann mehrere vergebliche Anläufe in verschiedenen Gewichtsklassen auf den EM-Titel. Was einst im Ring der Korbacher Bullenhalle begonnen hatte, fand in der Frankfurter Festhalle, der Düsseldorfer Philipshalle und der Londoner Royal Albert Hall wegen seines ehrlichen Kampfstils stets Anerkennung. Was wäre gewesen, wenn ihm das Pech, aber oft auch sein Waldecker Dickschädel nicht im Weg gestanden hätten? Es waren auch die Schlagzeilen und Eskapaden außerhalb des Rings, die ihm sportliche Wege verbaut haben, die ihm aber die meisten seiner Fans spätestens zum 70. verziehen haben. (be)

Auch interessant

Kommentare