Harmonisches Team im Rücken, Corona vor Augen

Carolin Schäfers Weg zu Olympia: „In meinem Kopf finden die Spiele statt“

„Wir profitieren ungemein voneinander“, sagt Carolin Schäfer über die Zusammenarbeit mit Michael und Stefanie Kaul (links), den Eltern von Zehnkämpfer Niklas Kaul. Seit 2019 gehört „Caro“ zur Trainingsfamilie.
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„Wir profitieren ungemein voneinander“, sagt Carolin Schäfer über die Zusammenarbeit mit Michael und Stefanie Kaul (links), den Eltern von Zehnkämpfer Niklas Kaul. Seit 2019 gehört „Caro“ zur Trainingsfamilie.

Noch 112 Tage bis Olympia: Auch Carolin Schäfer zählt mit. Die Bad Wildungerin strebt einen reibungslosen Aufbau in Richtung Tokio an. Und sie will, dass diese Spiele auch stattfinden.

Frankfurt/Bad Wildungen – Die Zielsetzung hat sich nicht geändert für Carolin Schäfer. „In meinem Kopf finden die Spiele statt“, sagt die Vizeweltmeisterin von 2017, die bereits im Jahr 2019 die Olympianorm erbracht hat. Trotz der Unsicherheit, die sie wie viele andere Athleten durch die Olympiavorbereitung begleitet. Denn die Corona-Pandemie wird auch die Umsetzung der ursprünglich für 2020 geplanten Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) beeinträchtigen.

„Ich behalte die Vorstellung bei, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Das ist für mich absolut wichtig, um mit dieser hohen Motivation ins Training zu gehen“, sagt Carolin Schäfer. Die gebürtige Bad Wildungerin, die in Mainz trainiert und für die LG Eintracht Frankfurt startet, braucht das große Ziel Olympia vor Augen, um im Training bis an ihre Grenzen zu gehen. Dass die Spiele in Tokio ganz anders ablaufen werden als Olympia 2016 in Rio, wo die 29-Jährige den fünften Platz belegte, ist ihr bewusst. Die Entscheidung gegen ausländische Helfer und Fans in Tokio findet sie nachvollziehbar und richtig.

Corona: „Wir wollen uns nicht vordrängeln“

Darüber hinaus ist es für Carolin Schäfer wichtig, dass Sportler gegen das Coronavirus geimpft werden. „Wir wollen uns nicht vordrängeln“, sagt sie, „aber wir müssen uns dessen bewusst sein, dass wir das Virus aus Tokio mitbringen könnten. Es geht in erster Linie darum, dass wir geimpft werden möchten, um im Anschluss daran wieder nach Hause zurückzukehren und kein Risiko für die Gesellschaft zu sein.“

Damit die Spiele stattfinden können, müsse Sicherheit gewährleistet sein: „Wir leben für diesen olympischen Traum, wir richten das Training danach aus und ich wünsche mir, dass diese Olympischen Spiele stattfinden.“

Seit 2019 gehört Carolin Schäfer quasi auch zur Familie Kaul. Die 29-Jährige profitiert enorm vom gemeinsamen Training mit dem Zehnkampf-Weltmeister.

Für ihren olympischen Traum ist Carolin Schäfer Ende 2019 neue Wege gegangen. Die EM-Dritte von 2018 schloss sich in Mainz der Trainingsgruppe um Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul (USC Mainz) an. Dessen Eltern Stefanie und Michael Kaul sind seither auch für das Training von Carolin Schäfer zuständig. Sie setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz, der für die beste deutsche Siebenkämpferin der letzten Jahre eine große Umstellung bedeutet: „Es ist eine komplett andere Grundphilosophie.“

Das Trainerehepaar lege viel Wert auf allgemeine Athletik und auf Techniktraining, berichtet Carolin Schäfer. Für eine gute allgemeine Ausdauer muss sie viele Kilometer absolvieren und sich insbesondere in den Tempoläufen verausgaben. „Zweimal die Woche muss ich mich für die 200, aber auch für die 800 Meter quälen und Tempohärte entwickeln. Da musste ich mich wirklich reinknien. Vorher war ich es nicht ganz gewohnt, mich so abzuschießen“, erzählt die 29 Jahre alte Athletin.

Vorher war ich es nicht ganz gewohnt, mich so abzuschießen.

Carolin Schäfer über die Trainingsintensität

Dass die Olympischen Spiele vom vergangenen aufs aktuelle Jahr verschoben wurden, verschaffte Carolin Schäfer und ihrem neuen Umfeld mehr Zeit für die Neugestaltung des Trainings: „Wir konnten uns besser aufeinander abstimmen, ich konnte das Training anpassen lassen. Und wir sind zusammengewachsen als Team.“

Das gemeinsame Training in der Gruppe tut allen Beteiligten gut. „Wir profitieren ungemein voneinander und jeder ist wichtig in dieser Gruppe“, sagt Carolin Schäfer. „Ich stelle mir unsere Trainingsgruppe immer als Lokomotive vor. Für mich ist es natürlich absolut hilfreich, mit Niklas Kaul und den anderen Jungs zu trainieren. Als Frau sowieso: Ein männliches Zugpferd vor sich zu haben macht vieles einfacher, was gerade die Tempoläufe und Sprints angeht.“

Trainingsgruppe Kaul: Gemeinsam quälen, gemeinsam lachen

Auch menschlich passt es zwischen Carolin Schäfer und der Mainzer Mehrkampfgruppe. „Wir sind ein harmonisches Team, wir verstehen uns sehr gut und kommunizieren viel miteinander. Das macht es umso schöner, weil wir viel Spaß im Training haben und bereit sind, uns zu quälen, aber auch die gewisse Lockerheit mit ins Training bringen.“ Aktuell bereitet sich das Team in Mainz auf die Freiluftsaison vor. Auf ein Trainingslager hat Carolin Schäfer aus Sicherheitsgründen verzichtet.

„Ich möchte nicht das Risiko eingehen, mich jetzt im Aufbau mit dem Virus zu infizieren und dadurch womöglich meine Olympiateilnahme aufs Spiel zu setzen“, sagt sie. Auch Hallenwettkämpfe hat sie nur zur Standortbestimmung an ihrer Trainingsstätte absolviert. Den Verzicht auf ein Trainingslager empfindet Carolin Schäfer nicht als dramatisch: „Ich brauche nicht unbedingt die Wärme, ich habe 2017 schon die Erfahrung gemacht, nicht ins Ausland fliegen zu müssen, um eine gute Saison zu absolvieren.“

Sie kann viel lachen im Training, sie will aber auch mehr beißen: Carolin Schäfer.

Ende Mai 2017 in Götzis stelle Caro Schäfer ihre bis heute gültige Bestleistung von 6836 Punkten auf. Im österreichischen Mehrkampf-Mekka möchte sie auch in der kommenden Freiluftsaison wieder an den Start gehen. „Ich hoffe, dass Götzis stattfinden kann“, sagt die zweimalige Zweitplatzierte des dortigen Mehrkampf-Meetings.

Die Olympianorm (6420 Punkte) hat sie zwar bereits 2019 abgehakt. „Ich habe nicht den zeitlichen Druck, die Norm erfüllen zu müssen, aber es wäre für den normalen Wettkampfablauf schön, wenn ich zuvor zumindest einen Siebenkampf absolvieren könnte“, meint die Bad Wildungerin.

Nur Carolin Schäfer hat die Olympianorm bisher erfüllt

Bislang ist sie die einzige deutsche Siebenkämpferin mit erfüllter Norm. Sie würde sich jedoch freuen, nicht alleine nach Tokio fahren zu müssen. 24 Starterinnen, die sich über den olympischen Richtwert oder die Weltrangliste qualifizieren können, sind bei Olympia zugelassen, maximal drei pro Nation.

Die Vorbereitung auf die Wettkampfsaison verläuft bislang nach Plan. „Ich konnte seit Oktober gut durchtrainieren“, weiß Carolin Schäfer zu berichten. Bleibt das in den kommenden Monaten so, zählt die Polizeikommissarin in Tokio zu den Kandidatinnen fürs Podium. Doch es gibt zahlreiche andere Athletinnen, die in den vergangenen Jahren in die Weltelite vorgestoßen sind. Grundsätzlich gilt in den Mehrkämpfen: Es kann vieles passieren. „Siebenkampf ist tagesformabhängig, erst nach sieben Disziplinen wird abgerechnet“, gibt Schäfer zu bedenken.

Hoffnung machen darf sie sich freilich: In den letzten Jahren reichten 6600 Punkte jedoch fast immer zu Edelmetall. „Die Olympiamedaille ist die eine internationale Medaille, die mir noch fehlt. Ich wünsche mir natürlich, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann. (Svenja Sapper) Quelle: leichtathletik.de

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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